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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

«^ 299, Dienstag -en IS. Dezember 1849.

, Bestellungen auf das mit dem 1. Januar neu beginnende Quartal derNassauifchon Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition von vornherein in den Stand gesetzt ist,'vollständige Exemplare zu liefern.

Das Blatt wird nach wie vor seiner bekannten konstitutionellen Tendenz treu bleiben. Die bevorstehenden wichtigen Verhandlungen des Assisenhofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Aus­führlichkeit mitgetheilt werden.

Durch denamtlichen Theil" der Zeitung kommen die Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.

Da sich dieNassauische Allgemeine Zeitung" einer stets im Steigen begriffenen ausgedehnten Verbreitung erfreut, so erscheint sie zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art ganz besonders geeignet.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme deS Sonntags. Der vierteljährige Prânunie- rationSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzoathumS und KurfürgenthnmS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. Kl fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelle,!-- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Preußen oder Oesterreich?

Deutschland. Vom Rhein (Die Besserstellung der Schullehrer). Bruchsal (Ruhestörungen). Aus Mecklenburg (Das Fürsten­thum Ratzeburg). Berlin (Abstimmungen). Wien (Minister­wechselgerücht. Ostdeutsche Post und Presse. Hinrichtung in effigie.) Brünn (Der Spielberg).

Schweiz. (Die in Rastatt gefangenen Schweizer).

Frankreich. Paris (Die Getränkstcuer).

Großbritannien. London (Briinncl f).

Ungarn. Pesth (Nyar» und mehrere andere Verhaftete freigelaffen).

* Preußen oder Oesterreich?

I.

Bon der Emsbach, 16. Dez. Wenn wir einem Korre­spondenten derFreien Zeitung" Nro. 297, 14. Dez., § Von der Lahn, hier Etwas entgegnen, so geschieht es nicht gehäs­siger Insinuation oder eitlen Phrasenwechsels wegen, sondern um Thatsachen gegen Thatsachen, Gründe gegen Gründe zu setzen, zu einer Zeit, wo die obige Frage zum Schiboleth der Parteien auch im Nassauischen Lande sich gestalten will, und wo Verständigung der Verständigen zuerst erzielt werben muß, wenn Irrthümer der Unverständigen verhütet und die Leicht­gläubigkeit der Massen nicht wieder aufgeregt werden soll, zu neuen, man darf keck sagen ungesetzlichen Bewegungen, Alles mit größerem oder geringerem Scheine von Gesinnungstreue und sogar von Gewissenhaftigkeit. Die Partei der sogenannten Demokraten, welche noch keine klare Definition ihres Wesens und ihrer eigentlichen letzten Zweckeohne Phrase" (nach dem bekannten französischen Worte: la mort sans phrasel) gegeben hat, um sich mit ihr darüber zurecht setzen zu können, und aus bloßen, oft hohlen und überschwenglichen Bildern herauszu­treten zu einem konkreten, wirklichen, greifbaren und sagbaren Begriffe, hat die FrageWählen oder Nichtwählen?" für den bevorstehenden Tag zu Erfurt bereits entschieden verneint.

Abgesehen von derRevolution," welches Wort bei ihr wiederholt und mit dem schärfsten Akzente betont wird, und von derFreiheit," welche bei ihr nach den verschiedensten Richtungen und in ganz verschiedener Ausdehnung erstrebt wird, als von inkommensurablen Größen in der demokratischen höheren politischen Arithmetik, deren eigentliche Bedeutung zu erfassen Anderen bisher bei aller redlicher Bemühung noch nicht zweifellos gelingen wollte, bleibt'doch hoffentlich dieEinheit" Deutschlands Etwas, was geringeren Zweifeln der Auslegung nach allen Seiten hin unterliegt, was allen Parteien zu gemein­samer leichter Verständigung sich darbietet, was alle wahre Vaterlandsfreunde unter gleichfarbigem Paniere ohne bedenk­liche Zögerung versammeln kann. Es müßten denn die Demo­kraten selbst bei dieserEinheit" Deutschlands wieder irgend einen versteckten Hintergedanken haben, welchen die Geradheit der von ihnen geschmäheten, und im Voraus verurtheilten Konstitutionellen nicht theilen kann.

In dem genannten Korrespondenten glauben wir einen Freund Oesterreichs erkannt zu haben, welcher lange vor dem März 1848 dafür schwärmte, prosaisch und poetisch, fast wie für das Land seiner Geburt; aber es war eigentlich doch nur das Land seiner Liebe.

Zu jener Zeit konnte man den Enthusiasmus seiner Hoff­nungen und Wünsche nicht mißbilligen; denn welcher wahre Deutsche möchte nicht jetzt noch Oesterreich groß und mächtig, nicht reich an Ruhm und Glück, nicht mit deutschem Sinne und Schwerte an Deutschland'S Spitze wünschen? Unsere Blätter haben auch zu verschiedenen Zeiten ausführlich nach, zuweisen sich bemühet, daß Oesterreich deutsch war und ist und bleiben wird und muß, so lange eS überhaupt als Oesterreich eristiren will und kann.

Wir haben alle die Namen des österreichischen Regenten- jauseS, welche der Korrespondent ehedem feierte, in unseren Blättern mit gebührender Verehrung stets genannt und her- vorgehoben; wir haben sogar die alten und vielfachen Bande des Vertrauens und der Verwandtschaft, welche zwischen dem Fürstenhause Nassau und dem Kaiserhause bis auf die neueste Zeit bestanden, erwähnt und geachtet. Wir haben nie ver, gessen, daß Erzherzog Karl seine bis an den Tod von ihm in# nigftgcliebte Lebensgefährtin aus Nassau wählte; wir werden eben so wenig vergessen, daß Erzherzog Steph an, der jetzt auf