km, hatten die Polen ihren gebliebenen Landsleuten ein denkmal auf dem katholischen Kirchhofe, mit der Inschrift: Den gemordeten Polen, errichtet, welches unlängst der Kreis- andrath, nachdem er die Beseitigung der Inschrift vergebens zefordert, fortnehmen ließ. Dies hatte die Folge, daß in einer ier nächsten Nächte drei Grabkreuze, welche die preußischen Soldaten ihren im Kampfe gefallenen Kameraden auf dem vangelischen Kirchhofe hatten setzen lassen, von Frevlerhänden änzlich zertrümmert wurden. Die deßhalb eingeleitete Unter» Hebung hat noch nicht zur Entdeckung der Thäter geführt. )ie Erbitterung der beiden Nationalitäten ist seitdem in Trze- reszno und Umgegend stärker als je zuvor; überhaupt ist >tzt an eine Versöhnung der beiden feindlichen Elemente durch- us nicht zu denken. Dazu kommt noch, daß ein großer Theil vr polnischen Grundbesitzer durch die Beiträge für die Emiration und andere nationale Zwecke dergestalt erschöpft ist, daß c sich der Insolvenz nahe gebracht sieht. So hat der Verein rm Besten der lernenden Jugend, zu dem der Adel jährlich Ua 17,000 Thaler an Beiträgen gezeichnet hat, im laufenden iahre nur 7000 Thlr. beitreiben können; die Rückstände sollen hon 30,000 Thlr. betragen. Auch die im polnischen Sinne edigirte Deutsche Zeitung des Ostens hat aus Mangel an Theilnahme des polnischen Adels eingehen müssen; ein âhn- ches Loos soll Libelt's Dziennik Polski bevorstehcn. Auch die ändschaftszinsen dürften nicht vollständig eingehen und sodann ne Menge von Landgütern zur Subhastation kommen. So at der polnische Adel seinen eigenen Ruin herbeigeführt.
Gegen die Einverleibung der ganzen Provinz Posen in Deutschland werden die Polen zum Scheine protestiren; im Käuzen aber sind sie damit einverstanden, weil sie durch die Sollziehung der Demarkation theilweise zu Grunde gerichtet ,orden wären.
Flensburg, 27. Dez. Der Vorstand des hiesigen Kasino at schriftlich bei dem Stadtkommandanten, Graf von Essen, »gefragt, ob dem bekannten, Nachstellung schleswig-holstein. lniformen, Kokarden u. f. w. verkündenden Polizeiplakate von Seiten der neutralen schwedisch-norwegischen Truppen wirklich folge geleistet werde, darauf aber nur eine ausweichende Antwort erhalten.
Fehlte es den Dänen schon diesen Sommer bei Ausrüstung srer'-grbßeren Kriegsschiffe an tauglicher Mannschaft, so wird 8 ihnen nächstes Jahr in diesem Punkte noch viel schwerer eilen, denn nicht nur die bessere schleswig'sche Seemannschaft at sich bereits aus dem Bereiche der Dänen begeben, sondern 8 sind eben sowohl außergewöhnlich viele dänische Matrosen f jüngster Zeit durch Flensburg nach Süden passirt.
Wien, 28. Dez. Als Beitrag zu den Verhältnissen der ngarischen Geistlichkeit zu der politischen Macht, gibt das in esth erscheinende Blatt „Religio" folgende interessante Auf- Hflüsse. „Bischof Lonovics ist dieser Tage auf freien Fuß esctzt worden und befindet sich gegenwärtig im Kapistraner- r [oster in Ofen. Seine Freilassung geschah aus dem Grunde, j imit er feine Vertheidigung als Bischof auf vollkommen freiem l uße führen könne. Es wurde nämlich anerkannt, daß die ntsetzung von einer geistlichen Würde blos von dem endlichen rtheilsspruche des geistlichen Gerichtshofes abhängig sey und ie Abdankung auf solche Weise vor sich gehen müsse, daß >lche nicht als der Ausfluß irgend eines politischen Zwanges etrachtet werden könne, da Unverletzlichkeit des geistlichen Prinzipes nur auf diesem Wege gesichert werden kann. Die Entsetzung des Neusohler Bischofes von RudnianSky durch das Militärgericht, ist gewiß nur aus Unkenntniß dieses Prinzipes geschehen, oder aber kann dieses Urtheil nur als einseitiger ilusbruck der weltlichen Macht gebeutet werden, zu dessen Kom- fletirung noch der Ausspruch des geistlichen Gerichtshofes erforderlich ist. AuS diesem Grunde läßt sich erklären, warum das Urtheil nicht vollzogen wurde und der genannte Bischof sich ebenfalls in einem Kapistranerkloster in Wien befindet."
