Trier, 5. Jan. Wir haben hier einen so starken Schneefall gehabt, wie man sich seit langen Jahren keines ähnlichen erinnert. Noch gestern schneite eö den ganzen Tag in dichten Flocken. Unsere Kommunikationen sind dadurch unterbrochen und sehr unregelmäßig. Heute ist gelindes Thauwettcr eingetreten; man fürchtet bei schnellem Aufthauen mit Recht eine gefährliche Ueberschwemmung.
Breslau, 3. Jan. Die „Neue Oder-Ztg." meldet, daß der Graf OSkar Reichenbach auf Domesko (Bruder deS Abgeordneten der preußischen Nationalversammlung?) wegen angeblicher Theilnahme an der Stuttgarter Versammlung verhaftet worden ist. DaS Kreisgericht zu Oppeln und das Appellationsgericht zu Ratibor hatten die Anklage zurückgc- wiesen; die Verhaftung erfolgte nach dem Beschlusse des ObertribunalS.
Wien. Ueber die Vorschläge des Handelsministers zu einer Zolleinigung mit Deutschland hat sich eine in Jungbunz- lau am 16. Dezbr. abgehaltene Versammlung böhmischer Industrieller dahin ausgesprochen, daß das gegenwärtige österreichische Zollsystem mit Vortheil nur zu Gunsten des Zollan- schlusses an das gesammte Deutschland aufgehoben werden könne, vorausgesetzt, daß die beiderseitigen Tarife so geregelt werden, daß der einheimischen Arbeit der ihr gebührende nöthige Schutz gesichert werde. Als nothwendig wurde hierbei erkannt, daß nach Aufhebung der Zölle auf Roh- und Hülfsprodukte der Fabrikation, so wie Beseitigung der Zollschranken gegen Ungarn jener Anschluß — für dessen Zustandekommen die Verhandlungen sofort einzuleiten wären — in einer nach dem Fortgange der Verhandlung vorauszubestimmenden Zeit stattzufinden hätte, ohne eine so geartete und langdauernbc Uebergangsperiode, wie selbe in den erwähnten Vorschlägen angedeutet. Als das für den Moment dringendste Bedürfniß der einheimischen Industrie wurde ferner erkannt: die strengste Bewachung der Gränzen bis zu dem Zeitpunkte der definitiven Handelseinigung mit den deutschen Staaten, gegen die jetzt mehr als je stattfindende Einschwärzung fremder Waaren.
Nach der Ankunft des Erzherzogs Johann wird, wie wir hören, ein Familienrath abgehalten werden, in welchem der Aufenthaltsort der einzelnen Familienglieder der Dynastie bestimmt werden soll- —. - ____
Wien, 4. Jan. Die Zollschranken zwischen Ungarn und Oesterreich sind zwar noch nicht gefallen, aber die Gleichheit der Reichsgesetze ist ausgesprochen. Ungarn ist ein Kronland Oesterreichs, wie jedes andere, ohne Vorrechte. Die Komitate find in Bezirke verwandelt, die Stuhlrichter in gewöhnliche Richter, die Steuer-Erimirten in Steuer-Verpflichtete; nur Ein Institut aus der alten Zeit scheint man den Magyaren gelassen zu haben — die Bücher-Zensur ! Man liest im heutigen „Lloyd" : „Ein Freund, der vor Kurzem ein Kistchen in Wien zurückgelassener alter Bücher sich nachschicken ließ, lamen- tirte über die Unbequemlichkeiten, denen ein armer Gelehrter jetzt ausgesetzt ist, und über das Schlimmere, dessen er noch gewärtig seyn muß. Nachdem er dreimal aufs Dreißigstamt gelaufen, ohne den Zensor daselbst zu treffen, und zuletzt dem dort anwesenden Kommissär die Vollmacht ertheilte, dem Zensor das Kistchen auch in Abwesenheit des Eigenthümers zu öffnen, fand er endlich beim vierten Besuche die Sache geordnet. Freilich waren manche Pakete mit Familienbriefen geöffnet, und anstatt einer politischen Verschwörung mag das Argusauge deS Revisors Schwüre ganz anderer Art darin entdeckt haben; indeß war der Besitzer froh, wieder einmal zu seinen Büchern gelangt zu seyn. Allein der Becher war noch nicht voll; zum Scheidegruß gab ihm der Kommissär folgenden Trost mit: Sie müssen die Mühe entschuldigen, welche die nothwendige Durchsicht der Bücher Ihnen veranlaßt. Sonst, in besseren Tagen, hatten wir ein eigenes Magazin für die anlangenden Bücher, und der Herr Bücher-Revisor brachte täglich einige Stunden in seinem Amte zu. Jetzt ist alles in Unordnung; eö besteht nur noch eine Quasi-Zensur. Bis erst die Zensur wieder gehörig organisirt wird, dann wird auch die Expedition wieder schleuniger geschehen "
Von Gräfenberg laufen über Stadions Befinden günstige Nachrichten ein; der Graf bessert sich, nur die Zunge ist noch gelähmt. — Der Kaiser hat dem Verfasser des dramatischen Gedichtes: „Cäcilie von Albano", die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft überreichen lassen.
