sammlnngen zu umschließen pflegten. Es sollte eine Doctor- Dispudation stattfinden, deren Gegenstand eine Dissertation mit dem Titel: De morbo democratico, nova insaniae forma, (über daS Demokratenfieber als einer neuen Form deS Wahnsinnes,) war. Der medicinisch-politische Doctorandus, ein Sohn des Abgeordneten Groddeck aus Danzig, erschien endlich vor dem mit Spannung der Dispudation harrenden Auditorium, um ihm anzukündigen, daß die akademische Feierlichkeit aus Gründen verschoben sei.
Wien- 20. Dezbr. (A. 33 Die Militärtransporte nach nördlicher Richtung dauern fort Heute wurde wieder eine Division vom Heßregiment mittelst der Nordbahn befördert und die noch fehlenden 6 Kompagnien derselben werden dieser Tage folgen. Gestern ging außer vielem Geschütz und Munitionswagen auch eine Abtheilung Kavalerie nach Böhmen ab.
Einer kaiserlichen Verordnung zufolge sollen die Wittwen und Waisen sämmtlicher bei der 'Vertheidigung von Ofen gefallenen Krieger mit Pensionen und Erziehungsbeiträgen bedacht werden.
Bekanntlich haben die früheren Bücherzensurbeamten als Begünstigung einen einjährigen Gehalt bezogen und sollten dann aus dem Dienste treten. Wir hören nun, daß sie fast durchgehends eine Anstellung in den Preßbureaur der Stadthauptmannschaft, vulgd Polizeibehörde erhalten haben.
Der Saal, in welchem die Geschwornengerichte tagen werden, ist vollendet, er bildet einen amphitheatralischen, prachtvoll dekorirten und durch Gas beleuchteten weiten Raum. Wann wohl die ersten Verhandlungen in demselben stattfinden werden, läßt sich für jetzt eben so wenig bestimmen, als wann man den Belagerungszustand aufheben werde. Einstweilen ist es angenehm, zu wissens daß man an die Geschwornengerichte gedacht hat.
Wien, 21. Dez. Heute ist von Seite der Stadtkomman- dantür nachstehende Kundmachung erschienen:
„Das wegen seiner schlechten Tendenz von dem Militär- und Zivilgouvernement unterdrückte, hier in Wien erschienene TageSblatt, genannt Lie „Presse", redigirt von August Zang, wird, wie man aus einer Annonce dieses Redakteurs ersehen hat, nunmehr in Brünn von eben demselben Redakteur her- auSgegeben werden. Nachdem aber dieses Journal für den ganzen Bezirk deS BelagerungSrayons verboten ist, so darf dasselbe während der Dauer dieses Verbots für Wien nicht bezogen werden. Es wird daher das hiesige Publikum im allgemeinen, insbesondere aber die früheren Abonnenten dieses Journals im Auftrage Sr. Erz. des Herrn Militärs-und Zivilgouverneurs gewarnt, zu abonniren, weil dieses Abonnement nicht nur allein die Konfiskation des empfangenen Blattes, sondern auch die kriegsrechtliche Behandlung und Bestrafung derjenigen zur Folge haben würde, welche dieses Verbot über, treten."
Den hiesigen Journalen wurde gleichzeitig untersagt, das Inserat, das Wiedererscheinen der „Presse" betreffend, aufzu- nehmen.
Brünn, 19. Dezbr. (C Bl. a. B.) Heute wurde zwischen Herrn Zang, Redakteur der „Presse", und dem hiesigen Buchdrucker Winicker ein Kontrakt abgeschlossen, nach welchem daS Journal „Die Presse" künftighin während der Dauer des BelagerungSzustaudes hier in Brünn bei Winicker erscheinen wird. Die nöthigen Setzer werden aus Wien ankommen, desgleichen wird auch eigens eine Schnellpresse aus der Gerold'- schen Buchdruckerei hierhergeschafft.
Schweiz.
Vom Zürichsee, 20. Dez. Die neuenburgischen Alt- Staatsräthe sollen von ihrem früheren königlichen Herrn mit einet schweren goldenen Ehrenmedaille erfreut worden sein; weniger Vergnügen gewährt den Neu-Staatsräthen das Defizit von wenigstens 200,000 Schw. Fr., daö sich nach dem Budget für 1850 unzweifelhaft herausstellt. Ueberhaupt ist es merkwürdig, wie gerade in den demokratisch regierten Staaten von Bern, Neuenburg und Genf, in denen doch die größte Wohlfeilheit des Staatshaushalts billig herrschen sollte, Finanzklemmen und Deficits an der Tagesordnung sind. Zwar hat^Bern das anfänglich befürchtete Deficit von 700,000 Schw.
