Stuttgart, 21. Jan. Das Regierungsblatt enthält eine Verfügung des Ministeriums des Innern über die Anordnung neuer Abgeordnetenwahlen zum Zweck der Berathung einer Revision der Verfassung nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 1. Juli 1849. Die Abstimmung hat in allen Bezirken am 19. Febr. zu beginnen. Statt der früheren 70 Abstim- mungSorte und Lokale sind jetzt deren 561 angesetzt.
Berlin, 20. Jan. (D. Z.) Bei meiner Mittheilung über einen Beschluß des Verwaltungsraths, der überdies einstimmig gefaßt worden, vergaß ich eines Vorschlags neben der Annahme im Ganzen zu gedenken, nämlich der Feststellung deS Satzes, daß die Verfassungen der Einzelstaaten nach der Reichsverfassung nicht eher verändert werden sollen, als bis der nächste Reichstag die Revision beendigt haben wird.
Berlin, 20. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Bei den Besorgnissen, welche, Angesichts der gegenwärtigen verhängnißvollen Lage der innern preußischen Verhältnisse, in Bezug auf das Zustandekommen des deutschen Bundes st aares rege geworden sind, dürfte folgendes Schreiben des Königs an den Zentralwahlausschuß der verbundenen konfervativ-kon- stitutionellen Vereine des preußischen Staates von hohem Interesse seyn. Das Schreiben lautet:
Ich danke Ihnen für den Ausdruck der Treue und Anhänglichkeit, mit welchem sie mir beim Beginne deS neuen Jahres entgegengekommen sind. Dabei lasse ich dem von Ihnen geschilderten Bestreben, die Theilnahme an den Wahlen zum deutschen Parlamente zu beleben, und die Bedeutsamkeit derselben anschaulich zu machen, gern meine Anerkennung zu Theil werden. Sie handeln in meinem Sinne, wenn sie von der Ueberzeugung geleitet werden und ihr bei den Wählern Eingang verschaffen, daß Preußens Ehre und Kraft zugleich die beste Bürgschaft für Deutschlands Ruhm und Größe sind. Charlottenburg, den 19. Januar. Friedri ch Wilhelm (gegengez.) v. Manteuffel.
In Bezug auf die folgenschwere innere V erfass« ngS- frag e belebt sich die Hoffnung auf eine günstige Wendung der Dinge. Hr. v. Radowitz, welcher von Frankfurt hierher beschicken worden ist, wird heute Abend hier erwartet. In ihm erblickt man einen Vermittler und Versöhnungsboten.
Berlin, 19. Jan. (K. Z.) Heute Mittag war wieder Alles zufriedener. Hr. v. Bodelschwingh hatte die erschreckten Vertreter der Hansestädte beruhigt. Er selbst soll in einer königl. Audienz den Eid als G ewi ssensp flich t dargestellt haben. Personen, welche die Minister gesprochen, waren der Meinung, die Krisis sey fast beendigt uno der Vergleich gewiß.
Bromberg, 14. Jan. Der harte Winter und hohe Schneesall hat uns gefährliche Gäste aus dem Königreich Polen über die gefrorene Weichsel zugetrieben, nämlich eine große Anzahl von Wölfen. Ihre Vermehrung im Polnischen mag zum Theil auch von dem strengen Waffenverbote im benachbarten Königreiche herrühren, wornach es nur wenigen Jagdbesitzern erlaubt ist, ein Feuergewehr zu führen, welche Maßregel den Raubthieren natürlich sehr zu statten kommt. Die Wölfe traten bereits an einigen Orten diesseits der Grenze zu vier und sechs Stück auf und der Hunger macht sie äußerst verwegen.
