Volksversammlungen berüchtigten Offenburg, dieselben, die zweimal den bekannten Kapp in die Kammer gesendet, bieten einstimmig dem hiesigen Regierungsrath B. ihre Abgeordnetenstelle an, und um den StaatSrath B e k k streiten sich drei namhafte Städte. Woher nun dieser rasche Umschwung der Gesinnung ? Natürlich, sagt man: Im Kriegszustand, unter der preußischen „Säbelherrschaft" kann sich der wahre VolkSgeist nicht regen und offenbaren. Das glaubt aber kein Mensch, der unsere Verhältnisse in der Nähe unbefangen betrachtet, und daß bas die Preußen zu Stande gebracht, glauben selbst diejenigen nicht, welche diese Meinung aussprechen. Allerdings mag den Wühlern von Profession einige Angst in die Glieder gefahren, die Bier- und Geldspenden mögen schwieriger und darum seltener geworden seyn, und die radikalen Maulhelden mögen Grund haben, sich in ihren WirthshauSreden etwas zu mäßigen. Die wahre Ursache dieser Veränderung ist aber vielmehr darin zu suchen, daß die Leute mitunter etwas gelernt haben, und die Lektion kommt von den Wühlern selbst.
Karlsruhe, 7. Jan. (K. Z.) Gestern eröffnete der hiesige Ortsverein für innere Mission seine Lescsäle zur nützlichen Verwendung der Sonn- und Feiertagsabende für Handwerks- Gehülfen, Fabrikarbeiter und Lehrlinge. Außer den öffentlichen Bekanntmachungen im Tageblatte hatte der Ausschuß für diesen Zweig der Thätigkeit des Vereins eine Aufforderung an sämmtliche Meister und Fabrik-Inhaber zur Mitwirkung für dieses Unternehmen mit einer besonderen Einladung an die Gehülfen und Fabrikarbeiter ergehen lassen. Es erschienen über 100 Theilnehmer: 75 Gehülfen und 32 Lehrlinge. Nach einer kurzen Begrüßung der Versammlung durch ein Mitglied des Vorstandes, in welcher die Bedeutung der Anstalt und die segensreiche Wirksamkeit ähnlicher Unternehmungen in andern Städten hervorgehoben war, wurden die Statuten verlesen und die Versammelten eingeladen, in zwei Abtheilungen ihre Plätze in den für sie gerüsteten Sälen einzunehmen, um sich sofort mit den vorgelegten Büchern w. zu beschäftigen. Die eifrige Theilnahme, welche die erste Einladung unter dem ganzen hiesigen Gewerbestande gefunden, zeugt auf die erfreulichste Weise von der richtigen Auffassung dieses bargebotenen Werkes der christlichen Liebe, und erfüllt die Freunde des Vereins mit der festen Zuversicht, daß das unter dem sichtbaren Beistände Gottes begonnene Unternehmen durch seine Gnade auch ferner werde gefördert werden. Ein ausführlicher Bericht wird in den an demselben Tage zum ersten Male ausgegebenen „Blättern für innere Mission i m" Großh erzogthum Baden" nachfolgen, auf welchen wir hiermit verweisen.
Karlsruhe, 1. Jan. In der Redaktion der Karlsruher Zeitung ist in den letzten Tagen deS verflossenen Jahres eine merkliche Veränderung eingetreten. Sie hat in der Person des als Archivrath von Werthheim hieher berufenen Hofraths Platz einen sehr rührigen Mitarbeiter gefunden, dessen Thätigkeit demnach mehr der Gegenwart als der Vergangenheit zu- gewenbet werden soll. Durch seine Mitwirkung erhält das halboffizielle Blatt eine entschiedener konservative Richtung auf dem Grunde des Dreikönigsbündnisses, für welches der Haupt- Redakteur Giehne doch nur mit halbem Herzen in die Schränken getreten war. Was aber weniger anspricht, das ist das allzu sichtbare Wiederaufleben des Geistes des vorlängst entschlafenen Mannheimer Morgenblattes. (Schw. M.)
Rastatt, 4. Jan. Vor einigen Tagen sind einige Gefangene, worunter ein zu 20 Jahren Zuchthaus vom Kriegsgericht verurtheilter Soldat, von der Arbeit, zu der sie verwendet waren, entkommen. Der Fall machte dadurch nicht unverdientes Aufsehen, weil der sie bewachende preußische Füsilier mit ihnen durchging. Vier Zaudere wurden heute früh bei einem Befreiungsversuch im Spital der Bastion XXX entdeckt, als sie eben eine verschlossene Schießscharte eines der untern Räume öffnen wollten.
Die in einer Pariser Korrespondenz fast als Casus belli dargestcllte Arretirung eines französischen Malers, der früher aus den Kasematten entlassen war, geschah, wenn wir recht unterrichtet sind, auf Befehl deS Kriegsministeriums, nach vorgängigem Bericht der Kommandantschaft, daß derselbe in verdächtiger Weise sich hier und in der Umgegend öfters herumtreibe. — Nachdem die Zahl der badischen Gefangenen bis auf etliche und zwanzig herabgesunken ist, dürfte daS hiesige Kriegsgericht in etwa 14 Tagen seine Arbeiten schließen.
