Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 20, Donnerstag -en 24, Januar 1850,
Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme deS Sonntags. — Der vierteljährige Prânume- rationSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und KurfürstenthuniS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fL HO fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
Weitere Wahlresultate in Nassau.
Deutschland. Haiger (Eine nachtheilige Wirkung der Schwurgerichte).
— Dillenburg (Schluß der Asflsensitzung. Dr. Kleinschmidt t). — Mainz (Das Rheineis). — Frankfurt (Heilsame Maßregeln der Bundeskommission). — Aus der bayerischen PfalzsTelegraphenlinie von Ludwigshafen nach Mainz. Die Mannheimer Schiffbrücke). — Trier (Grün freigesprochen. Seine Mitangeklagten). — Stuttgart (Neue Wahlen). — Berlin (Aus dem Berwallungsrathe. Die Ver- faffungskrisis).
Frankreich. P a r is (Das Unterrichtsgesetz. Vermischtes).
Großbritannien. London (Lola Montez).
Rußland. Riga (Wiedereröffnung des Buchhandels).
Weitere Wahlresultate in Nassau.
Limburg:
1. Abtheilung Dr. Busch.
2.
Ed. Trombetta.
3.
V
Gcistl. Rath Diehl. •
Rüdesheim:
1.
//
Präsident von Ritter.
2.
ff
Kreisamtmann von Gagern,
3.
ff
J. V. Sturm.
Hachenburg:
1.
ff
Kaufmann Wilhelm Bohle.
2.
ff
Kaufm. Hubert Schuhmacher.
3.
ff
Oberförster Karl Stahl.
Rennerod:
1.
lf
Kaufmann M a r b u r g.
2.
ff
Posthalter Wollweber.
3.
ff
unbekannt.
Wehrheim:
1.
ff
Philipp Altendörfer zu Wehr- 'heim.
2.
ff
Oberförster S ch o t t zu Reifenberg.
-
3.
ff
Förster Jakob Velte zu Obern- hain.
Höchst:
1.
ff
Amtsapothcker Kayser.
2.
ff
Spengler Johann Gärtner.
3.
ff
Georg Joseph Döft.
Eltville:
1.
ff
Adolf Herber.
2.
ff
Amtsapotheker Simon.
3.
ff
Matthäus Müller.
* Aus Reichelsheim geht der Redaktion nachfolgendes Schreiben zu:
Das Wählen hat hierselbst um deßwillen keinen Anklang gefunden, weil wir hier von unserem Wahlort allzuweit entfernt sind.
Wir liegen von Cleeberg, in welchem die Wahl der Wahlmänner zum Volköhause für unsern Bezirk stattfinden soll, sieben Stunden entfernt. Es gehören in den Wintertagen drei Tage Zeit dazu, um sich an einer solchen Wahl betheiligen zu können; es ist nicht möglich, daß sich die Gesammtheit der Wähler mehrere Tage hinter einander aus dem Orte entfernen kann, und wenn eS auch möglich wäre, doch nicht zu erwarten, daß Viele solches thun, da einzelnen Wählern, ihnen
I
unbekannten Leuten gegenüber, nicht die Möglichkeit gegeben ist, im Sinne der Partei ein Resultat zu erzielen. Es ist daran jevoch nicht der Mangel an gutem Willen, sondern nur die unzweckmäßige Zusammenlegung der Ort- sch asten des hiesigen Wahlkreises und der Umstand schuld, daß die hiesigen Wähler mit den dortigen in gar keiner persönlichen Bekanntschaft stehen. Dazu kommt noch, daß nach einem Schreiben deS Bürgermeisters von Cleeberg der Weg von hier bis dorthin, wegen des tiefen Schnee'S, noch nicht einmal wohl mit Fuhrwerk passirt werden kann und von Butzbach aus, über einen hohen Berg, IVi Stunden weit zu Fuß gemacht werden müßte.
Es ist diesen Umständen zuzuschreiben, daß sich von hier dermalen Niemand an dieser Wahl betheiligt hat, und eS wäre, da dieses nicht anders erwartet werden konnte, die Bildung eines Lokal-Wahlkomite's dahier eine nutzlose Sache gewesen. Ich habe mit vielen, gleich mir, konstitutionell gesinnten Freunden darüber gesprochen, aber die Betheiligung an der Wahl scheiterte immer an der Entfernung und dem ungangbaren Weg zwischen hier und Cleeberg. Hätte die Wahl im hiesigen Amtsbezirke stattgefunden, so glaube ich, daß sich sämmtliche in den Listen stehende Urwähler daran betheiligt hätten.
Sollte, für die Zukunft eine ähnliche Wahl stattfinden, so wird man sich bemühen, daß für den hiesigen Kreis, bezüglich des Wahlortes, eine bessere Einrichtung gemacht wird, indem sonst derselbe immer indirekt von diesen Wahlen ausgeschlossen seyn würde. •
0 Vom Main, 20. Jan. Ein so reges Leben sich sonst unter den Einwohnern der Stadt Höchst kund gab, wenn eS galt, über öffentliche Angelegenheiten zu schreien, zu schimpfen oder doch wenigstens zu deklamiren, eine eben so auffallende Theilnahmlosigkeit ist daselbst eingetreten, seitdem man einsehen lernte, daß daS Schreien und Schimpfen den bessern, und an Zahl nicht unbedeutenden Theil der Einwohnerschaft gegen-sich hat, und die beliebt gewesenen Deklamationen eben nur papageicnmäßig nachgesprochene Phrasen waren. Bedauerlich ist eS nur, daß das Zurückziehen des ge- sinnungstüchtigern Theiles, die parteilose Masse in eine Lethâr- gie versenkte, welche sie für jede Theilnahme an öffentlichen Angelegenheiten abgestumpft hat. Weder die Berathungen deS Gemeinderaths noch die deS Kreisbezirksrathes haben sich der Theilnahme einer andern als gerade der materiell bei den zu verhandelnden Gegenständen betheiligten Zuhörerschaft zu erfreuen. Selbst da, wo eine Strafandrohung Statt findet, hält cs äußerst schwer, die Bürgerschaft zu irgend einem öffentlichen Zwecke, als: Vornahme einer Wahl und dergl. in erforderlicher Zahl zusammen zu bringen, wie sich dieses erst bei der vor 14 Tagen stattgcfundencn Ergänzungswahl des Bürgerausschusses deutlich zeigte. Es ist dies ein bekla- genswerthes Zeugniß für die gänzliche Stumpfheit in allen öffentlichen Angelegenheiten , welche bei dem einen Theile aus Aerger über die mißlungenen Pläne , bei dem andern aus Eckel gegen die kaum entschwundene allzugroße Ocffentlichkeit entstanden ist. Man würde daher sehr irren, wollte man das