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Geld ist jetzt so wohlfeil, baß die ersten Bankiers ihren» Kunden für deponirte kündbare Kapitalien nur PA Prozent j Zinsen vergüten.

Ungarn.

Pesth, 5. Jan. (K. Z.) Handel und Verkehr beleben sich allmählich, und die Häuser steigen im Preise. Haynau's letzte Kundmachung, wodurch das Einziehen der Güter auf- hört, hat eine beruhigende Wirkung hervorgebracht. Aber im ganzen Lande macht die beabsichtigte Veränderung deS Kostümes der Beamten böses Blut. Der Magyar ist viel zu stolz auf feine Nationalität und alles, waS damit verbunden, also auch auf sein Nalional-Kostume, seinen Attila, Kalpak und krummen Säbel, als daß er an den knappen Waffenröcken, dem drei- eckigen Hute und hauptsächlich an dem Degen, welche Waffe dem ungarischen Evelmanne und dem Dauer seit alten Zeiten ein Gegenstand deS Spottes ist, Behagen finden sollte.

Nach einer Notiz imMagyar Hirlap" arbeitet der ehe­malige Minister Szcmere in Paris an einem Journale für ein monatliches Honorar von 100 Frks. mit.

Magyar Hirlap" bezeichnet die Gerüchte, mit denen sich daS magyarische Landvolk noch jetzt unterhält, mit folgenden Worten:Jeder Tag bringt Kossuth näher, dessen Macht jetzt größer sey, als mitten in den Tagen der Revolution: neben ihm reitet auf einem Falben ein mächtiger Herr, Niemand weiß, wer dieser ist, aber sie bringen die ungarische Krone mit, und eine Heeresmacht, wie sie noch nie auf der Welt gesehen worden, folgt ihnen; es sind meistens Magyaren, von denen, welche mit Arpad nach Europa gekommen, Türken, Slawonier und Motzen; von der andern Seite brausen in großen Heeres- wogcn die Russen herein, welche mit den Deutschen wegen der Bezahlung in Streit gerathen sind, Russen in grünen Röcken, klafterlange Russen, die größten und stärksten Russen, welche im ganzen russischen Reiche aufzutreiben waren; wieder von anderer Seite kommen die Engländer, und ihre Flotille hat schon vor Debreczin Anker geworfen; und wieder von anderer Seite kommen die Franzosen in rothen Röcken, zu Fuß und auf Schiffen, die bei Sarospatak gelandet sind; und dort oben an dem Punkte, wo die Deutschen auS der Welt springen könn­ten, wenn sie gedrängt würden, dort wartet der Preuße. Nach einem anderen Gerüchte habe sich Kossuth mit acht Königen verbündet, vier kämen von Süden und vier von Norden, und zwischen ihnen trägt Kossuth, gefolgt von 200,000 Mann, die Heeresfahne, und ist schon in Stuhlweißenburg eingezogen. Mit schäumender Wuth ziehen diese alle gegen den Deutschen, und der ist verloren. Und Kaiser Ferdinand habe an Kossuth schon einen Brief geschrieben, in welchem er ihn bittet, ihn wieder auf seinen Thron zu setzen, und unterschrieben hat sich der Kaiser: Ihr ergebenster Diener und Freund." AuS den Betrachtungen, welcheMagyar Hirlap" hierauf anstellt, ent- nehmen wir:Die Moral dieser Fabel sey, daß die Koffuth- Noten eingelöst werden sollten."

Siebenbürgen

Dem Konst. Bl. a. Böhmen wird folgendes Schicksal zweier Frauen in Siebenbürgen mitgetheilt. Als vom 19. bis 22. Okt. die Schaaren der Walachen zwischen Al-Vincz und Karlsburg lagen und beide Orte bedrohten, zitterten in einer kleinen Stadt M. zwei verschiedenartig geschaffene, durch eine weite Kluft der Intelligenz getrennte weibliche Wesen. In einem eleganten, komfortablen Boudoir betete eine junge, fanatisirte Frau von 30 Jahren zu dem Gott der Magyaren, er möge einen neuen Attila, eine andere Gottesgeißel unter den Szeklern erstehen macken. In der Küche eines Bürger­hauses zitterte ein armes Mädchen von 15 Jahren, aber nicht für sich selbst, sondern für die armselige Hütte ihrer Eltern in Vincz, für das alte morsche Leben ihrer Erzeuger. Das arme Kind wollte mitten durch daS wallachifche Lager zu seinen El­tern in Vincz. Man hielt es mit Gewalt zurück. Jene reiche Frau ließ aber ihr Pferd satteln, steckte Pistolen zu sich und hatte die Verwegenheit, durch daS aufgeregte Land nach ihrem Gut zu reiten. Einige Tage vergingen in schwerer Angst.

