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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JIS LV3 Dienstag den 23. Dezember L8LS

Zweite Ausgabe.

U e b e r s i ch t.

Seeräuber - Krieg.

Deutschland. Frankfurt (Die Main- Weser-Bahn). Aus dem

Odenwalde (Schacher mit Wahistimmen). Aus dem G r o ßh c r- zogthum Baden (Die Vermögenssteuer). Karlsruhe (Die badischen und die preußischen Offiziere). Rastatt (Die Besatzung. Fluchtversuch).. Köln (Die Karnevalsgesellschaft). Harpen (Mord). Würzburg (Oberstlieutenant v. d. Tann +). Stutt- g ar t (Das Auflösungsdekret her Landesversammlung). Köthen (Er­öffnung des vereinigten Landtages). Berlin (Vermischtes). Triest (Seestürme).

Frankreich. Straßburg (Eisenbahnbau).

Großbritannien. London (Vermischtes).

Italien. R o m (Die Rückkehr des Papstes). Venedig (Ein Attentat).

Türkei. (Die ungarischen Flüchtlinge in Widdin).

Mprechsaal für Stadt und Land.

Seeräuber - Krieg.

London, 18. Dez. Wir haben kurz der furchtbaren Ere, kution erwähnt, welche Sir James Brooke, der Statthalter von Labuan und Rabscha von Sarawak auf Borneo, gegen die Seeräuber dieser Insel ausgeführt. Folgendes ist ein Aus­zug aus dem halbamtlichen Berichte darüber in der Singapore Free Preß vom 7. Sept.: Am 28. Juli erhielt man Anzeige, daß eine starke Flotte von mehr als 100PrahuS vonSarebas in der Richtung nach dem Rejang ausgelaufen, wahrscheinlich mit der Absicht', die Stadt Siriki anzugreifen. Alles geriet!) nun in Bewegung. Sir J. Brooke und ein Theil der Sara­wakboote ankerten dem Ausstusse des Karaka gegenüber, die übrige Abtheilung vor der Mündung deS SarebaS, die Ne­mesis in der Bai'zwischen den beiden Flüssen, und die Boote unserer Kriegsschiffe in einer Linie nach dem User hin. In dieser Stellung blieb Alles bis zum 30. Juli Abends, wo man Nachricht erhielt, daß die Piraten Palo angegriffen und, nach­dem sie die Einwohner mit Vernichtung bedroht,, weim sie ihnen kein Salz lieferten, nach einem Flusse Namens Sl-Maring weiter gesegelt, wo sie nun lagen. Am 31. Juli Abends langte der Ular, eines von den Knndschafterbootcn, mit der Meldung an, daß die Piratenflotte in voller Stärke ansegle. In la Minuten steuerte man ihnen entgegen; die Nemesis fuhr see­wärts um ihr Entkommen nach dem Meere zu verhindern. Sobald sie von den Piraten wahrgenommen wurde, wendeten sie sich nach dem Kalukaflusse, stießen hier aber auf dieiSara- Wakerboote und die englischen unter den Lieutenants Wilms Hurst und Everest. Nun suchten die Piraten alS letzte Zu- flucht ihren eigenen Fluß, die Sakarran, zu erreichen, kamen aber in unmittelbare Berührung mit den. BooMi unserer Kriegsschiffe, und das Gefecht wurde allgemein. Es war n t lerweile dunkel geworden, und dre große Gefahr war, c y wir auf einander oder auf unsere eingeborenen Dichbesgenos sen feuerten. Kommandeur Farquhar, der die Operationen leitete, war mitten im Gewühl und ermahnte die Mannfchaf,

ten der einzelnen Boote zur Vorsicht, auf daß sie nicht ihren eigenen Freunden Schaden zufügten. Alle Seeleute versichern, nie ein Gefecht von Booten gesehen zu haben, wo so rasch und mörderisch gefeuert wurde. Besonders die Kongreve'schen Raketen thaten furchtbare Wirkung.

Nachdem der Kampf bis tief in die Nacht gewährt, wurde von der Nemesis das Zeichen zum Aufhören gegeben; aber offenbar war der Tag unser. Bei Tagesanbruch sah man die ganze Bai, soweit das Auge reichte, mit Trümmern bedeckt; Schilde, Speere und Stücke zerstörter PrahuS schwammen in allen Richtungen; an der sandigen Landspitze aber, die sich am linken Ufer deS SarebaS weit in die See hinausstreckt, waren mehr als 70 Prahus angetrieben, welche die Eingebornen schnell von allem Werlhvollen entleerten und dann zerstörten. Die Züchtigung war eine höchst vollständige. Von 120 Pra­hus, welche am Abend zuvor mit unS gekämpft, waren mehr als 80 zerstört, und die Barbaren müssen 1200 Mann verloren haben. EnglifchersèitS hatte man einige Leichtverwundete, aber keinen einzigen Todten! Hätten die Wilden gesiegt, so war unser Schicksal gewiß. Von ihrer unmenschlichen Sinnesart zeugten die Leichen von Frauen, die wir an der Bucht fanden und an denen sie ihre Rache ausgelassen. Sie waren alle ent­hauptet und die Leiber von oben bis unten aufgeschlktzt. Die Ermordeten gehörten wahrscheinlich zu den Gefangenen, welche die Seeräuber auf ihrem letzten Zuge gemacht. Wie wir nach, her von einem gefangenen Malaien erfuhren, war die Piraten, flotte in dem festen Gedanken ausgelaufen, daß die Malaien von Sarawak während des Ramadan oder mohammedanischen Festmonats nicht gegen sie fechten würden. Viele von den Flüchtlingen retteten sich in die tiefen Dschengeln, wurden aber dahin von den mit unS verbündeten Eingebornen verfolgt. Vom I. bis zum 18. August wurde die Säuberung der Küste und der einmündenden Flüsse fortgesetzt, noch mehrere Schiffe der Piraten, sowie verschiedene Ansiedelungen derselben, na­mentlich Paku, welches Kapitän Keppel schon früher, im Jahre 1843, nicdergebrannt, zerstört, Gefangene und Geißeln einge- bracht. Der Kutter der Nemesis bestand noch ein eigenes hitziges Gefecht, in welchem ein englischer Seemann gctödtet und zwei verwundet wurden. Unter den im Kanawil-Fluß Gefangenen war ein Kind von ganz weißer Haut und blonden Haaren, woraus man schloß, daß cs von europäischer Abkunft sey. Es wurde der Gattin des in Sarawak wohnenden wackern Missionars M'Dougall zur Erziehung übergeben.

Deutschland.

Frankfurt, 23. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) Der Schienenweg der Main-Weser-Eisenbahn von hier biö Friedberg ist vollendet. Heute um 11 Uhr Vormittags ist die Probefahrt auf dieser ganzen Stücke. Sobald die Bahnwächter- und SlationShäuser, sowie andere Nebensachen vollendet sind, wird diese Strecke dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Zur Anfertigung der Fahrbillete für diese Eisenbahn, deren für die ganze Ausdeh­nung derselben von Kassel bis hierher an 2000 verschiedene