Ludwigsburg, 5. Jan. Im hiesigen Arbeitshaus fand gestern auf der Kanzlei desselben von einem Strafgefangenen ein gefährlicher Angriff gegen den Untersuchungsrichter Bechstein statt. Der Gefangene war zwar, als gefährlich prä- dtzirt, geschlossen vorgeführt worden, der Inquirent ließ ihm aber zum Verhör die Fesseln abnehmen, wurde jedoch bald aufmerksam, als er den Jnquisiten sich im Zimmer umsehen sah, und war so im Stand, den Tisch vorzuschieben, als jener mit einem rasch gezogenen Dolch, trotz der Gegenwart zweier Gerichtsbeisitzer, auf ihn zustürzte. Während letztere sich eiligst davon machten, um Hilfe herbeizurufen, welche sie allerdings selbst hätten leisten können, gelang es Bechstein, den Arm des Verbrechers zu fassen, der mit der Dolchspitze nach ihm zuckte und bemüht war, mit seiner andern Hand sich von derjenigen des Angegriffenen zu beifreien. In dem Moment, wo die Dolchspitze vor dessen Gesicht schwebte, sprang einer der herbeigeeilten Aufseher hinzu und packte den Wüthenden im Genick. Der Dolch war zwar nur von Holz, aber mit einer von starkem Blech verfertigten sehr spitzig zugeschliffenen Spitze versehen. (L. T.)
Tübingen, 6. Januar. (Schw. Merk.) Samstag Abend zwischen 4 und 5 Uhr ereignete sich hier eine gräßliche That. Der Sohn des Spitalvaters Kober, ein 22jâhriger junger Mann, der das Bäckerhandwerk erlernt hatte, war schon seit einiger Zeit außer Arbeit zu Hause und wurde hier zu allerlei sonstigen Geschäften angehalten. Daß ihm daS Eine oder das Andere nicht gefallen haben mochte, ließ sich an seinem verdrießlichen Hinbrütcn bemerken und an den Drohungen, die er einigemal auSgestoßen haben soll, daß er sie Alle ersteche. Dies hat er nun auf eine schauderhafte Weise ausgeführt. Er hat seinen Vater, seine Mutter und seine 19jährige Schwester erstochen. Eine jüngere, etwa 12jährige Schwester war so glücklich, den Händen des Wüthenden zu entrinnen, und rief Hülfe herbei. Dem Krankenwärter des Spitals und seiner Frau, die zuerst zur Hülfe erschienen, brachte er mehrere Wunden bei, und erst als mehrere Nachbarn noch herbeieilten, die ebenfalls nicht ohne Verwundungen davon kamen, gelang eS einem derselben, den Rasenden niederzuschlagen und so unfähig zu machen. Seinen Vater und seine Mutter fand man in der Kammer neben der Stube todt. Seine Schwester soll noch geathmet haben, als die Nachbarn in die Stube drangen. Nach seinen Aeußerungen scheinen Händel mit seinem Vater, der ihm mit Schlägen gedroht hatte, die Veranlassung zu dieser blutigen That gewesen zu seyn. Wir haben über diesen Unglücks- fall noch drei weitere Mittheilungen erhalten. Zwei derselben schildern den Thäter als „schon seit längerer Zeit geisteskrank", der „in einem plötzlichen Anfall von Raserei" die That verübte; man habe „seit längerer Zeit eine Störung des geistigen Zustandes bei ihm beobachtet." Nach dem dritten Briefe wäre dies bis daher nicht bemerkt worden. Die unglücklichen Opfer waren todt, ehe ein Arzt zur Stelle kommen konnte.
Nach dem Boten aus den Vogesen ist die halbe Kompagnie Infanterie, welch ein Deidesheim kurz nach einem Besuche, welchen die HH. v. Gagern, GervinuS, Häußer und Soiron bei dem feit einiger Zeit dort lebenden Hrn. Buhl abgestattet, in Quartier gelegt worden war, von dort wieder abgezogen. Eine Deputation des Deidesheimer Sladtralhs hatte sich nach Speyer begeben, um zu bewirken, daß die Einquartierung demjenigen, der sie verschuldet habe, (man wollte dieselbe nämlich , wie bekannt, allgemein als eine Folge des erwähnten Bestlches betrachten) auch allein aufgebürdet werden möge! Der Fürst von Thurn und Taris, an den sich die Deputation wandte, erklärte indeß den Herrn, daß er von einer Versammlung in Deidesheim nichts wisse, daß die Mannschaft, deren andere Hälfte in Edenkoben liege, auf dem Wege nach Kaiserslautern sei und nur die Vollendung der dortigen Kasern- Einrichtung abwarte, und daß der Abmarsch in wenigen Tagen erfolgen werde. Dieß geschah denn auch zwei Tage nachher , am 22. Dez.
Berlin, 6. Jan. Die durch die Feiertage unterbrochenen Plenarsitzungen des VerwaltungSrathes haben gestern Abend wieder ihren Fortgang genommen. Der Anschluß der Hohen- zollern'schen Fürstenthümer an daS Bündniß vom 26. Mai pr. ist angekündigt, so, daß voraussichtlich auch in dem Bereiche dieser Fürstenthümer die Wahl zum Volkshause noch rechtzemg zu bewerkstelligen seyn wird. Die^Wahlverordnungen aller übrigen dem Vertrage beigetretenen Staaten, die deS K»mg-