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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Jl£ LS Mittwoch den 16» Januar 1850*

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Wiesbaden (Asflsen). Mannheim (KrigSgericht- liche Urtheile). Stuttgart (Versammlung in Plochingen). Kassel (Die Wahlen). Berlin (Die Geschwornen. Zur Statistik der preußischen Armee). Kiel (Dänische Rüstungen). Gumbinnen (KrotinuS). Wien (Erzherzog Johann. Hofball. Die Komorner Besatzung).

Schweiz. Neuenburg (Die Flüchtlinge),

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Galizien. Krakau (Die christlichen Kaufleute und die Juden).

Rußland. Petersburg (Ein russischer Siegesbericht).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Zeitungsschau.

Der Allgemeinen Zeitung wird aus Paris geschrieben: Von Guizot ist wieder ein neues Werk im Anzug, eine Frucht seines ErilS, doppelt willkommen in seiner literarischen Ebbe. Ist er nicht de: Staatsmann seines Landes, so ist er der Lehrer seiner Nation, und man darf die unfreiwillige Muße, in die er augenblicklich versetzt ist, nicht allzusehr bedauern. Mit seiner kleinen Schrift über die Demokratie in Frankreich hat er der Welt, der großen Sache der Ordnung mehr genützt, als er ihr auf der parlamentarischen Tribune, im Gewirr der Parteien, unter dem Kreuzfeuer seiner Feinde und Neider, châlte dienen können. Er hat die wie zufällig hereingebrochenen Ereignisse auf ihre innern Grunde zurückgeführt und dadurch nicht nur daS Verständniß eröffnet, sondern auch den Weg aus dem La- byrinth gezeigt. Jetzt erscheint seine umgearbeitete englische Revolutionsgeschichte, mit einem dritten Band und Prolego- menen bereichert, die selber wieder einen besondern Band bil­den, der gleichzeitig von ihm selbst in französischem, englischem und deuschem Tert (dieser bei Cotta) herausgegeben wird.

Die Juliusrevolution hatte die englische Revolution zum Vorbild genommen (wozu wesentlich die Quasi-Legitimität ge­hört), die Februarrevolution ist in einem quasi-amerikanischen Staatserperiment begriffen. Daß man von diesem in kurzer Zeit zurückkommen muß, darüber ist auch für den oberfläch, licken Beurtheiler kein Zweifel. Aber was dann, denn auch die Nachahmung der englischen Institutionen war ja mißlungen. Doch wird keine andere Wahl übrig bleiben, als den Versuch zu wiederholen, und da sich Guizot die Aufgabe gesetzt hat, zu zeigen, an welchen Fehlern die Repräsentativmonarchie geschei­tert ist, so wird er sie auch vermeiden lehren, und sein Buch kann für die nächste Gestaltung der Dinge in Frankreich epochemachend werden, wenn es ihm wirklich gelingt sein Volk zu einem tiefern Eindringen in den Geist freier Institutionen anzuleiten.

Die Kreuzzeitung ist voll Jubels über die durch die könig­liche Botschaft den Kammern, vorgelegten Abänderungsvor­schläge, und das ist ein böses Zeichen. Hr. v. Gerlach absol« virt die Minister von allen Sünden, die er ihnen vorgeworfen, von aller Schmach und Schande, welche er auf ihr Haupt geworfen hatte. Sie haben Buße gethan, und es kommt nun nur noch darauf an, den Kammern ins Gewissen zu reden, damit auch sie mit einem pater peccavi zu Kreuze kriechen. Mit den Ministern, erklärt die Kreuzzeitung, stehe sie nun wie­der auf dem alten Fuße.

Der siebente Januar gesellt sich dem fast vergessenen November bei. Unter den Passivis, die mit der Erbschaft des Jahres der Errungenschaften auf unS gekommen sind, steht obenan das folgenschwere Werk des 5. Dezember. Wie schwer dagegen auch etliche Aktiva in die Wage fallen, wie hoch sich das verjüngte Königthum erhoben, die Charte Waldeck bleibt der Pfahl im Fleisch. Die Spitze rechtzeitig ihm abzubrechen, haben die versäumt, die dazu das Recht und die Pflicht hatten. Gemeindeordnung und Ablösungsgesetz sind nur die weiteren folgerechten Schritte auf der betretenen Bahn, die Erstlinge der Charte, die sie noch überbieten. Denn was dort Phrase ist, wird hier im Mark des Landes zu nicht beseitigender Rea­lität. Darum war es hohe Zeit zum Einlenken, hohe Zeit, daß die Räthe der Krone versuchen, soviel an ihnen ist, an ihrem bisher verwahrlosten Adoptivkinde den Flecken der Ge­burt und die Züge seiner natürlichen Eltern auszutilgen. Zwar kommen sie spät, doch noch zur elften Stunde, weßhalb wir sie nur um so freudiger begrüßen."

DaS Journall'Ordre" sagt heute:Eine überraschende Nachricht, die wir gestern noch für unglaublich hielten, die wir heute aber auf das Bestimmteste verbürgen können! Der Haupt- redakteur des neuen BlattesNapoleon" ist niemand anders, als der Präsident der Republik. Er selbst hat den ersten Artikel geschrieben und alle anderen Artikel sorgfältig revidirt. Man sagt, daS Journal solle in 100,000 Exemplaren in den Departements verbreitet werden, Herr Louis Bonaparte will durch dasselbe seine Gedanken direkt dem Lande kundge­ben. Wir hoffen, der Herr Präsident wird dazu beilragen, den so vielfach herabgestimmten Ton der Tagespreffe wieder zu heben; wir können auch nicht umhin, den Muth zu loben, mit welchem er seine Gedanken dem öffentlichen Urtheile preisgibt. DerNapoleon" trägt an der Spitze das Bild des Triumph­bogens de l'Etoile. Der Neffe des Kaisers hegt keinen ge­wöhnlichen Ehrgeiz; auch er hofft auf ein Ruhmesdenkmal, das seinen Namen glücklicheren Geschlechtern der Nachwelt überliefern soll!"

Deutschland.

Wiesbaden, 15. Jan, Wie wir von zweien sachkun­digen Personen vernommen haben; so hat der fungirende As, fisenpräsident, HofgerichtSrath Forst, bei den gestrigen Ber-