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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JIS S Sonntag den 6* Januar 1850»

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, Lie Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume« rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchafj Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1U fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 2 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Eine Stimme vom Lande.

Deutschland. Mainz (Die Rothen). gratis surf (Hecker'S Farm.

Verfügung d-S Senats). Darmstadt (Die erste Kammer). Mannheim (Das Standgericht). Dessau (Die regierende Her­zogin t). Berlin (Der Treubund. Massenfabrikation). Göt­tingen (Die Demokratie in Norddcutschland). Br einen (Schiffbruch).

Wien (Schneefall).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Der Reisende John Duncan f).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Eine Stimme vom Lande.

Aus dem Maingrunde, 2. Jan. Das neue Jahr hat unS in hiesiger Gegend mit einer Menge von Flugblättern von dem f. g. Vorstand des Vereins zur Wahrung der Volks­rechte in Wiesbaden, als Vorort des Bundes der demokrati­schen Vereine Nassaus beglückt, und es ist diese Ausarbei­tung mit den bekannten Wendungen und Schlagwörtern reich­lich gewürzt. Wenn man ein solches Blatt durchlieSt, so sollte man meinen, in jevem Demokraten stecke nichts als der un­eigennützigste Apostel für das Proletariat und mehr noch als eine barmherzige Schwester; denn an die Proletarier ist die herzzerreißende Ansprache und die Bitte, für den Erfurter Reichstag nicht zu wählen, hauptsächlich gerichtet.

WaS wird indessen dieses Manifest der Demokraten und ihr ohnmächtiger Hülferruf erreichen? Auf dem platten Lande, wo der morbus democraticus so ziemlich geheilt ist, wahr­scheinlich nichts. Dagegen, um ein Beispiel auS der Nähe zu nehmen, werden in Hochheim und Wicker, wo die Demokraten­partei allerdings genugsam vertreten ist, die Konstitutionellen auch ohne die Demokraten wählen und wählen können, da die weiland so stark grassirende Furcht vor der demokratischen Rache selbst bei dem Befangensten gänzlich geschwunden ist.

Ich überlasse eS den Juristen und Staatsmännern, die in dem gedachten Blatte aufgestellten politischen und RechtS- grundsätze zu würdigen, und will mich einzig und allein mit der Entgegnung aus einige Behauptungen befassen.

Die Demokratie klagt darüber, daß ihr zur Führung ihres Streites auch nicht ein fußbreit Land gelassen sey. Sie hat aber doch, wie wir alle wissen, mehr als genug Boden ge, habt, wo ist derselbe denn hingekommen, wenn sie selbst es nicht gewesen wäre, die sich ihn in äußerster Verblendung unter den Füßen weggezogen?

Waren es nicht Demokraten, welche auf der Frankfurter Pfingstweide predigten und daö Volk zu Gewaltmaßregeln auf­forderten, und einen Bürgerkrieg sicher bezweckten wie sie heute noch in offenen und versteckten Drohworten andeu- 1en wenn nicht die preußischen Bajonnete das Auflodern tlneö über ganz Deutschland wogenden Aufruhrs verhindert hätten?

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Wer anders als die Demokratie organisirte unter dem Scheine und hinter der Maske, die Reichsverfassung durchsetzen zu wollen, bie badischen Banden, und wer waren die Anführer dieser Freiheitsschaaren, welche dem badischen Lande so tiefe Wunden schlugen?

Zu welcher Partei zählt ein Mensch wie Heinzen, wel­cher in seinen schmutzigen Schriften ein allgemeines Mordsystem empfiehlt? Doch wohl nicht zu der Partei der Konstitutionel­len; denn noch keiner derselben hat einen Bürgerkrieg und Mord als etwas Verdienstliches dargestellt. Und wie mancher Andere würde eS vielleicht noch ärger machen, wenn er die preußischen Bajonette nicht fürchtete; und daher denn auch der Haß der Demokraten gegen Preußen.

Wer anders als Demokraten faßten Beschlüsse in Idstein, welche die badische Herrlichkeit für Nassau zur Folge gehabt hätten, und wer stellte in unserer Ständekammer die badischen Gräuelszenen als etwas Verdienstliches dar, als der Demokrat Herr Pfarrer Snell?

Mag sich auch immerhin die Demokratie in der vielleicht zur Wirklichkeit werdenden Hoffnung wiegen, daß die Idsteiner Herren eine Freisprechung vor dem Geschwornengericht zu er­warten haben, so hat doch schon längst die Stimme unserer Gesetz und Ordnung liebenden Bürger über diesen Vorfall gerichtet.

So könnte man fortsahren in Aufzählungen ohne Ende, welche den thatsächlichen Beweis liefern, daß nur die Demo­kraten selber eS waren, welche sich den Boden unter den Füßen weggezogen haben. Ja, noch mehr, die Konstitutionellen und das ist eben auch kein Kompliment für sie hätten viel­leicht in ihrer Bequemlichkeit niemals Boden gewonnen, wenn nicht die Demokratie so artig gewesen wäre, und ihnen densel­ben förmlich unter die Füße geschoben hätte!

Um zu ihrem Zwecke zu gelangen, suchen die Demokraten das Proletariat und den Handwerkerstand aufzustacheln, und gegen den Erfurter Reichstag zu stimmen. DaS Zustandekom­men dieses Reichstags wird die Erwerblosigkeit wahrlich nicht mehren, eS wird sie mindern, weil eS immer wieder ein wei­terer Schritt ist zu geordneten Zuständen. Etwas anderes ist, den arbeitenden Klassen zu schmeicheln, ihnen den Hof zu ma­chen , fabelhafte Versprechungen hinzuwerfen, etwas Anderes, ihnen Arbeit zu schaffen. ES wäre doch interessant zu erfahren, wo und wie die Demokratie der arbeitenden Klasse für welche wir gewiß eine werkthätige Theilnahme beanspruchen Arbeit geschafft hätte. Daß sie den Kredit hat niederdrücken helfen, daß sie dieGeldsäcke" bewogen hat, ihr Geld eben in den Säcken zu behalten, daS wissen wir leider wohl, und daß durch steten Unfrieden im Lande der Erwerb nicht gefördert wird, und daß auch die süßesten Schmeichelworte einen hunge- rigen Magen nicht satt machen, daS wissen wir gleichfalls.

Daß die Demokraten Alles anfeinden, wodurch Ruhe unv Ordnung bezweckt wird, zeigt auch wieder das besprochene Flugblatt, da die Herrn sich auf Oesterreich berufen resp, auf dessen Nichtanschluß; oder glauben dieselben, daß eS die Konstitutionellen vergessen hätten, wie früher und z» Zeiten des Parlaments von Niemanden mehr auf Oesterreich geschimpft wurde, alS von den Demokraten? Heute paßt eS ihnen in»