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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J£ 14» Donnerstag den 17 Januar 1S30*

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Das Gutachten der Kommission für die evangelische Kircheu- verfasiungssrage.

Deutschlanv. Wiesbaden (Afiiien). Frankfurt (Die Besatzung ter Start). Vom Rhein (Lie ZentralrheiaschifffahrtS-Kommimoa). Mannheim (Menschenfreundlichkeit teS König» von Preußen). Heidelberg (Sinkasernirnng ter Liurven. Verwischtes). Stutt­gart (Versammlung in Plochingen). Dresden (Eine freie Gemeinde zum Zeitvertreib gegründet). Berlin (Telegravhische Nachricht. Die Jrsingiaver). Wien (Ler Karnerat. Frau «su Brautbof in den grâ Sichen Staut erhoben. Untersuchung wegen eines Verhafteten in Parva).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

statten. gl» r ex | (SmirtfäUr).

Uehara. - (Äerhasiaag :« B^sch»sS ree Großwardeiu).

Z e i t u n g s s ch a u

Gegen die von unS mitgetheilte Erklärung Römers ver- öffentlicht Karl Vogt folgende, durch ihren edlen Ltyl aus­gezeichnete Erwiderung: Von dem durch Herrn Römer in der Wärt. Zeitung" mitgetheilten Gespräche mit mir ist soviel wahr, daß ich allerdings in ihn drang, die durchaus unbe­gründete Haft Ficklers aufzuheben und ihm erklärte, im Wei­gerungsfälle würde die Nationalversammlung dieß thun, sobald nämlich Fickler an Peier's Stelle, der damals seinen Austritt erklärte, gewählt sey. Diese Wahl, welche aus mir unbe­kannten Gründen nicht vollzogen wurde, hätte der National­versammlung allerdings die gesetzliche Kompetenz verliehen, trotz Herrn Römer, die Haft aufzuheben. Herr Römer warf statt aller Antwort den Kopf in den Nacken zurück und ging.

An den übrigen Phrasen, die er erzählt, ist kein wahres Wort. Herr Römer mag daS Gespräch später, so in seiner Weise auSgeschmückt, zur Vermehrung seines Heldenruhmes in der Kneipezum Schatten" erzählt haben er würde aber nicht gewagt haben, mir gegenüber solche Ausdrücke zu* gebrauchen. Die ganze Haltung der Römer'schen Erzählung mit ihren würzigen Schimpfzusätzen streift zu sehr an jene ro­mantische Selbstüberhebung nach Geschehenem, welche man auf deutschen UniversitätenStroh-Renommage" zu nennen pflegt, alS daß ich nöthig fände, diese feinen Blüthen nachmärzlicher Ministerialbilbung in ihrer Unwahrheit noch weiter zu be­leuchten.

DenGrânzboten" wird aus Erfurt geschrieben: Inden alten Kirchen zu Erfurt fängt ein unheimliches Werk an. Her­ren mit Brillen klopfen prüfend mit dem Zeigefinger an die Pfeiler; Zimmerleute mit Zollmaaßen schreiten messend durch die Schiffe und Chöre; ein ParlamentShauS wird improvifirt

in den frommen Steinbauten und die Geister der bärtigen Mönche kann man jetzt jede Nacht händeringend auf ihren Lci- chensteinen fitzen sehen, wie sie bitterlich klagen über die dro, hende Störung ihrer hundertjährigen Ruhe. Auch in den Staaten regt sich's zu den Wahlen am 31. Januar, Wahl« komite'S find gebildet, die Versammlungen der Parteien beginnen und gute Namen klingen in die Ohren der Wähler. Die De- mofratenpartei von 48 hat fast überall den Entschluß gefaßt, nicht zu wählen. Es ist dagegen nichts zu tagen. Wenn eine politische Partei sich in Masse von der Theilnahme an der höchsten und edelsten Thätigkeit im StaatSleben rurück- zieht, weil sie dem Staate die Berechtigung, zu leben, abipricht, so gleicht sie jenem armen Verrückten, welcher seinen Wächter dadurch zu beseitigen glaubte, daß er ihm einen T-vtenscheia nach dem andern auSstellte. In der That schreibt fie durch ein solches Verhalten ihrem eignen W-tz und ihrer Krass daS Tod- lenzesgniß. W>r aber freuen uns im Interesse unsrer Partei uns unseres deutschen Vaterlandes über b:e>m großen vsiiii'ch-n Fehler. Wir weisen jetzt viel weniger Thorheit uns Bechränki« heil der Einzelnen zu überwinden haben, und wenn wir eint Anzahl von braven und tüchtigen Männern, welche durch daS Jahr 48 an die alte demokratische Partei gebunden find, un­gern in dem neuen Parlamente vermissen werden, so ist die Zahl derer doch viel größer, zu deren .Abwesenheit wir unS Glück wünschen.

Die Allgemeine Zeitung urtheilt über die neuen Konflikte in Berlin folgendermaßen: ES liegen Briefe und Berichte auS Berlin von allen Farben vor. Alle kommen darin überein, daß die königl. Botschaft vom 7. Januar den Abschluß deS VerfaffungSwerkeS aufs Neue in ganz ungewisse Zukunft stellt. Die Botschaft und ihre Vorschläge erinnern an die einstigen Landtagsabschieve und an die Erfahrungen, welche die verei­nigten Landtage in Berlin gemacht. Ministerielle Organe ver­sichern, Graf Brandenburg habe im Sinne, abzutreten, wenn die Kammern die gemachten Vorschläge verwerfen. Indessen sieht man nicht, welche Bedeutung das Abgehen oder daS Bleiben eines Ministeriums haben soll, das sein eigenes Werk die Verfassung und die unter seiner Mitwirkung und Beistimmung gefaßten Beschlüsse der Kammern verwirft. Den Begriffen eines konstitutionellen Ministeriums wider­streitet das.

Dies müssen selbst Die zugeben, welche die jetzigen Vor­schläge der Krone über Fideikommisse und über Bildung einer wesentlich den Charakter der Pairie tragenden ersten Kammer billigen, und etwa nur glauben, daß zur Seite einer solchen ersten Kammer eine zweite stehen müßte, welche eine Grund­lage direkter Volkswahl hätte. Indessen, wie dem sey , und wie man auch über die übrigen Bestimmungen Nichtverei­digung des HeereS, Ministerverantwortlichkeit, Bürgerwehr, Ausdehnung der Preßvergehen auf Buchhändler, Drucker und Verschleißer denken möge, so tritt die Bedeutung von allem dem zurück vor der Erklärung, daß daS ganze Verhältniß der Repräsentation zu den Staatsfinanzen, zum Budget, zu der