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ausschuffe wäre überhaupt sehr zu empfehlen, daß er sich künf­tig nicht auf Erledigung der ihm von dem Gemeinderath ge­machten Vorlagen beschränke, sondern ein selbständigeres Leben entwickele, damit er die ihm durch das Gesetz gestellte Aufgabe: die Gemeindeverwaltung zu kontroliren und er­forderlichen Falls zu korrigiren auch wirklich löse. An Stoff zu selbständigen Anträgen von Seiten deS Bürgerausschusses fehlt es leider nicht, und möchten wir als einen der dringendsten den empfehlen, welcher eine genügende Sicherstellung des städtischen AerarS für pünktliche und vollständige Erhebung aller ihm gesetzlich zu­steh enden Einnahmen bezweckte. ES kurstren nämlich schon längst dahier Gerüchte, daß die so sehr bedeutende Akzise- Einnahme, welche bekanntlich in letzter Instanz nicht von den Gewerbetreibenden, sondern von den Konsumenten bezahlt wird, auf eine höchst mangelhafte, der Defraudation Thor und Thür öffnende Weise bewerkstelligt werde; ebenso verlautet, daß die Rückstände der hiesigen Stadtkasse während des abgewichenen JahreS auf eine ganz enorme Höhe angewachsen seyen , wo­gegen wohl nicht als Entschuldigung geltend gemacht werden wird, daß die Beitreibung mit Rücksicht auf die ärmere Klasse mit Schonung habe betrieben werden müssen, indem eines Theils so bedeutende Rückstände nicht blos bei der ärmeren Klasse aufgewachsen seyn können, und andern Theils be­kanntlich kein sichereres Mittel gibt, einen geringen Vermö- gensstand zu ruiniren, als wenn'man die an sich geringen ein­zelnen Posten anwachsen läßt.

Wir halten es für eine der ersten Pflichten des Bürger- auSschusseS, dieser hochwichtigen Angelegenheit seine volle Auf­merksamkeit zu widmen, und behalten uns vor, demnächst noch einige andere Gegenstände seiner Beachtuug zu empfehlen.

* Wiesbaden, 19. Jan. Gestern und heute wurde vor dem hiesigen Assisenhofe die Anklage gegen Jakob B e n s von Ke- mel wegen Diebstähle und Fälschung abgehandelt. Der Ange, schuldigte wurde zu zwei Jahren KorrektionShausstrafe und zur Erstattung der Prozeßkosten verurtheilt. DaS Nähere wer­den wir nachtragen.

Karlsruhe, 18. Januar. Wie das so eben ausgegebene Regierungsblatt meldet, ist der Kriegszustand und das Standrecht abermals auf weitere vier Wochen verlängert worden.

Rastatt, 12. Jan. (A. A. Z.) Gestern ist die Entschließung deS Großherzogs über dieReorganisation der Reiterei" kund geworden. Letztere wird künftig aus drei Regimentern beste- hen, welche sämmtlich unter den Oberbefehl des Obristen von Roggenbach, Bruders des Kriegsministers, gestellt sind.

ES ist uns bei dieser Gelegenheit ein Reiterstück aus den ersten Tagen der badischen Revolution wieder in Erinnerung gekommen, welches zu sehr an dieMusketiere der Königin" erinnert, als daß es ganz der Vergessenheit übergeben werden könnte. Als die Meuterer dèn 11. Mai vor dem Hause des Obristen v. Pierron sich sammelten, wurde der Gouverneur der Festung, an der Spitze einer Schwadron Hinckeldey'scher Dragoner, von den Meuterern mit Steinwürfen verwundet. Der Anführer des ersten Zuges, ein junger Offizier, setzte mit dem Rufe zum Einsprengen, die Sporen ein und durchbrach die tobende Menge, obgleich kein Mann von der Schwadron ihm folgte. Als er dieß wahrnahm, sprengte er durch die Herrenstraße in die Kapellenstraße ein, und kam von der Wilhelms­kaserne her wieder zur Stelle, wo die Schwadron gestanden war. Diese hatte sich aber in den Schloßhof zurückgezogen und die Meuterer begannen die Wohnung des Obristen mit Steinwürfen zu stürmen; da hieb er sich noch einmal durch den rasenden Haufen durch und erreichte glücklich seinen Sammel­platz. In der späten Nacht ging er sodann mit einer Leuchte zur Schlafstätte seiner Leute, las die zuverlässigsten aus und eskortirte mit diesen Struve zur Eisenbahn, von wo ein Ertra- zug ihn nach Bruchsal bringen sollte. Die Thorwache will den Ausmarsch hindern; auch hier brach er mit seinen Dragonern durch und vollführte den erhaltenen Auftrag. Als am Abend des andern TagS die Dragoner an der Südseite deS Schloß­gartens sich wieder weigerten auf die Meuterer einzuhauen, wurde er, der einzige Mann, von der rasenden Rotte umringt, und brach sich mit dem Säbel Bahn durch die Poststraße, den Schloßplatz und die Herrenstraße, während wenigstens 500

Mann mit Steinen, Faschinenmeffern, graulichem Geheul ihm nachsetzten, und setzte beim Kirchhofe über eine Barriere, wo­mit die Empörer den AuSgang aus den Festungswerken beim Fort B verrammelt hatten.