. Wien, 29. Dez. In Wien steht eine Erleichterung des Belagerungszustandes in Aussicht. Das Frcmdenblatt bringt die Nachricht, daß der Militär- und Zivilgouverneur den hiesigen Gastwirthen die Bewilligung ertheilt habe, während des Karnevals an fünf Tagen der Woche Tanzunterhaltungen, und zwar mit Ausnahme des Sonnabends, wo die Musik um Mitternacht aufzuhören hat, bis 3 Uhr Morgens abzuhalten; dafür hätten sie aber eine Tare, welche je nach der Größe und Belebtheit des Lokals zwischen 5 und 10 Gulden beträgt, zu
dem von dem Gouverneur gegründeten Fonds zur Unterstützung wahrhaft bedürftiger und brodloser Arbeiter zu erlegen.
Die Kölnische Zeitung enthält eine Korrespondenz aus Wien, in der jede Zeile pikant ist. Sie sagt: „Die Weise, wie die „Presse" von Melden unterdrückt, findet selbst unter dem Offizieren vielfachen Tadel. Melden ist ein gutmüthiger Hitzkopf, von dem man staatsmännische Ueberlegung nicht erwarten darf. Die Zeiten sind aber gegenwärtig nicht danach, um kommandirende Generale desavouiren zu können.
In Galizien sind im Jahre 1848 307,967 Personen gestorben und nur 161,288 geboren worden. Die ungewöhnliche Vermehrung der Gestorbenen ist vornehmlich der Cholera znzuschreiben. Unter den Todesfällen sind auch 10 „in Folge von Hinrichtungen" aufgeführt, ein neuer Beitrag zu unserer Blumenlese österreichischer Stilistik.
Wien, 29. Dez. Unter der Devise „Wissen ist Vorsicht" bringen die lithographirten Wiener Nachrichten einen Auszug aus der Maria Theresianischen peinlichen Gerichtsordnung, nämlich diejenigen Kriegsartikel, welche sich auf die Bestrafung von Preßburg beziehen können.
Der Bruttoertrag sämmtlicher Miethzinse der Stadt und Vorstädte Wiens beläuft sich auf 14,712,458 Fl., nach Abzug der bisherigen Lasten hingegen auf 12,152,090 Fl., und die Anzahl der Häuser der Residenz erreicht die Höhe von etwas weniger als 8850 Nummern.
Schweiz
Genf. Von den beim Mauernsprengen verwundeten jungen Leuten ist abermals einer gestorben. Am 23. Dez., Morgens 5 Uhr, schleuderte das Losbrennen einer neuen Mine eine Menge Steine in die Stadt, wobei ein Thorwächter beinahe um S Leben gekommen wäre. Herrn Fazy wird jetzt vor, geworfen, daß er, ein zweiter Coriolan, seine Vaterstadt bom- bardiren lasse.
Siebenbürgen.
Hermannstadt, 17. Dezbr. Heute wurde die sächsische Nationsunivers ität (Provinziallandtag der sächsischen Nation in Siebenbürgen) eröffnet. Dies geschah durch eine Rede des Präsidenten der Versammlung und Grafen der sâch, fischen Nation, Franz von Salmen.
Rußland.
Petersburg, 21. Dez. Gestern ist die Großfürstin Maria Nikolajewna (Gemahlin des Herzogs von Leuchtenberg) von einem Prinzen entbunden worden. Wegen dieses glücklichen Ereignisses hat der Kaiser die Trauer, in welcher sich der Hof gerade befand, bis auf weiteres abzulegen befohlen.
Persien.
Das „Journal de Konstantinople" bringt über die persischen Zustände folgende bemerkenswerthe Notiz: „Seit einigen Monaten ist Persien häufig von Unruhen heimgesucht, die bald auf dem einen, bald auf einem andern Punkte ausbrechen. Die neuesten Nachrichten aus diesem Lande melden uns, daß einer der angesehensten Männer von Jspahan', der Sohn des ehemaligen Mollah dieser Stadt, im Glauben, daß ihm der Gouverneur ein Unrecht zngefügt, sich seines Palastes mit Hülfe von Klienten bemächtigte. Man sagt', der Gouverneur sey noch mit 30 seiner Diener gelobtet worden. In Folge dieser Ereignisse befand sich Jspahan, ohne irgend eine gesetz- liche Autorität, in der größten Anarchie; man hoffte, daß die Regierungstruppen, die zahlreich gegen die Stadt heranrückten, dort die Ruhe wieder Herstellen würden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H» Riehl.