Wien. Der „Breslauer Zeitung" wird aus Wien von einem befürchteten Staa t sst r eiche geschrieben: Die Gerüchte über eine bevorstehende wichtige Publikation gewinnen mehr und mehr Halt, und selbst in militärischen Kreisen spricht man jetzt unumwunden von der Nähe eines folgenreichen Ereignisses, wobei der 6. oder 7. Jan. als der wahrscheinliche Tag bezeichnet wird. Worin der Staatsstreich eigentlich bestehen soll, weiß man nicht genau. Die militärischen Vorsichtsmaßregeln, welche augenscheinlich getroffen werden, sind wirklich kolossal, denn im Umkreise von 6 Meilen strotzen alle Häuser von Soldaten, sodaß die in und um die Residenz konzentrirten Truppen sicher eine Macht von 50,000 M. bilden, und überdies können die Eisenbahnen in drei Tagen abermals 50,000 Mann bringen.
Frankreich.
Paris» 7. Jan. Das neue Journal „Le Napoleon", angeblich amtliches Organ der Präsidentschaft, ist gestern erschie- nen; es ist ein Wochenblatt, das mit einer Titelvignette geschmückt ist, die den Triumphbogen de l'Etoile vorstellt. Diese erste Nummer enthält unter Andern Artikel über das erste Jahr der Präsidentschaft L. Napoleons, über die Republikaner, über den La Plata und über die Elementarlehrer. Unter der Rubrik „Vermischtes" findet sich die Angabe, daß L. Napoleon unter den jetzigen Umständen von dem Gedanken an eine Amnestie eben so weit entfernt sei, als er früher gewünscht habe, dieselbe am Jahrestage seiner Wahl vorschlagen zu können. Am Schluffe heißt es: „Wir sind in einem Zeiträume der Niederhaltung; jener der Gnade ist noch nicht gekommen."
Großbritannien.
London, 4. Jan. Man hat in England ein Exemplar eines am Bord des Kriegsschiffes Arrogant verfaßten, gedruckten und herausgegebenen Blattes erhalten, welches den Titel „Arrogant journal" trägt — gewiß das erste Beispiel einer auf der hohen See redigirten und veröffentlichten Zeitung, Sie enthält unter andern eine ausnehmend anziehende Schilderung von dem großartigen Vulkan Kiranea auf den Sandwichinseln, die von dem Wundarzt Dr. Rees abgefaßt ist.
Ostindien.
Eine in Marseille eingelaufene Ueberlandpost hat Bom- bayer Zeitungen vom 3. Dez. mitgebracht. „Zum Glück für Jnvien, zum Unglück für die Journalistik", sagt die Bombay Times, „fahren wir fort, Postfeüeisen abzusenden, die beinahe ganz ohne Neuigkeiten sind". Indessen hat der General- Statthalter einen Akt vorbereiten lassen, welcher den Küsten- handel Indiens den Schiffen aller Nationen öffnen, und so die Grundsätze der Handelsfreiheit auf ganz Indien ausdehnen wird. (Also weiter gehend als die englische NavigationS- Akte, welche am I. Jan. in England ziemlich still ins Leben getreten ist). Der Marquis v. Dalhousie und der Generalis- stmus Sir Charles Napier waren auf einer Reise durch daS Pendschab begriffen. Oberst Lawrence hatH mit einem beträchtlichen Truppenkorps einen Zug gegen die zahlreichen Räuber- horden in Peschawer unternommen. Was die Behörden und die Presse am meisten beschäftigt, ist der bedenkliche Zustand der indischen Finanzen ; mehrere Blätter rachen , die so kostspielige und dem Staat so wenig nützende Provinz Sindh aufzugeben; allein die Jndusmündungen wieder aus der Hand zu geben, daran denkt die ostindische Kompagnie sicher nicht. In Bombay trifft man Anstalten, die große Londoner Industrie- Ausstellung im Jahr 1851 zu beschicken. Die Manufaktur des westlichen Indiens besteht zumeist in Deidenzeugen und Damast, feiner Tischlerarbeit, Elfenbein und Metallsachen, geschnittenen Steinen und orientalischen Waffen. — Der November war in der Präsidentschaft Bombay beispiellos heiß, fast so heiß wie der Mai. In den letzten Tagen des Monats stand der Thermometer fast immer über 90* im Schalten und 120° in der Sonne, und NachtS fiel er selten unter 70°, Die Cholera, welche in Indien eigentlich nie aufhört, war etwaö im Zunehmen, was man der Rückkehr der Pilger von dem gropen Nassick-Fest und Jahrmarkt zuschrieb. _______,
Verantwortlicher Redakteur; W. H- Riehl.