Fr. im Voranschlag für 1850 durch einen geschickten sinanziel- len Coup de main in einen Vorschuß von 6000 Fr. umzuwandeln gewußt; allein die Schweizer sind zu gute Rechenmeister, als daß sie nicht wissen sollten, ein Voranschlag und Jahres-Rechnung oft sehr übel mit einander Harmoniken. Genf nun gar hat so wenig Credit mehr, daß die dortige Erspa- rungS-Casfe dem Staatsrathe ein verlangtes mäßiges Darlehen rund abschlug.
F r a n k re i ch.
Paris, 22. Dez. (K. Z.) Dieser Tage wurden für Rechnung des Herzogs von Montpensier zwei Wälder im Berry gekauft. Die Sache hat jedoch durchaus nichts mit der Politik, jedenfalls nichts mit der Politik des Augenblicks zu thun, und der Herzog von Montpensier würde es wahrscheinlich vorgezogen haben, sein Geld jetzt in spanischen Grundbesitz anzulegen, falls ihm das freigestanden hätte. Laut seines HeirathS- Vertrages muß nämlich die Mitgift der Infantin, seiner Gattin, zum Ankauf von Grundstücken in Frankreich verwendet werden. Louis Philipp beantragte ausdrücklich diese Klausel, wohl aus keiner anderen Ursache, als weil er mehr auf die Stabilität des eigenen, denn auf die des spanischen Thrones vertraute, Da aber einmal diese Klausel im Kontrakte steht, glaubten Louis Philipp und der Herzog von Montpensier sie streng beobachten zu müssen, damit man nicht aus ihrer Verletzung in Zukunft auch die Richtigkeit des ganzen Der- träges und somit gewisser Rechte folgere, an welchen Loui- Philipp noch wie vor dem 24. Februar, noch wie vor der glücklichen Nachricht von dem interessanten Zustande der Königin Isabella gleich fest hält.
Paris, 24. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Ein junger deutscher Schriftsteller ist aus Paris und Frankreich verwiesen worden, obgleich er kein Flüchtling ist. Er rief diese Maßregel, wir ihm ein Sekretär des Präfekten mündlich mittheilte, durch mehrere Artikel über das innere Leben im Elysee, welche in deutschen Zeitungen erschienen sind, gegen sich hervor. Der erste Ausweisungsbefehl gestattete nur eine Frist von 24 Stunden ; Herr Carlier bewilligte einen Aufschub von 14 Tagen.
Der neue Kaiser von Haiti hat 10,000 Flinten in Marseille ankaufen lassen; 30,000 andere wurden für seine Rechnung in Antwerpen gekauft.
Ungarn.
Pesth, 17. Dez. (K. 33 Was man sonst für unmöglich erachtet haben würde: auf der hiesigen Universität ist ein Lehr- stuhl für Geschichte der deutschen Literatur errichtet. Der neu ernannte Professor, Hr. Julius Schroer, wird heute seine Vorlesungen eröffnen, und zwar in einem Saale der Juristen- Facultät, wo früher für das junge Völkchen der Klang eine- deutschen Wortes das ärgste Verbrechen war.
A m e r i k a.
Newyork, 4. Dez. Der Kongreß zu Washington ist gestern zusammengetreten, aber ungewöhnlicher Weise hat das Repräsentantenhaus sich noch nicht konstituiren können. Die Parteien stehen sich in so gleicher Stärke gegenüber, daß weder der demokratische, noch der Whigkandidat für die Würd« des „Sprechers" die erforderliche unbedingte Majorität erlangen konnte, obwohl die Demokraten anscheinend um ein paar Stimmen stärker sind, als die Whigs. Möglicher Weise kann der Kampf um den Präsivcntenstuhl noch mehrere Tage dauern, und ehe er nicht entschieden ist, wird die „Botschaft" nicht erscheinen. Mit Recht ist man auf dieses Aktenstück sehr gespannt, und mit gutem Grunde sagt der hiesige „Courier and En» quirer"; „Die in diesem Programme enthaltenen Maßregeln und Grundsätze involviren die Eristenz der jetzt bestehenden Parteien, die Eristenz deS KabinetS, die Auflösung des Kongresses und den Bestand der Union selbst."
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.