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Drünchen, L Januar. (A. Z.) Se. kais. Hoheit Erz-e Herzog Johann von Oesterreich ist gestern Abends gegen 9 Uhr | auf der Eisenbahn von Augsburg hier angclangt und im bayerischen Hof abgestiegen. Der Erzherzog reist morgen früh 8 Uhr von hier ab Sc. Maj. der König hat den Besuch des Erzherzogs sofort erwiedert und ihm die Insignien desHuber- lusordens verlieben. Im Theater wurde der Erzherzog ehr­furchtvollst begrüßt. Das ganze Publikum erhob sich, zwar schweigend, aber mit dem unverkennbaren Ausdruck hoher Ver­ehrung; ich glaube, daß diese Ehrfurchtsbezeugung dem Mo­mente angemessen war. Der Erzherzog trat an der Seite des Königs und der Königin in die Loge.

Berlin, Die Lith. Korrespondenz berichtet, der Tod der Herzogin v. Dessau sey auch in politischer Beziehung zu be­klagen. Denn die Verstorbene habe in einem Briefwechsel der vertraulichsten Art mit der Kaiserlin von Rußland gestanden, und so sey manche tiefere Anschauung und Schilderung deut­scher Verhältnisse durch sie nach Petersburg gelangt und dort wohl auch dem Kaiser selbst nicht fremd geblieben.

Berlin, 3. Jan. Vor einigen Tagen ist auch vom würtembergischen Kabinete ein abmahnendes Schrei­ben eingclaufen, welches die preußische Regierung ersucht, auf die Aussetzung deS Erfurter Reichstags hinzuwirken. Ein Protest scheint von der Regierung Würtembergs absichtlich ver­mieden zu seyn. Sachsen dagegen hat nunmehr sich förmlich gegen den Reichstag und seine rechtlichen Folgen verwahrt, und gegen jede Verfassungsneugestaltung ohne Einwilligung sämmtlicher Bundesglieder protestirt. Ein Gleiches hat Han­nover gathan. So melvet dieKöln. Zeitung."

Hamburg, 2. Jan. Sehr schlimme Militärkrawalle zwischen den Preußen und Soldaten der hiesigen Garnison störten seit einigen Abenden die öffentliche Sicherheit. Gestern Abend wurde ein Tanzsalon, wo sich die Preußen haufenweise eingefunden hatten, zum Kampfplatz, und eine preußische Pa­trouille mußte ihn endlich säubern.

Flensburg, 1. Januar. (Alt.Merk.) Jn's neue Jahr sind wir auf eine unserer Vergangenheit und dem hier herrschen­den Regiments angemessene Weise eingetreten; die Nacht ist in beliebter Manier zu dänischen Pöbelszenen verwendet, der Tappere Landsoldat" gesungen, Fenster eingeworfen, gelobt und gelärmt, geprügelt unv geschlagen worden, Alles unter dem Schutz und der gnädigen Zulassung unserer noblen Oberpoli­zeibehörde. Das neutrale Truppenkorps, ganz ungewohnt, sich in der Neujahrsnacht in seiner Ruhe stören zu lassen, züchtigte die Tumultuanten in recht derber Weise; zum Theil waren es Matrosen und Gassenbuben, doch hatten sich auch andere honette Leute in Verkleidung darunter gemischt, namentlich wurde einer der hauptsächlichsten Tumultuanten, der nach einer tüchtigen Portion Schläge in die Wache gebracht war, bei näherer Un­tersuchung als ein verkappter dänischer Offizier ersannt., In der Nachbarschaft unserer Stadt soll es zu einer Schlägerei zwischen permittirten dänischen und schleSwig-holsteinischen Sol­daten gekommen seyn. Die neutralen Truppen scheinen sich zum Abzüge vorzubereiten; es hieß schon, daß die hier befind­liche Batterie derselben weggebracht worden sey, wenigstens ist so viel gewiß, daß sie ihre Munition und alles übrige sonst Entbehrliche nach Hadersleben vorausgeschickt haben.

