Die Revision des Preß gesetzes in der zweiten Kammer > wird, wie man glaubt, sehr bald beginnen. Die äußerste (i Rechte besteht auf Kautionen für neu zu gründende Blätter. t Schon bestehende Blätter sollen bei Verurtheilungen wegen b Preßvergchen accessorisch zur Bestellung einer Kaution ver,
x pflichtet werden.
Schwerin, 16. Jan. Die amtliche mecklenburgische Zeitung schreibt: Sicherm Bernehmen nach hat der VerwaltungS- $ rath zu Berlin in seiner am 11. Jan. abgehaltenen Sitzung 1 einstimmig die nöthigen Beschlüsse gefaßt, um ein vielleicht
, intendirtes Verschreiben der provisorischen Bundeskommission
zu Frankfurt in der mecklendurgis chen Verfass ungS- angelenheit zu verhindern. Da nun bisher auch keinerlei Erlaß in der Derfassungsangelegenheit au daS mecklenburg- schwerinische Ministerium gelangt ist, also die verschiedenen Zeitungsnachrichten, welche Dies behaupten, auf Unwahr, , heiten beruhen, so steht auch in Maßgabe der vorgedachten, von dem Verwaltungsrathe gefaßten Beschlüsse nicht zu erwarten, daß die provisorische Bundeskommission'in dieser ganz außer dem Bereich ihrer Kompetenz liegenden Angelegenheit überhaupt thätig werden wird.
Wien, 17, Jan. (D. Z.) Die süddeutsche Post ist angekommen und man will aus Franfurter Briefen wissen, daß die Stimmung daselbst plötzlich zum Nachtheile Preußens umgeschlagen, daß in Berlin Unruhen ausgebrochen rc. Als man dies alles unserem Ministerpräsidenten referirte und ihn fragte, waS er von den Zuständen in Preußen halte, antwortete er auf die ihm eigene ruhige und lakonische Art: „WaS soll ich mir den Kopf zerbrechen mit Denken? In acht Tagen werden wir ohnehin wissen, was geschieht oder geschehen ist."
Erzherzog Johann hat sich für seine demnächst bevorstehende Ankunft in Gratz alle Empfangsfeierlichkeiten, zu welchen die Stadt sich bereits rüstete, verbeten. Die Gratzer Ztg. veröffentlichte daS folgende Schreiben:
„Lieber Marquet! Nachdem ich dieser Tage nach Gratz kommen werde, so schreibe ich an Sie, um Sie um Folgendes zu ersuchen : Ich kehre in die Steiermark zurück, wie ich geschieden bin, folglich hat sich bei mir Nichts verändert; die. ses hoffe ich auch bei den Bewohnern des Landes und der Stadt Gratz zu finden. Ich werde es als den größten Beweis von Zuneigung e.kennen, wenn sie sich aller, was immer für Namen habenden Demonstrationen bei meiner Ankunft enthalten, da diese nach meinem Gefühle nur unserem Kaiser gebühren. Ich werde übrigens sehr froh seyn , Jeden zu sehen, und gute freundliche Gesichter zu finden. Den Tag meiner Ankunft werden Sie durch den Telegraphen erfahren. Wollen Sie die Güte haben, dem F.-M.-L. Eynatten milzu- theilen, daß ich keinerlei Ausrückung der Garnison wünsche, den Tag nach meiner Ankunft aber sehr gerne die Offiziere sehen werde. Wien, am 13. Jänner 18â0. Ihr aufrichtiger Johann m. p."
Heute ist keine neue Landesverfassung gegeben und kein • neuer Belagerungszustand dekretirt, dafür sind aber die Kanz- leinener- und Botenstellen in den Ministerien in drei Klassen getheilt und vor allen Dingen die bisherige Benennung „Hausknecht" .gänzlich beseitigt. Und doch würde der Tiiel „taiser- lich königlicher Hausknecht" etwas Hinreißendes haben!