Frankreich
Paris, 19. Jan. (K. Z.) Die gestrige Rede des Hrn. Thiers über das Nnterrichtsgesctz war bis jetzt die erste, die dasselbe vertheidigt hat. Diese Gerechtigkeit lassen ihr alle Blätter widerfahren, nachdem der Bischof von LangreS, unter dem Vorgeben, für das Gesetz zu sprechen, durch die stolze Behauptung der Rechte der Kirche in ihrem Konflikt mit der Universität und dem Staate eigentlich nur die Unmöglichkeit jedes auf Vereinbarung zwischen dem geistlichen und dem weltlichen Unterrichts-Monopol gegründeten Gesetzes dargethan halte. Die Organe des sozialen Konservatismus , denen es weder um Philosophie, noch um Religion an sich zu thun, denen aber alles willkommen ist, was als Instrument zur Erhaltung der bestehenden Gesellschaft dienen kann, sind sammt und sonders mit der von Thiers gepredigten Versöhnungs-Politik zufrieden, vom skeptischen „Journal des Debals" bis zur katholisch-legitimistischen „Union" herab. Nur daS Organ des
katholischen Puritanismus ,' das „Univers," hält die Fahne seiner Partei fest und schleudert heute gegen die Schlußworte des Hrn. Thiers, die auf den Bänken der Majorität so sehr beklatscht wurden, ganz unumwunden folgendes Anathema: „Es ist nicht wahr, daß die Religion und Philosophie zwei unsterbliche Schwestern seyen. Es ist nicht wahr, daß Gott die Religion in das Herz des Menschen und die Philosophie in den Kopf gelegt habe. Es ist nicht wahr, daß die Religion und die Philosophie jemals Allianzen geschlossen haben. Die Philosophie muß sich gegen die Religion empören oder sich bequemen, die Ancilla, die demüthige Magd dieser Königin zu seyn. Die h. Schrift, St. Thomas, die ganze katholische Tradition sagt dies. Nur oberflächliche und unüberlegte Geister können glauben, daß eine ernsthafte Versöhnung zwischen Hrn. v. Montalembert, der dies ebenfalls denkt und geschrieben hat, und einem Menschen, in dessen Augen Religion und Philosophie zwei unsterbliche Schwestern sind, möglich ist."
Paris, 19. Jan. Der Präsident der Republik fiel gestern beim Schlittschuhlaufen. Der Fall hat keine bedeutende Folgen nach sich gezogen und verursachte nur einige leichte Quetschungen.
In allen hiesigen Kirchen werden den 21. d. M., dem 57, Jahrestag der Hinrichtung Ludwig XVI., Trauermessen gelesen. In St. Denis soll ein großer Trauergottesdienst gehalten werden.
In einem Städtchen des Departements der oberen Loire kam eS dieser Tage zu einer revolutionären Kundgebung, wobei man außer den stereotypen Rufen : „Es lebe Lcdru-Rolliw!" und „Nieder mit den Weißen!" auch den Ruf vernahm: „Nieder mit Gott!"
Paris, 19. Jan, Die Angabe mehrerer Journale, daß vorgestern die Bank von Frankreich um eine große Summe bestohlen-, die Wache jedoch der Thäter sofort habhaft geworden sey, war durchaus irrig. Die Veranlassung zu dem Gerüchte gab die an der Bank erfolgte Verhaftung von drei englischen Dieben, die auf Bestehlung der im Bankbureau Geld empfangenden Personen ausgingen und in deren Besitze man ziemliche Werthe in Banknoten, Geld und Pretiosen fand, welche sie jedoch anscheinend schon aus Englanv mitgebracht hatten. Sie waren erst seit einigen Tagen in Paris, und einer von ihnen hatte kurz vor ihrer Berhaftüng in einem Laden einen unbedeutenden Diebstahl verübt.
Paris, 20. Jan. Ein sog. Zcntral-Komite der vereinigten Arbeiter läßt in verschiedenen Städten eine angeblich der Nationalversammlung überreichte gedruckte Petition verbreiten, worin es heißt: „Die Petitionäre erklären im Angesicht der Regierung und des Landes, daß sie, wenn die Repräsentanten nicht unverzüglich ihren Reklamationen Recht widerfahren lassen, vom 1. April ab die Steuern verweigern uud alle Bürger als Verrâther an der Gesellschaft betrachten werden, welche Wo- vilien oder Immobilien ankaufen, die im Jahre 1850 wegen rückständiger Steuern oder wegen Nichtzahlung geborgten Geldes versteigert werden."
Die Sozialisten sollen den Plan gehabt haben, den morgenden Jahrestag der Hinrichtung Ludwig's XVI. als einen Freudentag durch ein großes Banket zu begehen; wie man hört, ist dieses Vorhaben jedoch aus Klugheitsrückfichten aufgegeben worden, und eS wird bei einigen stillen Versammlungen zur Feier der Hinrichtung sein Bewenden haben.
Großbritannien.
London. Sogar die ernste „United Service Gazette* nimmt Notiz von Madame Lola und versichert, daß Herr Heald, welcher seine Offiziersstelle im 2. Garderegimenle seiner Vermählung halber aufgeben mußte, ihr eine ansehnliche Pension ausgesetzt hat, um seine Gattin, die sich mittlerweile in zwei Franzosen verliebt hat, endlich los zu werden.
Rußland.
Riga , 23. Dezember. (Schl. Ztg.) Heute wurden die hiesigen Buchläden nach mehrmonatlicher Schließung wieder geöffnet.___
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.