Wieder haben Verheerungen durch eine plötzliche Ueber- schwemmung der Oder bei Gahrau in Schlesien Statt gefun­den. Sieben Dörfer sind gänzlich unter Wasser gesetzt, wobei Menschenleben umgekommen und Häuser zerstört seyn sollen. Eines dieser Dörfer war sogar nahe daran, wörtlich mit Mann und MauS von den Wogen verschlungen zu werden. Es ge­lang zwar mehreren Bewohnern des Dorfes, zu entkommen, doch sahen leider die meisten derselben bei Abgang unserer Nachrichten ihrem Untergang noch immer entgegen. Dieiclben flüchteten sich nämlich in die Kirche des Dorses, welche jedoch bald so stark von den Fluten und von aufgetyürmten Eis­schollen umgeben wurde, daß cs schlechterdings unmöglich war, heranzukommen. Man mußte nach Berichten derAllg. Z.-C." deßhalb die Unglücklichen für den Augenblick ihrem Schicksale überlassen und abwarten, ob die Kirche sich halten würde.

Wien. (Allg. Z.) Die Gerüchte über einen Aufstand in Serbien, in Belgrad selbst, zeigten sich als in Eine Kathegorie

mit der lügenhaften Sage über einen Aufstand der Granz- reqimenter gehörig. Auch in Wien wie tn Triest wieder weni­ger friedlich lautende Nachrichten aus Konstantinopel. Dagegen waren die Besorgnisse wegen der Armee in Bohmen mehr und mehr im Schwinden.

Wien, 1. Jan. Als eine bedeutsame Kundgebung wird die kaiserliche Ansprache an die Armee betrachtet. Sie ist ohne Gegenzeichnung eines Ministers, weil der Monarch in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber zu seinen Truppen spricht. Die Entlassung eines Theiles der Armee aus finan­ziellen Rücksichten hat eine gute Wirkung hervorgebracht. Be­merkenswerth ist eS, daß in diesem Aktenstücke der russischen Hilfe mit vieler Anerkennung erwähnt wird. Der Zuruf des Kaisers an die Waffenpflichtigen, auch in der Zukunft, wenn die Weltverhältnisse sich kriegerisch gestalten, den Fahnen zuzu­eilen und mit derselben Tapferkeit zu kämpfen, wird im Herzen der Armee mächtigen Anklang finden. Es ist übrigens Grund zu hossen, daß die kriegerischen Aussichten, welche aus den deutschen Verwickelungen sich ergeben sollten, sich ebenso fried­lich lösen werden wie andere Fragen. (A. Z.)

Frankreich.

Paris, 4. Jan. Durch vergiftetes Zuckerwerk, welches einer Dame von unbekannter Hand vorgestern zugeschickt wurde und womit sie sofort mehrere bei ihr befindliche Personen be­wirthete, sind drei derselben ums Leben gekommen; zwei andere wurven durch schnelle ärztliche Hülfe gerettet. Die Polizei hat die Untersuchung begonnen und schon mehrere Verhaftungen vorgenommen.

Großbritannien

London, 31. Dez. Die Eröffnung deS Parlaments wird nicht am 29., sondern am 31. Januar erfolgen; wahrscheinlich durch die Königin persönlich.

Galizien.

Neuerlich ist Galizien der Schauplatz eines furchtbaren elementarischen Unglücks geworden. Am 19. Dezbr. Mittags 12 Uhr erfolgte der Durchbruch der Weichseleisvecke von der Mündung des Wislokafluffes' bis zum Dorfe Kolo, wo die Eismassen zu stocken anfingcn, und in kurzer Zeit das Bett der Weichsel von Kolo bis Przewicz in einer Strecke von 2000 Klaftern dergestalt verlegten, daß die Wasser die Orte Baranow, Kolo, Dmitrow Maly unv Przewicz überschwemmten und uner­meßlichen Schaden bewirkten. Unglücklicher Weise trat Frost hinzu, und hinderte bis zum Abgange der Nachricht den Ab­fluß der verheerenden Fluth. (Lloyd.)

Türkei.

Konstantinopel, 20. Dez. Am 15. Dez. ist der russische Lieutenant Semen off als Kurier des Kabinets von Peters­burg mit Depeschen für die Hohe Pforte sowohl als für Herrn Titoff eingetroffen. Das Zerwürfniß der Pforte mit Rußland und Oesterreich ist nun doch ernster geworden, als man glaubte. Kaiser Nikolaus besteht darauf, daß er nicht mehr mit der Pforte unterhandeln wolle, wenn diese nicht von Englands Einfluß sich befreie. Die englische und französische Flotte stehen noch immer bei Moschenist und Vurla und werden ohne weiteren Zweifel auch in diesen Meeren überwintern. Der Divan hat sich schon dreimal versammelt und berathen und wieder berathen, ohne mit sich darüber in'S Reine zu kommen, was auf Rußlands Forderung zu erwidern sey.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

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Die Expedition der Aass. Allg. Zeitung.

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