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Inhalt Vortheilhaft aus. Die dem Publikum offen stehen­den Räume waren sehr leer, welches Zeugniß Dafür ab- legt, daß unser Volk für öffentliches Leben wenigstens noch keinen nachhaltigen Sinn hat. Der Assisenhof war außer dem gedachten Asstsenprästventen aus den Hofgerichtsräthen von Bierbrauer unD Stahl, dem Justizamtmann Dil­they aus Rübesheim und dem Justizamtsverwalter Cramer aus Nassau als Richtern, dem Staatsprokurator Reichmann und dem HofgerichtSakzessisten Bernhardt als Gerichts- schreiber gebildet.

Von den Geschwornen blieb Gustav Cratz aus Rüdes« heim aus. Es wurde derselbe auf vorausgegangenen An­trag der Staatsbehörde von dem Assisenhof zu einer Geld­buße von 50 fl. verurtheilt. Das an den Assisenhof ge­richtete, vortrefflich abgefaßte Gesuch des Geschwornen Karl Lotz aus Obernhof, um Entbindung von dem Amte eines Ge­schwornen, wurde von demselben ganz richtig als gesetzlich un­begründet abgeschlagen. Dies Gesuch ist um deßwillen sehr interessant, weil es zeigt, wie schlecht unser Gesetz über die Wahl unserer Geschwornen ist. Ebenso richtig war die Ent­scheidung des Assisenhofes, wonach er auf den Antrag der Staatsbehörde das Gesuch des Geschwornen Johann Bender aus Schwickershausen, um Entbindung von dem Amte eines Geschwornen wegen seiner Eigenschaft als Geistlicher bei einer Mennoniten -Kultus-Gemeinde abschlug.

Auf der Bank der Angeklagten sitzt heute Wilhelm Schä­fer aus Esch, Herzoglichen Justizamts Idstein, ein junger, kecker Bursche von nicht unangenehmem Aeußern. Er ist we­gen Diebstahls schon bestraft worden, und dermalen eines ausgezeichneten Diebstahls angeklagt. Sein Vertheidiger ist per Prokurator Viktor v. Eck.

*A* Wiesbaden, 13. Januar, Die aus den verschiedenen Theilen des Landes hierher gelangenden Nachrichten über den Fortgang der Reichstagswahlen lauten im Ganzen günstig. Es wird bei weitem an den meisten Orten gewählt werden, so große Mühe sich auch die demokratische Partei gibt, diese Wahlen zu hintertreiben. DasWort", welches der soge­nannteVorort des Bundes der demokratischen Vereine Nassaus" in Tausenden von Abdrücken hat hinausgehen lassen, hat die beabsichtigte Wirkung nicht gethan. Und dies ist nicht zu ver­wundern, denn zunächst ist diesesWort" so lang, daß es den Wenigsten gelingt, sich von Anfang bis zu Ende durchzu­arbeiten; wem dies aber gelungen ist, der findet, wenn er uicht bereits gänzlich verfahren ist, daß ein Zweck, welcher durch solche Mittel offenbare Entstellung und Verdrehung der Thatsachen, Aufregung der niedrigsten Leidenschaften, des Neides und Hasses gegen Besitz und Bildung erreicht wer­den soll, unmöglich ein guter seyn kann. Weit mehr scheint einer zahlreichen Betheiligung bei den Wahlen die in einem großen Theile, namentlich des Landvolks, durch das häufige Wahlen hervorgebrachte Stumpfheit und Gleichgültigkeit, hier und da auch wohl die unzweckmäßige Zusammenlegung der Wahlbezirke enkgegenzustehen. Desto mehr ist es Pflicht jedes Daterlandsfreunbes, diese Hindernisse durch Lehren und Bei­spiel hinwegzuräumen und sich namentlich nicht durch die Mei­nung einschläfern zu lassen, daß bei der ausposaunten Nicht­betheiligung der Demokraten der Sieg unserer Partei ohnehin gewiß sey. In hiesiger Stadt wird die Vorbereitung zu der am 20. d. M. stattfindenden Wahlmännerwahl eifrig betrieben und Mittwoch den 16. d. M. soll wieder eine Versammlung der Anhänger des Bundesstaats stattfinden, um eine Verstän­digung über die Personen der Wahlmânner zu erzielen. Eine solche vorherige Verständigung ist hier um so nothwendiger, da bei der geringen Zahl der zu wählenden Wahlmänner (fünf in jeder Abtheilung, also fünfzehn im Ganzen) und der durch das Gesetz erforderten absoluten Stimmenmehrheit für jeden Wahlmann, eine, mindestens höchst zeitraubende, Zer­splitterung der Stimmen sonst nicht wohl zu vermeiden wäre. Vor der Abgeordnetenwahl wird die Abhaltung einer Ver­sammlung von Delegirten aus allen Theilen des Landes, mög­lichst im Zentrum des HerzogthumS beabsichtigt, um die Auf­stellung der Kandidaten für sämmtliche Wahlkreise zu be, sprechen.

