gendes erzählt: Krotinus ist der Beschützer und Beförderer Des SchmuggelhandetS auf der ganzen russisch-preußischen Grenze. Die Grenzbewohner sind ihm alle Unterthan. - Die russischen Soldaten sind seine besten Freunde, denn der Schmuggel bringt reiche Aernten. Seine Bande soll 600 Mann stark sein. Wo«r hinkommt, ist er ein lieber Gast, denn er bringt Geld. So war er in einem Dorfe nahe daran, von zwei GenSb'armen gefangen zu werden. Doch wie diese eintraten, ertönte die Fidel zum Tanz, Juchheisa fidum, und die Mâdels um die Polizei herum. Ist den Herren nicht gefällig, ein Tänzchen zu wagen? Wir haben schon lang nicht die Ehre gehabt. So wurde den GenSb'armen von dem Haufen Mädels Schach geboten. So waren die GenSb'armen gefangen, indeß Krotinus mit einem neckischen; „Gehabt Euch wohl, Ihr Herren, auf ein baldiges Wiedersehen" wie der Wind durchs geöffnete Fenster davon flog und die Mädels riefen: „Komm wieder, Krotini, wieder, wieder!" Die preußischen Grenzbewohner gehen für ihn durch Feuer und Wasser. Er schafft ihnen Brod, während sie sonst bei der Grenzsperre in Elend leben müßten. Auch gute Lehren weiß Krotin mit Nachdruck zu geben. Ein preußischer Forst-Kandidat wurde wegen seines hochfahrenden und tyrannischen Benehmens bei ihm angeklagt.
Eines Tages, als der Kandidat in den Wald reitet, erblickt er einen Mann, der seine Doppelbüchse auf ihn anlegt. „Halt!" donnert dieser dem Kandidaten zu, „ich bin Krotinus. Steig er vom Pferde, sonst jag' ich ihm eine Kugel durch den Kopf." Der Kandidat, erschrocken, steigt vom Pferde. Krotin hält ihm nun sein Betragen vor, und schließt mit der Warnung: „Bessere er sich, für diesmal kommt er mit dem Schreck davon, höre ich von ihm wieder Schlechtes, dann wirb's schärfer kommen. Jetzt mach' er sich davon." Der Kandidat hatte nichts Eiligeres zu thun, als sich wieder zu Pferde zu setzen und davon zu reiten. Bei seiner Bande hatte Krotinus einen furchtbaren Respekt. Er hält aber auch eine strenge Zucht. Einen von seinen Leuten, der gestohlen, ließ er an einem Baume aufhängen, und darunter eine Tafel mit der Warnung setzen: „So straft Krotin den Dieb." Solche Leute sind die natürlichen Produkte einer unnatürlichen Gränzsperre. Krotin öffnet die Gränze, was die Diplomatie nicht vermag. Darum hat er einen solchen Anhang, während er sonst als gemeiner Räuber längst im Zuchthaus säße.
Wien, 10. Jan. Erzherzog Johann ist am 9.Jan. hier eingtroffcu.
Die Breslauer Zeitung berichtet: Der gestrige erste Ball der Frau Erzherzogin Sophie dauerte bis 4 Uhr Morgens und war sehr glänzend. Die Frau Erzherzogin machte die Honneurs. Der Kaiser selbst nahm an den Tänzen lebhaften Antheil und entzückte die Damenwelt durch sein liebenswürdiges Benehmen. Er eröffnete den Ball mit der schönen Gräfin Dietrichstein. Nachher hatten die Gräfinnen Aprarin, Auersperg, Ugarte und Herberstein das Glück, mit dem Kaiser zu tanzen.
Es ist nunmehr eine festgestellte Thatsache, daß Honved- ofstziere der Komorner Besatzung trotz des Wortlautes der Kapitulationsbedingnisse zum Militär affentirt worden sind ; dieser bisher vielfältig in Abrede gestellte Vorgang kann nicht verfehlen, allenthalben den schlimmsten Eindruck zu erzeugen und das Vertrauen des Volks auf das Wort der Regierung auf daS tiefste zu erschüttern.
Schweiz
Neuenburg, 11. Jan. Der gestern erwähnte Brand in der Flüchilingskaserne wüthete während 3 Stunden, und erregte große Besorgniß für die angrenzenden Quartiere. Ueber die Ursache des Brandes äußert sich der Neuckatelois sehr zurückhaltend. Er zieht vor, eine zufällige Ursache anzunehmen. Andere Versionen gingen im Publikum. Die „Berner Zig." spricht den Verdacht aristokratischer Brandlegung aus. — Wir haben vernommen, in Neuenburg habe man Verdacht auf die Flüchtlinge selbst, gegen welche, wie es scheint, die VolkSmei- nung sehr eingenommen ist. Gegen die Flüchtlinge selbst hat die Regierung folgende Maßregeln ergriffen. Die Deutschen sind im Schlosse konsignirt, die noch übrigen 25 — 30 Polen aber unter Milizbedeckung nach Bern abgeführt worden. „Ihr längerer Aufenthalt in Neuenburg war eine materielle und
moralische Unmöglichkeit geworden." Hr. Jeanrenaud-Beffon ist nach Bern gereist, um den Bundesrath zur Zurückziehung aller Flüchtlinge aus dem Kanton zu bewegen.
