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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JS 15» Freitag den 18. Januar 1830«

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Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Das Gutachten der Kommission für die evangelische Kirchen- verfassungöfrage.

Komplott in Petersburg.

Deutschland. Mainz (Die Erwählung des Dr. Schmidt zum Bischöfe in Rom verworfen). Wiesloch (Erzeß). Wien (Russische Sym­pathien in Ungarn. Der Adel).

Schweiz. Bern (Die Flüchtlinge in Neuenburg).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Italien. (Meuterei an Bord eines Schiffes). Turin (Die Abgeord­

netenkammer genehmigt den Friedensvertrag mit Oesterreich).

Rußland. Von der polnischen Gränze (Statistische Studien der

Russen in Ungarn).

Zeitungsschau

Die Deutsche Reichszeitung enthält folgenden amüsanten Artikel aus Berlin vom 9. Jan.: Rickerl auf Burg Ziefer, Heinrich von Schierstädt auf Dahlen, v. NathusluS auf Hun- disburg, der v. Brauchilsch aus Schtraeuke, Schulz, Baron v. Münchhausen, der Freie v. Ploiho auf Zerben, Graf War­tensleben auf Carow, Baron Ploiho auf Parey, der v. Kalte auf Wilhelmsthal, v. Byern auf Pärchen, der v. Ostrau auf Lretzel und die v. Britzie auf Warchau und Demsin habendem Staatsministerium abgesagt. Da diese Herren und Ritter sämmtlich angesessen sind auf dem Wege von Berlin nach Braunschweig, so wundern Sie sich nicht, wenn vielleicht in den nächsten Tagen die Posten von hier Ihnen fehlen, wenig­stens mit Staatsbriefen und Staatszeitungen. Die Einigung der Herren und Ritter fand zu Genthin statt und der Fehde­brief ward geschrieben am Samstag vor dem dritten Advent, alias den 15. Dez. deS Jahres deö Heils 1849. Da seitdem drei Wochen vergangen, so muß man annehmen, daß er ritter­lich und ehrlich seither dem Ministerium übermacht und einge- hândigt ist und die edlen Herren also ritterlich und ehrlich ihre Reisigen können lagern lassen, fahnden, greifen und werfen, waS vom Slaatsministerium ihnen in die Hände fällt. Ohne Scherz, die heutigen Morgenzeitungen enthalten dec Länge und Breite den Absagebrief, in welchem die genannten edlen Herren offen und männiglich erklären, wie sie in Bezug auf das Ministerium,geduldet, getragen und gehofft aber wir haben uns getäuscht. Das Ministerium Brandenburg«Manteuffel hat, selbstentschlossen und selbstbewußt, die Grundsätze der von ihm selbst siegreich bekämpften Revolution akzepürt und durch Nichtachtung des Rechts Hand angelegt, die Grundvestcn zu zerstören, auf denen die Größe unsers Vaterlandes beruht I" (sicü) Ueber die Beweggründe wollen sie nicht richten, aber die Thatsache bilde das Ziel, an dem ihre Wege und die deS Ministeriums auseinanvergehen. Die jetzt vom Ministerium betretenen sind dieWege des AbgrundcS". Und nun heißt eS wörtlich:Und deshalb sagen wir, in dem Sinne, den daS konstitutionelle Staatswesen der Sache gibt, öffentlich hiermit

dem jetzigen Staatsministerium ab." Also ein erster konstitu­tioneller Privat-Fehdebricf. Er schließt mit den Worten:Ge­rechtigkeit erhöht ein Volk, aber das Unrecht ist des Landes Verderben." Wahrscheinlich werden noch andere Absagebriefe der Art folgen; denn eine lobenswerthe That bleibt gleich der schlechten nie allein. Und nun vergleiche man diese Junker, die jetzt in ihrem Harnische rasseln und ihre Streitrosse bestei­gen, mit denselben Junkern im März und April 1848. Wo waren sie, als der Thron wankte? Wie standen sie der länd­lichen Bevölkerung gegenüber, als diese an ihre Herrenhäuser pochte? Zogen sie ihre Zugbrücken auf und wollten ihr Recht bis auf den letzten Blutstropfen verfechten? Sie gaben klein bei, sie waren mit Allem zufrieden. Und was brachte sie jetzt in den ritterlich religiösen Zorn? Des Königs Unglück? Ter­roristenhaufen, die sein Schloß stürmten? Bilderstürmer? Der hereinbrechende Atheismus, der Untergang der christlichen Kirche? Nichts von alledem! Nur der Gedanke, daß sie Rentenbriefe nehmen müssen, statt der Renten in Natura, und daß diese Rentenbriefe an der Börse wahrscheinlich in den ersten Jahren unter Pari stehen werden. Ihren Verlust rechnen sie als Ma- rimum auf mögliche 28 Prozent eines Theils ihrer Einnah­men. Darum Ritlerfehde auf Tod und Leben. Wenn man sie näher kennt, sind eS ganz gute Leute, gar nicht zorniger Natur; auch zum Opfern bereit, wenn sie sehen, eS geht nicht anders. Und wer hat sie verführt? Allein die Kreuzzeitung. Die ist die einzige Quelle ihrer politischen Weisheit, daS Evangelium der Gutsbesitzer und eines Theils der Pfarrer auf dem Lande.

Die Freimüthige Sachsenzeitung meint unter ihrer Rubrik Tagesgeschichte": Mit Besorgniß hören wir von Personen, deren Stellung alle Beachtung verdient,daß die BundeSkom- mission den Plan einer allgemeinen Volksbewaff­nung, und nicht in der Form einer Landwehr, in hohe Er­wägung genommen haben solle." Kaum können wir an die Möglichkeit der Annahme eines solchen unglücklichen PlanS glauben, wovon alle Erfahrungen so dringend abmahnen müssen!

Die österreichischen Blätter beginnen bereits die verhäng- nißvolle Wendung der Verfassungöangelegenheil in Berlin auS, zubeuten.Die Minister, welche die Verfassung unterschrieben sagt ein in tiefe Bitterkeit getauchter Artikel eines Blattes, das sonst der gemäßigten Richtung angehört, deS Const. Bl. a. B. verleugnen sie. Hofft daS preußische Ministerium so Preußen an die Spitze von Deutschland zu stellen? Hofft eS so die Staaten zum Beitritte zum Bundesstaate hinzuziehen? Die preußische Regierung hat mit diesem Schritte den Reichs­tag zu Erfurt unmöglich gemacht. Niemand wird ihr trauen, daß es ihr Ernst sey, die für den Bundesstaat projektirte,Ver­fassung zu halten. Wenn eS ihr einmal gelungen, die Männer der andern deutschen Staaten ihrem Heere und deren Thaler ihren Truhen einzuverleiben, wird sie den Satz zur Wahrheit machen, daß zwischen den Reichsvorstand und das Volk sich