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Ausbleiben Vieler bei der heutigen Urwahl für den Reichstag irgend einer politischen Parteifärbung zuschreiben. Mit Aus­nahme einiger unheilbaren Schwindelköpfe, welche ohne selbst etwas schaffen zu können, nur aus gewissen Tagblättern Nahrung saugen für ihren politischen Atheismus, findet man unter der Masse der hiesigen EinwohnersLaft nur Wenige, die sich einer eigentlichen Gesinnung bewußt sind und wir glauben, nicht zu weit zu gehen, wenn wir behaupten, daß in Bezug auf Würdigung der öffentlichen Angelegenheiten den Landbewohnern der Nachbarschaft Höchst vor den Bürgern die­ser guten Kreishauptstadt der Vorzug gebühre. Der mehr als Fuß hohe Schnee konnte als Abhaltungsgrund, im Wahl- termine zu erscheinen, den Auswärtigen dienen, von Höchstern aber war man berechtigt, eine größere Theilnahme zu erwar­ten , und es könnte das. Ausbleiben Vieler allenfalls nur da­mit entschuldigt werden, daß die Wahlhandlung mit der ge- liebten Mittagsstunde in Kollision kam. Indessen hätte daö Resultat der Wahl auch bei größerer Theilnahme ein besseres nicht werden können. Wem Kayser, Döst und Gärtner bekannt sind, dem bürgen diese Namen, daß die Gewählten bei der demnäckstigen Hauptwahl den billigen Anforderungen aller wahrhaft Konstitutionellen Rechnung tragen werden.

* * Hachenburg, 20. Jan. Bei der heute hier stattge­habten Wahl der Wahlmänner für Erfurt wurden gewählt: in der Isten Klasse Kaufmann Wilhelm Bohle, in der 2ten Klasse Kaufmann Hubert Schuhmacher, in der 3ten Klasse Oberförster Stahl. Die Betheiligung an den Wahlen war sehr gering; eS hat sich der hier herrschende politische Jndif- ferentismuS dabei glänzend anS Licht gestellt. Im Ganzen find nur einige und dreißig Wähler erschienen, zumeist Staatsdiener. Aus den übrigen Wahlbezirken des hiesigen Amtes fehlen noch die Nachrichten über den Ausfall der Wahlen.

Deutschland.

Haiger, 20. Jan. Die Schwurgerichte, deren Einfüh­rung mit Jubel begrüßt wird, haben auch ihre Mängel. Auch diese Blätter haben deren erwähnt, aber, wie es scheinen möchte, einen vergessen, der nicht unwichtig ist. Mehr nämlich als bei dem früheren Verfahren glaubt jetzt ein Freigespro­chener schuldlos zu seyn,*) und ist es vielleicht nur nach dem Ermessen der Richter und den Gesetzen des Staates. Da sich aber Schuld und Unschuld weder nach dem Urtheile einzelner dem Irrthume unterworfener Menschen, noch auch nach den Normen eines menschlichen Gesetzes bestimmt, sondern einzig und allein nach den Gesetzen der ewigen Wahr, heit, so muß, wenn dieses verkannt, menschliches Urtheil und Schuld vor dem weltlichen Richter mit der untrüglichen Wahr­heit und Schuld vor dem göttlichen Richter verwechselt wird, jedenfalls die Sittlichkeit in ihrem innersten Wesen leiden, früher oder später in bloßem gesetzlichen Handeln aufgehen und eine Moral zur Geltung gelangen, die sich in dem Spruche: Stehlen ist erlaubt, aber erwischt werden verboten!" in tri­vialer Weise manifestirt. Ein Bedenken, das, wie mich dünkt, der Beachtung verdient und namentlich der Beherzigung der Geistlichen, als der Pfleger der Sittlichkeit, würdig erscheint, damit entstehenden Übeln Folgen bei Zeiten vorgebeugt werde.

Q Dillenburg, 18. Jan. Heute schon wurden die am vorigen Montag eröffneten Assisen geschlossen. Sie boten we­nig und im Ganzen uninteressante Fälle. Verübte Gewalt­thätigkeit, Ableistung eines falschen Handgelöbnisses und zwei Diebstähle waren die Gegenstände der Verhandlung. Der Assisenhof war aus denselben Mitgliedern wie das vorige Mal gebildet, als Ergänzungsrichter Justizamtmann Isbert von Montabaur und JustizamtS-Sekretär Schröder von Limburg zugegen. Unter den Geschwornen und Ersatzgcschworncn be­merkte man den früheren Reqierungsaffessyr W. v. Dungern von Weilburg, Medizinal-Assistenten Dr. Lehr von Runkel, Markscheider Beyer und Oberförster Wolff von Diez, sowie aus der hiesigen Stadt und Gegend den gewesenen Sladtrech- ner Haas und Garnfabrikanten Braum von Dillenburg,

) Um so mehr, wenn, wie das häugg geschieht, der Wahrspruch der Geschwornen ohne weiters für dieVölkstiimme", und diese Volks- stimme dann wiederum ohne weiters fürAottcsstiuune" erklärt wird.

