Die Morning Post läßt sich aus St. Petersburg schreiben: „Die letzte der Truppenabtheilungen, welche nach der Hauptstadt beordert worden, um für ihre in Ungarn gelei- steten Dienste den Dank des Kaisers zu empfangen, ist nun, glaub' ich, hier eingetroffen. Sie rückten seit Beendigung des Feldzugs der Reihe nach in Petersburg ein, wobei jedoch da, sür gesorgt worden, daß die Besatzung in Russisch-Polen nie unter 100,000 Mann betrug. Die öffentliche Danksagung des Kaisers an seine unerschrockenen Regimenter war durch ihre schlichte Einfachheit eine wunderbar rührende Feierlichkeit. Damit Sie aber dieß besser würdigen können, muß ich an das erinnern, was sich zutrug, als der Kaiser seine Garden nach dem Schauplatz der Gefahr beorderte. Es ist dieß wirklich eine Reserve, welche im Stand ist, dem Schicksal eines mächtigen Kriegs eine andere Wendung zu geben. Es sind 80,000 M., durchgehends sowohl hinsichtlich ihrer körperlichen als ihrer moralischen Eigenschaften auserlesene Mannschaft; so vollkom- men disziplinirt, daß sie nur von einem einzigen Willen beseelt, ein einziger lebendiger Körper scheint; glänzend bewaffnet, der Inbegriff und das Muster aller in kriegerischer Ausbildung erreichbaren Vollkommenheit.
Als diese Leute ihren Marsch nach dem Kriegsschauplatz antreten sollten , wurden sie versammelt um eine Anrede des Kaisers zu hören. Er kam, sah sie geschaart in all ihrer Stärke, Tapferkeit und glänzenden Haltung, und betrachtete eine Zeitlang stillschweigend das große Schauspiel. Dann erhob er bei lautloser Stille seine Stimme, und seine Anrede bestand bloß aus den Worten: „Meine Kinder! ihr geht in die Schlacht. Ihr kennt eure Pflicht, und ich vertraue auf euch." Die tiefe Wirkung dieser wenigen Worte, und der Art wie sie gesprochen worden, war der beste Beweis von ihrer eindrucksamen Beredsamkeit. Es waren wenige, aber die rechten Worte, und so kann und darf nur ein großer Mann sprechen. Nicht minder charakteristisch, ebenso großartig einfach war der Empfang der verschiedenen Abtheilungen bei ihrer Rückkehr. Die Truppen sind aufgestellt, Nikolaus erscheint, spricht sie an: „Als wir von einander schieden, meine Kinder! sagt ich euch, daß ich mein Vertrauen auf euch setze. Ihr habt mich nicht getäuscht. Euer Kaiser dankt euch von Herzen." Der unansehnlichste Gemeine, der sich hervorgethan hat, wird dann mit einem Ehrenzeichen geschmückt, und wenn es seine Erziehung erlaubt, befördert oder auf die Veförde- rungsliste gesetzt.
Der Wahlmodus für die Schwurgerichte in Hannover.
, Damit das Jahr 1849 in legislatorischer Hinsicht nicht gänzlich leer ausgehe, haben uns die letzten Tage das Gesetz, die Bildung von Schwurgerichten betreffend, sowie das Gesetz über daS öffentliche mündliche Verfahren mit Geschwornen ge- bradjt. Beide Gesetze sind von den jetzt versammelten Ständen en bloc angenommen, das erste war schon von der aufgelösten Ständeversammlung dreimal berathen. Beide Gesetze sind nur provisorisch. Die Geschwornen werden gebildet aus den 1000 Höchstbesteuerten, welche in Dem Bezirke eines Schwur- gerichtshofs ihren Sitz haben, und aus denjenigen Personen, welche auf einer deutschen Universität ihre Studien gemacht und eine Staats- oder Fakultätsprüfung mit Erfolg bestanden haben. Als man im Februar frug , bis wie weit die Höchstbesteuerten etwa heruntergehen möchten, antwortete der Justiz- Minister : in Den jetzigen sieben Kanzleibezirken würdest Diejenigen an Die Reihe kommen, welche eine Steuer von 20—25 Reichsthaler zahlten. Bei demnächstiger Vermehrung Der Ge- richlsbezirke würde Der Zensus ungefähr auf 18—20 Rthlr. herabsinken. Dem hat man Glauben geschenkt. Jetzt, nachdem man anfängt, die Geschwornenlisten zu bilden, stellen sich die Sachen aber ganz anders. Im Kanzleibezirke Hannover fom- men nur Diejenigen zu Geschwornen, welche 46 Rthlr. Steuer zahlen, bei 1500 Höchstbestcuerten würde der Steuersatz auf 38 Rthlr. sinken. Im Kanzleibezirke Celle (Fürstenthum Lüneburg) nur Die, welche 44 Rthlr. Steuer zahlen, bei 1500 würde 36 Rthlr. der Zensus betragen. Im Bezirke Stade (Bre- men-Derden) steigt der Zensus auf 44 Rthlr. und würde bei 1500 auf 36 Rthlr. sinken — int Bezirk Osnabrück kommen schon diejenigen an Die Reihe, welche 33 Rthlr. 1 Ggr. bezahlen, bei 1500 würden diejenigen zu Geschworenen befähigt