Aus Aargau, 10. Jan. G. Herwegh, der sich während des Sommers am Genfersee aushielt und gegenwärtig in Bern sich befindet, hat, wie man Hörl, obwohl er Bürger von Basellano ist, dennoch vom französischen Gesandten keinen Paß nach Paris erhalten.
Frankreich.
Paris, 11. Jan. (M. I.) Das Sendschreiben des neuen Präsidenten der amerikanischen Union, des Herrn Generals Taylor, füllt in den englischen Journalen fünf große Spalten. Es kündigt an, daß der Zwist mit Frankreich, welcher durch den Major Poussin hervorgerufen wurde, leicht beizulegen ist. Obgleich sich das Manifest in ganz friedlichen Worten über die Beziehungen zwischen England und der Union ausvrückt, so leuchtet doch aus der Darstellung deö Generals hervor, daß in Bezug auf die Angelegenheit deS zwischen beiden Meeren in den Nicaragua zu eröffnenden Kanals die vereinigten Staaten einen Aufruf an alle Seevölker Europas erlassen, gegen die Ansprüche Englands, welches sich dieser wichtigen Verbindung zwischen dem atlantischen Ozean und dem stillen Meere bemächtigen will. Das Sendschreiben ist voller Sympathien für Ungarn. Als Präsident des Kongresses wurde Obrist Horwell Cobb (der Kandidat der Demokraten) gewählt. Der Bewerber der Whigs, Robert Wintrop, unterlag. General Caß beantragte in der ersten Sitzung des Kongresses die Abschaffung der amerikanischen Gesandtschaft am Wiener Hofe.
General Lamoriciere, gewesener Gesandter zu St. Petersburg, und Gustav de Beaumont, gewesener Gesandter in Wien, sind beide fast zu gleicher Zeit in Paris angekommen. Von den Geschenken, welche der Czar dem Ersteren angeboten bat, nahm der General nur ein paar Pistolen an, welche dem Czar Peter I. gehört haben.
Mad. Dudevant hat keinen Übeln Handel gemacht, sie hat ihre Memoiren an einen Buchhändler für 130,000 Frs. verkauft. Die deutsche Literatur wird sich füv die ungünstige Stellung, die sie dem Buchhandel und jetzt auch dem Publi- kum gegenüber einnimmt, durch viele und schlechte Uebersetzungen des Werkes von Georges Sand schadlos zu halten wissen.
Galizien.
Krakau, 5. Jan. Ungewöhnliches Leben herrscht unter den christlichen Kaufleuten Krakaus. Sie wollen mit aller Gewalt sich der vom Ministerium einstweilen gestalteten Ueber- siedelung der Juden aus ihrem Viertel nach der Vorstadt Radom und der eigentlichen Stadt widersetzen und petitioniren deßhalb aus Leibeskräften. Sehr leicht möglich, daß sie am Ende doch einen günstigen Erfolg erzielen! Eine russische Truppenabtheilung ist wieder auf der Rückkehr aus Ungarn hier durchmaschirt, meistens aus Leuten bestehend, die krank in den Lazarethen hatten Zurückbleiben müssen, jetzt aber frisch und munter aussahen. Mit Bangigkeit steht man hier dem 15. Januar entgegen, denn an diesem Tage beginnt wieder die Rekrutenaushebung, welche so Manchen feiner Familie entreißen wird. Jetzt endlich nach mehrfachen Monitorien deS Ministeriums, macht die hiesige städtische Behörde Anstalt zur Gründung einer kaufmännischen Börse. Eine Menge, ungefähr zwanzig, Verurteilungen bis zu 20jähriger Schanzarbeit in Eifen ic. sind wieder von der k. k. Militäruntersuchungs« kommission hierselbst publizirt worden.
Rußland.
Petersburg, 4. Jan. Der „Russische Invalide" enthält nachstehenden Kriegs-Bericht auö dem Kaukasus:
Die mit glücklichem Erfolge ausgeführtcn Kriegs-Operationen zur Unterwerfung der kleinen Tscheischna unternommen, haben die Ruhe im Kreise von WladikawkaSk und auf der grusinischen Militärstraße befestigt. Jedoch iioch ein Zufluchtsort war den Raudhorven geblieben, der im Südosten von