Die Ned.

Färber Stephan von Herborn, Jakob Kunz von Burg, Johannes Thielmann von Donsbach, Schultheißen Frei sch lad von Oberscheld, Bergverwalter HaaS von Sechs, helden u. A., lauter Männer, die allgemeine Achtung genießen. Die bei den Verhandlungen fungirenden Präsidenten und Staats -Prokuratoren, sowie die Vertheidiger (Prokuratoren Braun, Keller und Schenck) wußten auch diesmal ihr Publikum zu gewinnen und bis zum Schlüsse zu fesseln. Die Entscheidungen der Geschwornen wie die Erkenntnisse des Assi, senhofS wurden von der Volksstimme gebilligt, nur wollten Viele die Freisprechung der der Mißhandlung eines Juden an, geklagten Individuen auffallend finden.

Dillenburg, 20. Januar. Heute starb nach längerem Leiden Medizinalrath Dr. Kleinschmidt. Die Stadt ver- liert in ihm einen erfahrenen, tüchtigen Arzt.

Mainz- 21. Jan. Heute treibt der Rhein bei 1214 Grad Kälte so bedeutende Eismassen an unserer Stadt vor­über, daß nach langjährigen Erfahrungen kaum noch daran zu zweifeln ist, daß in höchstens zwei Tagen, wenn nämlich die Temperatur nicht plötzlich sich ändert, die EiSmasse sich stellen wird, was eine wahre Wohlthat für unsere Stadt wäre, da die stets lebhafte Kommunikation mit Castel, insbesondere mit dem Bahnhöfe der Taunusbahn, durch ein Feststellen der Eis­decke unseres Rheines wieder vollkommen hergestellt und die uns jetzt mangelnde Brücke ersetzt würde.

Frankfurt, 18. Jan. (K. Z.) Hr. v. Blittersdorf erlebt keine Freude am Interim. Alle seine Rathschläge für die Bun, deskommisston wollen durchaus nicht verfangen. Die Bundes, Kommission hat gestern, gleichsam wie in thatsächlicher Zurück- Weisung der jüngst vernommenen Verlockungen, den Beschluß gefaßt, die Kosten ihres Daseyns nicht aus der Bundeskaffe zu entnehmen. Größtmögliche Ersparung soll an die Stelle der frühern Verschwendung treten, so daß die Bundeskommiffa, ricn für sich und für die ihnen beigeordneten Beamten auf jedweden Gehaltszuschuß aus Bundesmitteln verzichten. Nach diesem Grundsätze, der unverkennbar seine politische Bedeutung hat, und den wir im Interesse des Bundesstaates bestens akzep, tiren, sollen auch die übrigen Dienstgehatte bemessenffevn.

Aus der bayerischen Pfalz, 16. Jan. Die Telegra­ph e n l i n i e auf der Bexbacher Bahn ist nun vollendet. Sie wird wahrscheinlich von Ludwigshafen nach Mainz fortgesetzt werden, «wenn auch der Eisenbahnbau dahin noch längere Zeit auf sich warten lassen wird. Die Kosten dieser Einrichtung sind nicht sehr bedeutend, insofern das System Fardely'S auch für diese letztere Strecke in Anwendung kommt. Der Wiederauf, bau der Schiffbrücke zwischen Ludwigshafen und Mannheim erfolgt nun mit Bestimmtheit bei dem Eintritte der besseren Jahreszeit. Die badische Râgicrung hat sich mit der unsrigen in dieser Hinsicht geeinigt. (Köln. Z.)

Trier, 19. Jan. Nach der M. Z. ist Herr Grün frei­gesprochen worden. Die Nachricht ging ab, als der Vor­sitzende der Geschwornen eben noch die Verdikte gegen die übri­gen Angeklagten vortrug.

Trier, 19. Jan. (K. Z.) Die Frage in Bezug auf die bei der ZcughauSplünderung in Prüm betheiligten Mitange­klagten Grün's lautete: Ist N. N. schuldig, am 18. Mai in Vereinigung mit einer Bande und mit offener Gewalt das Zeughaus zu Prüm geplündert zu haben? Sie wurde bejaht in Bezug auf die Angeklagten I. B. Weisweiler, Bern­hard Reißen, Peter Sprink, August in Spanier. Nikolaus Jacqui not wurde zwar nicht der Plünderung selbst schuldig befunden, wohl aber der Bande hülfrciche Hand geleistet zu haben. Der Angeklagte Peter Niles, Waffen verhehlt zu haben, wissend, daß sie gestohlen waren, und der Angeklagte Wilh. Jos. Kollmann, am 19. Mai in Bern, kastel ein Attentat verübt zu haben, dessen Zweck es war, die königl. Regierung umzustürzen oder zu verändern.

Aus Karlsruhe meldet unterm 19. Januar dieBiene« Folgendes:Dem Vernehmen nach wird die Dislokation deS badischen Armeekorps in preußische Garnisonen in Bälde vo» sich gehen. Die Provinz Pommern, die Mark und Schlesien werden den betreffenden Truppcutheilen die verschiedenen Stand- quartiere geben."