Endlich ergab sich Vincz und eine Garnison stellte Ordnung und Ruhe her. Nun war die ungebildete Rozst, die Tochter eines armen Handwerkers, nicht mehr zu halten, sie lief nach Vincz, sah das alte abgemühte Leben ihrer Eltern, ihre arm­selige Hütte unversehrt, und kehrte zurück mit rothen Augen, auS denen noch immer die Freudenthränen quollen. Jene reiche, wagende Frau ward auf ihrem Amazonenritt festgehal­ten, griff zur Pistole, warf ihren Gegnern Hohn und Trotz ins Antlitz, ja sie drohte der erhitzten Menge mit der Rache der Szekler. Da vergaß man über der Nationalität das Ge­schlecht, und die ungarische Penthesilea verhauchte qualvoll ihr Leben. Diese verwegene Frau war Josephine Szenipaly, de­ren entsetzliches Schicksal unter allen ihren Freunden und Fein­den die tiefste Erschütterung weckte. Und solche Greuel wur­den von beiden Seiten mit steigender Erbitterung in Menge verübt. Es ist bekannt, daß in einem Szeklerlager an drei­hundert Mädchen daS Loos der geraubten Sabienerinnen er­duldeten , nur daß die Entführung nicht mit dem TrauungS- schein, sondern mit der Schmach endete. Als der Oberstlieute, nant Urban um dieselbe Zeit die Magyvrcn bis an die unga­rische Grenze gegen Nagybanya verfolgte, fand er unterwegs alle walachischen Ortschaften bis auf den Grund verbrannt, und 32 Romänen am Galgen aufgehängt. Solche Greuel riefen nun beiderseitig das ganze Land in Waffen; Männer, Jünglinge, Greise eilten zum Heerbann, die Aecker standen verlassen, die Werkstätten leer, selbst der Glöckner stieg mit der Glocke vom Thurm und eilte in die Stückgießerei.

Nachschrift.

*** Wiesbaden, 14. Januar. Die Geschwornen haben alle an sie bezüglich der Anklage gegen Wilhelm Sch äfer aus Esch wegen ausgezeichneten Diebstahls gestellten Fragen in ihrem Verdikt bejaht und der Assisenbof darauf hin den Ange­klagten zu 3 Jahren Korrektionshausstrafe verurtheilt. Morgen im Hauptplatte wird die Ansprache des Hofqerichtsraths Forst an die Geschwornen erscheinen. DaS Publikum fand sich gegen Mittag zahlreich ein.

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Sprechsaal für Stadt und Land.

00 Vom Rhein. In Nro. 6. derFreien Zeitung" wird in einem Artikel Wiesbaden, den 6. Januar, der die Nassauische Allgemeine Zeitung" wieder einmal tüchtig her­nimmt, Beschwerde darüber erhoben, daß man die überall zu­nehmende Unsittlichkeit unter Anderem auch dem Einflüsse der schlechten Presse, zu der sich jedoch die Freie Zeitung wohl nicht zählen wird, zugeschrieben hat. Es wird vielmehr auf die hingewiesen, die blendende Uniformen und Ordenssterne tragen. Obwohl wir nun die Unsittlichkeit, wo sie sich zeigt, nirgends in Schutz nehmen werden, so muß doch die im vori­gen Jahre bedeutende Vermehrung der unehelichen Geburten in vielen Gegenden des Landes auffallen, und zum Nachdenken über die Ursachen dieser traurigen Erscheinung auffordern. In der Umgegend von Wiesbaden z. B. sollen dem Vernehmen nach in einem nicht sehr großen Kirchspiele im vorigen Jahre 12 uneheliche Geburten stattgefunden haben, während in son­stigen Jahren die Zahl 2 bis 3 nicht überstieg. Der blenden­den Uniformen sind im vorigen Jahre bekanntlich eher weniger, als mehr geworden. Es muß demnach der Grund doch anders­wo gesucht werden. Wir wären begierig, die erleuchteten Ge­danken des Q Korrespondenten hierüber zu vernehmen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.

Wie Expedition der Nasi. Allg. Leitung.

Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,