Wien, 16. Jan. Seit zwei Tagen sind sämmtliche Posten hier nicht eingetroffen und nach uns soeben zugekommenen telegraphischen Depeschen sind die Eisenbahnstrecken, namentlich jene der Nordbahn zwischen Wagram und Gänserndorf, von Schnee dergestalt verweht, daß man heute nirgends mit dem Schneepfluge durchzubrechen vermochte. Sturm undSchnee. gestöber hausen derart, daß nicht gearbeitet werden kann, daher auch die Bahn vor morgen nicht fahrbar wird. — Seil gestern zirkulirl hier das Gerücht, General Bem sey zu Zosseck an den Folgen einer Vergiftung gestorben. Dasselbe bedarf aber noch der Bestätigung.
Der „Wanderer" bringt in seinen heutigen Nummern wichtige Korrespondenznachrichten aus Konstantinopel vom 1. 6., woraus hervorgeht, daß die Flüchtlingöangelcgenheit als beigclegt zu betrachten ist, und in Folge einer am 30. Dez. stattgehabten Konferenz zwischen den Gesandten Frankreichs und Englands die französische Flotte den Befehl erhielt, daS tür
kische Gebiet zu verlassen. — Hinsichtlich der Flüchtlinge werden die Polen, welche russische Unterthanen sind, entfernt (éloigné), während es in der russischen Note chassé hieß. In Bezug auf die österreichischen Flüchtlinge werden alle jene inter, nirt, deren Namensverzeichniß dem österreichischen Gesandten vorgelegt wird. AlS Ort der Jnternirung ist Konjeh in Klein- Asien bestimmt. Für diejenigen aber, welche zum Islam übertraten, auch Aleppo oder Eypern, und für den Fall, daß man sie in Dienste treten ließe, solche Gegenden, die von der österreichischen Grenze entfernt sind. In dem Maaße, als die Ordnung in Ungarn wieder hergestellt wird, kann die Pforte die Strenge der Ueberwachung der Internaten vermindern, und dieselben wieder in Freiheit setzen, sobald sich in Oesterreich keine Spuren der Gährung zeigen.
Schweiz.
Baselland, 19. Jan. Baselland lebt völlig im Stande der Unschuld. Die letzte Staatsrechnung hat auch einen Ausgabeposten von — zehn Francs: „geheime Auslagen". Mit großem Ernst wurde im Landrath Auskunft über diese geheimen Ausgaben verlangt.
Am 25. Dez. drohte der Ta ub stum me nanst a l t in Hoheurain bei Luzern ein großes Unglück. AbendS nach 4 Uhr brach im Schlafzimmer der weiblichen Zöglinge Feuer aus, welches aber bald gelöscht werden konnte. Brandstifter ist der elfjährige taubstumme Knabe Wilhelm Huwiler von Müswan, gen, welcher heimlich ein brennendes Scheit aus dem Ofen nahm und damit ein Bett anzündete. Er hat die That verübt, weil er glaubte, wenn daS HauS abbrcnne, könne er zu seinen Eltern zurückkehren. Derselbe Knabe wollte einige Tag« vorher sich den Zeigefinger der rechten Hand abschneiden, damit er nicht mehr schreiben müsse.
Frankreich.
In ArleS fanden am 12. Jan. Ruhestörungen statt, die anfangs einen ziemlich bedrohlichen Charakter entwickelten. ES hatten nämlich die Legitimisten einen Ball veranstaltet, dem etwa 200 Gäste beiwohnten. Die Demokraten, welche bekanntlich die Freiheit nur in einem ihrer Sekte ausschließlich günstigen Sinne verstehen, hielten diese harmlose Tanzbelustigung für eine politische Demonstration und rotteten sich in einer Anzahl von 1200 bis 1800 Individuen zusammen, um in den Saal zu dringen und die Tanzenden auseinander zu treiben. DaS zum Schutze des Gebäudes aufgestellte Picket war nahe daran, überwältigt zu werden, als eine Abtheilung Reiterei unter Leitung deS Maires und Präfekten erschien und die Masse zerstreute, ohne daß Jemand an Leib oder Seele Schaden nahm.
Großbritannien
London. Das ohnehin sehr unbestimmte Gerücht von dem Ableben Ludwig Philipps scheint sich, der Times zufolge, nicht zu bestätigen. Wenigstens halte sein Leibarzt, Dr. G. deNuffy, welcher am 17. Abends den König in Claremont bei guter Gesundheit verlassen hatte und in London angekommen war, keine Kunde der Art erhalten.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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Die Expedition der Aast. Allg. Zeitung.
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