Frankfurt erwies. Unstreitig wollen diese Männer während ihrer offiziellen Wirksamkeit weitumfassende Reformen ins Leben treten lassen. Die österreichische Regierung hat sich selbst gebunden; sie kann nicht zu den Mißbräuchen und Schwächen der Mettcrnich'schen Zeit zurückkehren; — am wenigsten dürfte sie dabei auf diese Minister zählen. Aber die Stubbe, welche ihrer wartet, ist darum nicht geringer, und ber Erfolg nicht gewisser.
In Italien wurden ähnliche Versuche gemacht; in Piemont mit einiger Wahrscheinlichkeit des Gelingens und in Rom mit .ber Aussicht auf einige Reformen — aber die materielle Sicherheit der italienischen Städte wird lange hauptsächlich auf fremder Besatzung beruhen. (Schluß folgt)
— Deuts â) land.
f * Nicderselters, 9. Januar. Gestern Abend um halb 6 Uhr brach hier schon wieder eine Feuersbrunst aus, wobei 1 Haus, 4 Scheuern, 6 Ställe ganz abbrannten und andere Häuser von den Flammen beschädigt wurden. Außerdem fand einiges Vieh seinen Tod durch das Feuer.
Mainz, 9. Jan. (D. Z.) Heute Nachmittag gelangte die Nachricht hierher, in Oberingelheim, dem Wohnorte des Vizepräsidenten Mohr, sey ein Aufstand von den Bewohnern gegen das daselbst liegende hessische Militär erfolgt, der in der ver- ssossenen Nacht begonnen und im Laufe des Tages sich fortgesetzt habe. Da man Zuzüge von benachbarten Orten fürch- . Ixt, so sind Truppen der hiesigen Garnison requirirt worden, und es werden zwei Kompagnien der preußischen Infanterie mit 4 Kanonen und 50—60 Husaren dahin abgehen. Der verhaftete Dr. Mohr har von dem Untersuchungsrichter die Zulassung des drutsch.katholischen Pfarrers verlangt, da er das Bedürfniß nach geistlichem Troste in sich fühle, welches Ver- fangen ihm befriedigt wurde.
Frankfurt, 6. Jan. (D. A. Z.) Aeußeren Anzeichen nach beschäftigte sich die interimistische Bundeskommission in der letzten Zeit vielfach mit bundesmilitärischen Angelegenheiten. Man bemerkt in den verschiedenen Abtheilungen des Militär- departements eine außergewöhnliche Thätigkeit. Es verbreitet sich das Gerücht, daß Verfügungen für eine umfassende Re« -Organisation der Bürgerwehren in den Einzelstaaten .bevorstehen. Diese würden in mehre Aufgebote getheilt, einer strengen Disziplin unterworfen und unter militärische Ober- leitung gestellt werden, namentlich in den größern Städten.
In Hanau sind die Untersuchungen gegen die dortigen Turner, welche den Zug nach Baden mitgemacht haben, in vollem Gange und bereits sind vier Freischärler, die aus der Schweiz in ihre Vaterstadt zurückgekehrt waren, verhaftet worden. Zwischen Militär und Bürgerschaft herrscht in Hanau ein sehr übles Einvernehmen, das bereits blutige Szenen herbeigeführt hat, denn gerade das dritte Infanterieregiment welches in der Mainstadt liegt, war es, das bei Hirschhorn gegen die Hanauer Turner geführt würbe; kein Wunder daher, wenn die fahnentreuen Soldaten in ihrer früheren Garnisons, stadt nicht gern gesehen werden. (M. Z.)
Weimar, 7. Jan. (D. Z.) Der Abgeordnete Schüler hatte vor Kurzem, gestärkt und begeistert durch den Vorgang zweier königlichen Regierungen, den Antrag gestellt, der Landtag wolle die Regierung ersuchen, sich unter den jetzigen Verhältnissen von dem „preußischen Sonderbunde" loszusagen und zugleich erklären, daß er, obgleich er zugebe, wie die Regierung durch den Drang der Verhältnisse genöthigt gewesen sey, dem Vertrage vom 30. Sept, beizutreten, doch in der Errichtung und Gestaltung ver Bundeszentralkommission eine „Verletzung der Rechte und Interessen des deutschen Volkes" erkenne. Der Landtag ist dem letztern Theil des Antrags, freilich in etwas gemilderter Form, einstimmig beigetreten, den erster« indeß, den Rücktritt vom Dreikönigsbündniß, hat er mit 21 gegen 15 Stimmen abgelehnt.
