Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 306* Donnerstag den 27. Dezember 18^9.
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Deutschland. Frankfurt (Kabinctâkuriere. Abschied des Erzherzogs
Johann von der Garnison). — V om Rh e in (Demokratischer Eifer. Angebliche Putschgelüste). — Koblenz (Der Prinz von Preußen. Falschmünzerbande). — Aus der Pfa lz (Die Untersuchung über die Betheiligung am Aufstande). — Aus Baden (Regierüngserlaß). — Berlin
(Die Schicksale des Archivs der Nationalversammlung).
Dänemark. Kopenhagen (Rüstungen).
Sprechsaal für Stadt und Land.
D e u t s eh l a n d
Frankfurt, 21. Dez. Den Depeschenwechsel zwischen Frankfurt und Wien zu unterhalten, sind den österreichischen Kommissaren zwei Kabin etskuriere beigegeben worden, welche die mehr als 100 deutsche Meilen betragende Weg, stecke innerhalb 72 Stunden zurückzulegen gehalten sind.
Frankfurt, 24. Dez. (D. Z.) Se. kais. Hoheit der Erzlerzog Johann nahm heute von der hiesigen Garnison Abschied, indem er die verschiedenen Kasernen besuchte, Offiziere und Unteroffiziere um sich vereinigte und ihnen mit dem Lebewohl zugleich seine Grüße an die Mannschaft auftrug.
Vom Rhein, 14. Dez. Die „deutsche Reichszeitung" er, zählt ein Beispiel von der Rührigkeit der rheinhessischen Demokraten bei den Wahlen, daS sich die konstitutionelle Partei nicht entgehen lassen möge: Ein Mädchen von 20 Jahren erschien im Wahllokale und gab die Erklärung ab: Der Vater sey krank, liege im Bett und habe sie beauftragt, seine Stimme abzugeben. Als man ihr nachwies, daß durch das Gesetz die persönliche Anwesenheit des Wählers erfordert werde, sprach die Tochter: „Dann muß der Vater heraus, denn gewählt muß werden und demokratisch muß gewählt werden." Rach Verlauf einer halben Stunde kam die Tochter; der Vater halte sich auf ihren Arm gestützt und gab seinen Waylzettel für den demokratischen Kandidaten ab. Unserm wackern Jaup, bem alten erprobten Freunde der Freiheit, wird schwerlich etwas anders übrig bleiben, als die Kammern bald zu vertagen und abzutreten. Wir sinv hier in Mainz etwa zw ö l fh u n- dert und fünfzig Wähler, welche 20 Gul den direkte Steuer zahlen, die bei weitem überwiegende Mehrzahl ist konstitutionell , aber sie ist träg, denn nur etwa 300 haben sich bei der Wahl belheiligt, w â h r e n d v on d e n D e m o k ra t cn auch nicht Einer fehlte. So war eS möglich,daß z. B. der demokratische Kandidat, Dr. ^^recker, (Jaup Schwager), 585 Stimmen zur ersten Kammer erhielt. Man meint hier in den demokratischen Kreisen, eS sey leicht, Vie kleinen Staaten in Republik umzuschaffen !
Die neuerdings von mehreren Seiten her verbreitete .,ach- richt, daß von Seiten der deutschen Flüchtlinge im CU sa ß ein neuer Putsch gegen Baden vorbereitet werde, sind, wie ich bestimmt versichern kann, falsch. ES fehlt dazu nich bloS an allen Geldmitteln, sondern die Flüchtlinge leben auch
in größter Uneinigkeit unter sich. Einer schiebt das Mißlin, gen der tollen Schilderhebung auf den Andern. Sie haben meist das Schwert mit der Fever vertauscht, und Jeder bemüht sich der Welt darzuthun, daß weil man nicht ihm N. N. gefolgt sey, die Sache begreiflicherweise habe zu Grunde gehen müssen. Raveaur, mit dessen Gesundheit eS besser geht, scheint allein klaren Blick behalten zli haben. Wäre er Diktator geworden , was seiner Zeit beabsichtigt war, so hätte er zuerst den wahnwitzigen Struve und dessen nächsten Anhang „unschädlich" gemacht. Daraus macht er kein Hehl und Struve weiß daS. Deßhalb der bittere Haß zwischen beiden.
Koblenz, 22. Dezbr. (K. Ztg.) Gestern Abend ist der Prinz von Preußen mit großem Gefolge hier angekommen. Morgen Abend wird ihm zu Ehren ein großer Ball ge- -geben, untr später wird er, wie verlautet, großartige Festung», Mannöver hier einführen lassen.
Die StaatS -Behörde ist gestern einer Falschmünzerbande auf die Spur gekommen, in Verfertigung von DarlehnS-Kassen- scheinen im Betrage von fünf Thalern. Mehrere derselben, auS dem nahe gelegenen Dorfe Rübenach, sinv bereits gefänglich eingezogen.
Aus der Pfalz, 21. Dezbr. (D. Ztg.). Die Voruntersuchungen über die Betheiligung an dem letzten Ausstand sind nun sämmtlich beendigt. Das Erkenntniß der Anklagekammer des AppellhofeS zu Zweibrücken wird im nächsten Januar und bald daraus daS Zusammentreten eines außerordentlichen Schwurgerichtes erfolgen. In Obermoschel, wo einige Kompagnien Soldaten garnisoniren, haben eine Anzahl von ihnen, die in einem Wirthshause versammelt war, und wie es heißt, mit etlichen Märchen ihre Spässe getrieben, die jungen^Bursche, welche sich auS Neugier an die Fenster gedrängt, mit Schlägen überfallen und dabei auch den Nachtwächter sammt Laterne und Horn zusammengeschlagen.
Nus Baden, 23 Dezbr. (Darmst. Ztg.) Auf eine Beschwerde der hessischen Behörden, daß in neuerer Zeit die hessischen Soldaten, welche der Gränzverkehr in badische Ortschaften führte, dort Beleidigungen und Mißhandlungen namentlich von Seiten früherer badischer Soldaten ausgesetzt gewesen, hat die badische Regierung alsbald verfügt, daß die betreffenden Ortö- behörden die Namen ver Beleidiger anzuzeigen haben, „wtdrl- genfallS die fraglichen Orte mit ErekutionskommanvoS bedroht werden, welche besonders den der Umsturzpartei angehörenden Einwohnern zur Last fallen würden; sind dem großh. Bezirksamt die Frevler bekannt, so sollen dieselben verhaftet und in die Kasematten von Rastatt abgeliefert , andernfalls von der GenSv'armerie auf dieselben gefahndet werden."
Berlin, 22. Dez. (Const.-Z.) Habent sua fata libelli. Gestern empfing der hier wohnende Hr. Lehn erdt einen Brief von der noch bestehenden Kanzlei der deutschen verfassunggebenden Nationalversammlung in Frankfurt a. M., von Dr. Jucho unterzeichnet. Hr. Lehnerdt hatte nämlich im von- gen Jahre der Nationalversammlung eine Arbeit über die Unterscheidung deö Hand- und Maschinengarns emgftendet, um deren Rücksendung er vor drei Monaten einsam. Gestern