seyn, welche 28 Rthlr. 10 Ggr. zahlen. Auch in Aurich (Ostfriesland) stellt sich das Verhältniß zu 33 Rthlr. 20 Ggr. heraus, und würde bei 1500 auf 25 Rthlr. sinken. Das Hilbes- heimische ist etwas reicher, es wird dort ein Steuersatz von 37 Rthlr. das Maß für Geschwornenbefähigung seyn, und bei einer Anzahl von 1500 26 Rthlr. Am niedrigsten wird sich Der Steuersatz im Bezirke Göttingen stellen (wozu auch der Harz gehört), nämlich auf 23 Rthlr. 10 Ggr., ja er würde bei 1500 auf 19 Rthlr. fallen. Demnach stellt sich in den verschiedenen Provinzen eine sehr große Verschiedenheit heraus, im Göttingschen hat man daS Recht Geschworener zu seyn, wenn man 23 Rthlr. Steuer bezahlt, im Calenbergischen und Hoyaischen muß man aber gerade das doppelte bezahlen. So wird es kommen, daß ganze große Strecken in der Geest (Sandboden) gar keine Geschworenen liefern, wenn sie mit Marsch- ländcreien in einem Bezirke liegen. Da wir an Fabriken eigentlich nur wenige haben, und ein gewöhnlicher Kaufmann natürlich so hohe Steuern nicht bezahlt, so werden unsere Geschwornen aus Bauern, Adeligen, Branntweinbrennern u. dgl. mehr hauptsächlich bestehen, denen Die geringe Anzahl der Eraminir- ten und Promovirten kein Gegengewicht halten kann. Auch darf nicht unberücksichtigt bleiben, daß unter der letzteren Kategorie wieder Drei Viertel Staalsdiener, Bureaukraten sind, indem man annehmen darf, daß Aerzte in Der Regel von ihrem Erkusationsrechte Gebrauch machen werden. Die ganze Einrichtung wird sich wahrscheinlich als höchst mangelhaft offenbaren und ein Grund mehr seyn, über das Provisorium möglichst bald hinwegzukommen. Freilich wenn hannoverische Provisorien 50 Jahre dauerten, wie jüngst ein Oberappellations- rath in Den Ständen sagte, sähe es schlimm aus. (A. Z.)
Deutschland.
■f Wiesbaden, 9. Jan. Man erwartet dieser Tage den Ueberzug Sr. Hoh. des Herzogs von Biebrich in die hiesige Residenz.
* Von Biebrich geht der Redaktion eine Reklamation in Betreff des in der gestrigen Nummer, Hauptblatt, von dort mitgetheilten Korrespondenzartikels zu, wir werden nämlich ersucht zu erklären, daß Der dort g»nannte Röhrig nicht Christian sondern Peter Röhrig und Lehnhardt nicht Karl sondern Jakob Lehnhardt sey.
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Frankfurt, 4. Jan. (D. A. Z.) Die in Frankfurt anwesenden Repräsentanten fremder Regierungen haben den Mitgliedern der Bundeskommission, in Folge der offiziellen Anzeige von deren Amtsantritt, in diesen letzten Tagen ihre Besuche abgestattet. Diejenigen fremden Regierungen, welche in letzterer Zeit nicht offiziell in Frankfurt vertreten waren, werden nach den neuesten Mittheilungen, die man in diesem Betreff erhalten hat, demnächst Gesandte bei der Bundeskommission beglaubigen. Im Publikum laufen fortwährend mancherlei Gerüchte von Beschlüssen um, welche von der neuen Zentralbehörde bereits gefaßt worden wären, um den Gefahren neuer Ueberstürzungen der Parteileidenschaften vorzubeugen. Man spricht jetzt unter Anderm von einem demnächstigen Erlasse der Bundeskommission für Schließung sämmtlicher politischer Klubs in allen deutschen Staaten. Ob eine solche Maßnahme werde beschlossen werden oder nicht, wissen wir nicht anzugeben; doch wird uns von verlässiger Seite versichert, daß eine Verfügung Dieser Art nicht vorliegt.
Der bekannte Hr. Klindworth, ehemaliger politischer Agent Metternich's und Guizot's, befindet sich gegenwärtig in Frankfurt. Es dürfte ihm aber schwerlich gelingen, hier eine „politische Verwenvung" von Seiten Der Bundeskommission zu erhalten, der wohl so viel Einsicht zugetraut werden darf, daß sie einen solchen Mißgriff nicht thun wird.
Karlsruhe, 6. Jan. Dem „Schwäb. Merk." schreibt man, von hier u. A.: Im Seekreis werden an die Stelle flüch. tiger Wahlmânner solche gewählt, welche die prov. Regierung verfolgt hatte. Daö früher hochrothe Ach er n, die Heimath des Erstatthalters Peter unD seiner Sippschaft, ruft u. A. seinen Beamten und den ächt konstitutionellen Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Jllenau; das republikanische Baden, zur Besinnung zurückgekehrt, wendet sich an den kürzlich erst eingetretenen AmtSvorstand; Die Wahlmänner des durch die