Berlin. (Darmst. Ztg.) Die sächsische Regierung hat die preußische aufgefordert, zu einer in Leipzig zu veranstaltenden allgemeinen Gewerbeausstellung mitzuwirken, welcher jedoch der Charakter einer allgemeinen deutschen oder zollvereüiölün-
dischen nicht beizulegen sey. Eine gleiche Mittheilung erging an die übrigen deutschen Regierungen. Hierauf ist nun Seitens der preußischen Regierung, wie die Konst. Korr, meldet, in einer Note vom 31. Dezember erwiedert worden: „daß man diesseits diejenigen Abreden nicht außer Acht lassen dürfe, welche unter den Zollvereinsstaaten wegen Veranstaltung wiederkehrender Gcwerbeausstellungen bestehen. Mit diesen Abreden würde es, obwohl die sächsische Regierung es ablehne, der Ausstellung den Charakter einer allgemeinen deutschen oder zollvereinsländischen beizulegen, doch schwerlich in Einklang zu bringen seyn, wenn eine solche Ausstellung durch die Mitwir« kung der einzelnen Vereinsregierungen -thatsächlich zu einer allgemeinen gemacht würde. Auch müsse die preußische Regierung um so mehr Bedenken tragen, die gewünschte Aufforderung an die Gewerbetreibenden ihres Landes zu erlassen, als sie sich überzeugt glaube, daß der preußische Gewerbestand, mit Rücksicht auf die Stellung, welche die sächsische Regierung hinsichtlich der Entwickelung der deutschen Verhältnisse eingenommen habe, zu einer lebhaften Theilnahme an einer in Sachsen zu veranstaltenden Gewerbeausstellung in diesem Augenblick wenig Neigung empfinden, und deßhalb auch eine Aufforderung- zu einer lebhaften Theilnahme wahrscheinlich ohne entsprechenden Erfolg bleiben werde. Man habe daher preußischer Seits die Mitwirkung in dieser Angelegenheit einer günstigeren Gestaltung der öffentlichen Verhältnisse in Deutschland vorbehalten zu müssen geglaubt." Es ist wohl nicht nöthig, hinzuzusetzen, daß eine andere Antwort von »-er Festigkeit der preußischen Regierung kaum hat erwartet werden können.
Berlin, 8. Jan. Waldeck hat im Gefängnisse vom Tage seiner Verhaftung an ein Tagebuch geführt, welches sein Vertheidiger Abvokal-Anwalt Dorn, von einer Geschichte des Pro-, zesses begleitet, im Buchhanvel erscheinen lassen wird.
Der Vosstjchen Zeitung nach wäre Hr. v. Schelling gegenwärtig nicht bloß mit der Druckvorbereitung seiner philosophischen Werke, sondern auch mit einer der neuesten Zeit angehörigen Arbeit beschäftigt, welche die politischen Bewegungen der Gegenwart in den Kreis seines philosophischen Systems ziehen soll.
Wegen Ueberfüllung der schlesischen Gefängnisse sind 250 der dort Verhafteten auf der Eisenbahn ins Zellengefängniß nach Moabit gebracht worden.
Die Vossische Zeitung enthält bereits einige sehr bissige „Eingesandts" gegen die Ansprache für die Wahlen nach Erfurt, welche auf Annahme der Reichsverfassung en bloc bringt. —
Ein korrekterer Abdruck als der von uns mitgetheilte der gestrigen telegraphischen Depesche aus Berlin lautet:
Berlin, 9. Jan., Nachmittags. Königliche Botschaft an die Erste Kammer. Verfassungsabänderungen bei sieben Artikeln beantragt. Ergänzungen zu Art. 105, gestrichen Art. 26. Erste Kammer 200 Mitglieder: Prinzen, Reichsunmittelbare; Ernannte 60, höchst Besterte 30 gewählt, 6 von den Universitäten. Zweitens 150 Staatsgerichtshof. Keine Lehen. Gesetz für neue Fideicommisse. DaS Heer nicht vereidigt.
Berlin. (K. Z.) Die gestern erwähnte Karrikatur, welche von den Konstablern von den Straßenecken genommen wurde, wobei einige Verhaftungen vorkamen, stellte einen jugendlichen Kaiser Arm in Arm mit einem Straßen-Demokraten und ei, nem Jesuiten dar, wie sie alle drei Erfurt den Rücken kehren; an den Rock des Jesuiten hat sich „Bierkönig" angeklammert, und am Zopfe des letzteren hangen drei andere Könige als Kartenkönige; der „alte Fritz" droht der Gesellschaft auS den Wolken mit seinem Krückstock. Unter der Karrikatur stand: „Wir wählen nicht!"
Posen, 3. Jan. Schon seit längerer Zeit haben Uneinigkeiten zwischen den Soldaten der verschiedenen Regimenter be, standen, die am Sylvester-Abend zu einem bedauerlichen Zufall geführt. Zur Zeit (um 7 Uhr Abends), als die Husaren in den Stall zum Abfüttern gehen mußten, hatten sich eine Menge Leute des 5. Infanterie - Regiments vor dem Husarenstalle in der Ritterstraße eingefunben. Hier verhöhnten die 5er nun die Husaren: Ihr Bauerlümmels müßt nun zu den Pferden, statt daß wir nichts thun. In Folge dieser Redensarten kam es balb zu Thätlichkeiten, wobei die Infanteristen sofort von den Säbeln, und sogar, wie behauptet wird — ich mag eS aber nicht glauben — von Messern Gebrauch machten. Wie