Von der Dill, 10. Januar. Wie der Termin zu den Urwahleu nach Erfurt näher rückt, so werden mehr und mehr die Stimmen laut, welche die Kandidaturen zu dieser Ver­sammlung besprechen; besonders bei dem intelligenten Theile der konstitutionellen Urwähler in dem hiesigen Wahlkreis tritt

jetzt schon oft der Name Vollpracht hervor. Es ist zwar auch die Befürchtung ausgesprochen worden, daß Herr Voll­pracht, als Mitglied des VerwaltungSrathes in Berlin gehin- dert sei, eine Wahl inS VolkshauS anzunehmen; cs kann in­dessen versichert werden, daß diese Eigenschaft kein Hinderniß bildet. Dem Vernehmen nach sollen die Wahlen der Herren Hergenhahn und M. v. Gagern, erstem für den Wahl­kreis Wiesbaden und letztem für den Wahlkreis Limburg viel Aussicht haben; es wird also dem hiesigen (ersten) Wahlkreis gewiß der Beifall aller Freunde der konstitutionellen Sache nicht entgehen, wenn die Wahl des Herrn Vollpracht mit al­len zustehenden gesetzlichen Mitteln erstrebt würde.

Jeder Unterrichtete wird eine weitere Ausführung wegen der Qualifikation des Herrn Vollpracht zum Abgeordneten für das VolkshauS gewiß für überflüssig halten, nur so viel sei wiederholt, daß ein Mann, der zu den hervorragendsten Mit­gliedern des Verwaltungsrathes zu Berlin gezählt werden kann, und der mit der deutschen Einheitssrage und den Bedürfnissen unseres engeren Vaterlandes vollkommen vertraut ist, ohn« Zweifel alles vereint, was eine solche Kandidatur erfordert, besonders wenn noch zu diesen Eigenschaften ein reges Ge­fühl für wahres Volkswohl hinzutritt.

Mainz, 12. Jan. (Mannh. I.) Unsere Leser werden sich vielleicht noch an die im Frühjahre 1849 von mehreren hiesi­gen Bürgern trotz des Verbotes der Staatsregierung vollzogene Wahl eines Mitgliedes (Bamberger) zum deutschen Parla­mente erinnern. Es wurden in Folge davon Chr. Lothary, Friedr. Müller, Georg Strecker, Christian Scholz und Friedrich Werner, sowie Adolph Lorge, Martin Alei ter, Joseph Lutz und Jakob John angeschuldigt sich die Aus­übung einer öffentlichen Berechtigung ange­maßt zu haben und deßhalb von dem Gerichte erster In­stanz die ersten fünf der Genannten jeder zu einer Geldbuße von acht Gulden verurtheilt, die vier letzteren Personen jedoch frei gesprochen. Auf den von der Staatsbehörde ergriffenen Appell wurden nun durch Urtheil des großh. Obergerichtes vom 11. D. M. die fünf ersten zu einer Geldbuße von acht Gulden Verurtheilten zu einer solchen von 75 Gulden, die vier Freigesprochenen aber zu einer Geldbuße von acht Gulden ver­urtheilt , der Appell der Beschuldigten aber als grundlos verworfen.

Karlsruhe, 10. Jan. Bekanntlich hat sich Herr von Jtzstein alsbald nach den Gefechten an der Murg mit Ra- veaur, Vogt und andern in die Schweiz geflüchtet. Er nahm dann einen vorübergehenden Aufenthalt auf seinem Gute im Nassauischen und reiste von dort, mit Vermeidung des badi­schen Landesgebiets, plötzlich nach Straßburg. Ob derselbe in unserer Revolution eine besonders thätige Rolle gespielt, ob er namentlich was man dem schlauen Alten kaum zuzutrauen geneigt war bis zu nachweisbar ungesetzlichen Handlungen fortgeschritten, weßhalb er jetzt das Land meide, darüber zirku- lirten nur unbestimmte und widersprechende Sagen. Einiges Licht fällt nunmehr auf die Sache durch eineAufforderung und Fahndung," welche das hiesige Stadtamt unter dem 7. Januar gegen Herrn v. Jtzstein erlassen hat. Daraus ver­nimmt man , baß erwegen verschiedener hochverrätherischer Unternehmungen und Betheiligung an Wegschaffung der auS der großh. Generalstaats- und AmortisationSkasse geraubten Gelber" in Untersuchung stehe. Sein Vermögen ist in Beschlag genommen, und die Auszahlung seiner Pension ist bekanntlich längst sistirt worden. (Karlsr. Ztg.)

Stuttgart, 11. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Der Umschlag der öffentlichen Meinung in Würtemberg hinsichtlich derdeut schen Frage scheint vollständig werden zu wollen; die öffentlichen Erklärungen zu Gunsten deS Bundesstaates und des Erfurter Parlaments mehren sich von Tag zu Tag. In einer mit 111 Unterschriften bedeckten Ansprache, die gestern in mehreren hie­sigen Blättern zu lesen war, wirb in dem Anschluß an das Dreikönigsbündniß das einzige Heil Würtembergs und Deutsch­lands erkannt. Die Krone selbst aber und die Regierung sind dem Bunde noch ebenso entschieden abgewendet wie ehedem. Wenigstens sollen die Unterzeichner einer von Nagold auS an Se. Maj. den König gerichteten Adresse, worin um den An- jchluß Würtembergs an den Bundesstaat und um Betheiligung am Erfurter Parlament gebeten war, nicht sehr gnädig- schieden worden seyn. Heute erhebt nun auch Paul Pfizer wiederum seine Stimme: Der König von Preußen, meint er,