So gelangte er glücklich zu den nach Karlsruhe^abziehen- den Truppen, geleitete von dort die Artillerie bis Fürfeld, und als sie von würtembergischen Bürgerwehren dort angehalten wurden, führte er mit einem Kriegsschüler den Entschluß aus, letztere zu durchbrechen und gelangte frei nach Ludwigsburg. WaS aus dem jungen Mann geworden, ist mir nicht bekannt; unter den Namen der Belobten und Dekorirten habe ich den seinigen nicht gelesen. ES war Lieutenant Gramm von Frei­burg im Breisgau.

Berlin, 16. Januar. (O.-P.-A.-Z.) Der König arbeitete heute Morgen bereits um 8 Uhr mit den Ministern im Schlosse Bellevue. Die Minister sollen unablässig dahin bestrebt seyn, ihn zu Konzessionen in der Steuerfrage gegen die zweite Kammer zu bewegen. Ob es gelingen wird, steht fort­während dahin. Es bekämpfen sich immer unverkennbarer in der Krone zwei mächtige Parteien. Bis jetzt behauptete die Parteider vervollkommten Verfassung" daS Feld.

Frankreich.

Paris, 16. Januar. In einem Briefe aus Bagne'res de Luchon vom ,12. Jan. heißt eS: Seit Menschengedenken hat man keinen solchen Schnee auf der Pyrcnäengrenze gesehen. An mehreren Punkten sind die Verbindungen gänzlich unter­brochen. Man kann häufig nicht von einem Dorf zum andern kommen. Hie und da stürzen die Häuser unter dem Gewicht des Schnees ein. Französische Einwohner sind seit einem Monat in spanischen Dörfern, die auf den Landstraßen zwischen den beiden Ländern liegen, zurückgehalten. Einzelne, die sich in die Berge gewagt haben, find erfroren oder im Schnee um­gekommen. Es ist von zwei Ehegatten die Rede, die einen gemeinsames! Tod durch Erfrieren der Trennung vorzogen. In dem Thal von Luchon sind mehrere Dächer eingedrückt worden, wobei viele Menschen um'S Leben gekommen sind.

Amerika

In New-Aork ist die große Zuckerraffinerie von Woolfer u. Komp., die älteste und ausgedehnteste in Amerika, die ein ungeheueres Gebäude von 9 Stockwerk Höhe bildet, von einer Feuersbrunst fast ganz vernichtet, kaum konnten die dazu ge­hörenden Gebäude, deren eins Schießpulver enthält, gerettet werden. Der Schaden ist sehr bedeutend, ohne daß er jetzt schon angegeben werden könnte. Für 4000 Dollar raffinirten Zucker sind gerettet und 1200 Kisten Rohzucker waren gerade am Abend vorher und am Morgen des Brandes eingebracht worden. Der Werth des Vorraths kurz vor dem Brande wird auf 535,800 Dollar angegeben. Nach anderen Berichten soll sich der Schaden auf 600,000 Dollar belaufen , ungerechnet deS Zeit- und Geschäftsverlustes. DaS Unglück wird dadurch vermehrt, daß 460 Personen auf diese Weise augenblicklich arbeitslos geworden find, und nur ein geringer Theil des Ge- schäftS versichert war, indem erst vor Kurzem die Gesellschaft eine Police von 250,000 Dollar ablaufen ließ, ohne fie zu erneuern,

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Frachtpreis e.

Namen der Städte.

Datum der Preise.

Waizen pc. Malter

Pfdlfl.gr.

Korn w. Malter Pfdlff.gr.

Gerste vr. Malter

Hafer vr. Malter

Psd fl. lkr.

Ptd

ff.

fr.

Bingen ....

16. Jan.

260

7

8

266

4

42

147

3

32

129

2

47

Diez.....

4. Jan.

310

10

35

290

7

20

260

5

17

4

20

Dillenburg . . .

12. Jan.

300

11

30

300

9

'

260

7

190

5

.

Friedberg . . .

Hadamar....

18. Jan.

21. Jul.

215

7

14

15

30

196

4

8

45

50

75

3

7

45

136

2

4

35

10

Herborn ....

13. Jan.

320

11

360

9

30

260

6

40

200

4

20

Mainz.....

11. Jan.

200

7

14

200

4

38

200

4

29

200

5

24

Wiesbaden . . .

17. Jan.

170

6

15

160

4

10

144

3

30

96

2

15

Druck und Verlag der L. ScheÜenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,