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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 12

Dienstag den 1S Januar

1830.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume« ratlonSpreiS ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzoqthumS und KurfürstenlhumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. io fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Hannovers Sonderpolitik.

Die Reichstage in Erfurt.

Deutschland. Wiesbaden und Von der Dill (Die Wahlen). Mainz (Verurtheiluugen wegen der Betheiligung an der Erwählung Bambergers in das Rumpfparlament). Karlsruhe (Jtzstein). Stuttgart (Die deutsche Frage). Berl in (Telegraphische Nachricht.

Verständigung zwischen Preußen und Hannover. Die mecklenburgische und braunschweigische Armee).

Schweiz. Bern (Die Heimathlosen).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Lieutenant Waghorn f).

Italien. Venedig (Der Freihafen). Ma.iland (Das Zigarreu- ranchen).

wohl 6 Pferde. Wie könnte nun ein armer Bauer sein Feld bestellen? Gut gewiß nicht. Darum hat man vor Jahrhun» betten dafür gesorgt, die Güter bei Erbschaften nicht zu ver, theilen. Im Hadler Landrechte ist festgesetzt, daß man die Töchter und ältern Söhne nach bestem Vermögen auSstat« ten, dem jüngsten Sohne aber das Gut gegen mäßige Entschädigung der Geschwister ungetheilt überlassen soll. Wie heilsam solche Einrichtung ist, sieht man deutlich an der Marsch Wursten im Wesergebiet, wo die Güter häufig getheilt werden. Da haben denn viele arme Besitzer den Feld, bau ganz eingestellt und begnügen sich mit Viehzucht allein."

Die Reichstage in Erfurt.

Hannovers Sonderpolitik.

y Ems, 6. Januar. Die Königreiche Hannover und Sachsen sind wegen ihrer Abtrünnigkeit vom engern Bunde ost und stark von Seiten der konstitutionellen Partei getadelt worden, obgleich nach unserer Ansicht Sachsen eS mehr ver­dient, als Hannover. Beide Königreiche suchen sich freilich ihrer Verbindlichkeiten auf unpassende Weise zu entziehen, je­doch Sachsen ohne allen Grund, denn es kann bei den Grundrechten nur gewinnen und gewiß wird das sächsi­sche Volk den König, der preußischer Präfekt zu werben fürchtet, in seinen großbeulschen Bestrebungen auf keine Weise unter­stützen. Bei Hannover ist es ein ganz anderer Fall. König und Volk werden sich so lange als möglich gegen die Grundrechte deS engeren Bundesstaates sträuben. Denn wenn Hannover als erster Seestaat deS engeren Bundes nicht ohne glänzende Aussichten für die Zukunft seyn dürfte, so würde doch die Durchführung der Grundrechte, insbesondere in Hinsicht auf Theilbarkeit der Güter eine Revolution im Lande bewirken, die ärger werden möchte, alö alle dortigen Bewegun­gen seit der Julirevolution. Mit einem Worte, eine soziale Revolution würde Hannover im tiefsten Grunde erschüttern. ES gelten dort nämlich alle Arten der Gütervererbung fried­lich nebeneinander. Um vom Lehnswesen zu schweigen, so sind Majorate, Fideikommisse, Theilbarkeit deS Grundeigenthums, Vererbung durch's Loos, ja Abgabe deö Grundeigenlhnms an die jüngsten Söhne in Hannover erlaubt. Zum Belege unse­rer Behauptung wollen wir nur den letzten Punkt ins Auge fassen und Schacht, Seite 104 seines Lehrbuches der Geo­graphie 1846 darüber reden lassen.

Sehr bevölkert sind die hannöverischen Marschen nicht. Es gibt auch nur wenig kleine Kölherhöse (Bauern, die nur 2 bis 6 Pferde haben, sind arm; ihre Besitzungen heißen nur Kötherhöfe), fast lauter großen Höfen gehört der Boden an, und dieß ist nothwendig, denn das schwere Erdreich ist schwer zu bearbeiten. 4 Pferde mindestens bedarf der Pflug oder die Egge, und ist ein Feld neu begraben, d. h. mit Schlamm neu auSgettefter Gräben überworfen, so bedarf man

Im Jahre 932 wurde unter Kaiser Heinrich I. eine Kir­chen-Versammlung in Erfurt gehalten, welcher beinahe alle Prälaten Deutschlands beiwohnten. Im Jahre 935 fand dort unter demselben Kaiser eine Reichs-Versammlung Statt, auf welcher dessen Sohn, Otto der Große, durch die Fürsten zu seinem Nachfolger gekürt wurde. In den Jahren 1073 und 1074 hielt Erzbischof Siegfried von Mainz zwei Synoden ab. In den Jahren 1170 und 1180 hat Kaiser Friedrich der Roth­bart daö Weihnachlöfest in Erfurt verlebt. Zwar wird eines von ihm in Erfurt im Jahre 1176 abgehaltenen Reichstages i in mehreren Chroniken gedacht; andere Verhältnisse, namènt- - lich die Kämpfe, welche Kaiser Friedrich in Italien zu führen hatte, lassen cs aber bezweifeln. Auf dem im November 1181 hier abgehaltenen Reichstage warf sich der mächtigste aller deutschen Fürsten, Heinrich der Löwe, Herzog der Sachsen und Bayern, zu Kaiser Friedrichs Füßen und flehte um Gnade und Enthebung von der Reichsacht. Hundert Jahre nach dem Verweilen deS grgßen Hohenstaufen, Kaiser Fried, richS deS Rothbarts in Erfurts Mauern, hielt Kaiser Rudolph von Habsburg , einer der größten Männer Deutschlands, sei­nen letzten Reichstag im Jahre 1289 in Erfurt. Er zog am 14. Dezember ein, um ebenfalls das Weihnachtsfest im be« rühmten Petcrkloster zu feiern. Erfurt wurde der Schauplatz glänzender Feste, von denen die Sage noch zu erzählen weiß. DeS Kongresses im Jahr 1808, wo Napoleon auf der höch­sten Stufe seines Ruhmes stand, erinnern sich manche der Zeitgenossen noch.

Deutschland.

*** Wiesbaden, 14. Januar. Heute Morgen um 9 Uhr begannen die Sitzungen der hiesigen Assisen für das erste Quartal laufenden Jahres. Namens des erkrankten Assisen« Präsidenlen, des Hofgerichtsralhs Trepka, eröffnete die­selben dessen Stellvertreter, Hofgerichtsrath Forst, mit einem kurzen Vortrage über daS Amt und die Pflicht der Geschwornen. Wenn auch dieser Vortrag durch daS Vorlesen desselben an dramatischer Wirkung viel verlor, so zeichnete er sich doch durch seinen präzisen und sehr gediegenen