Lie deutsche Nation stolz seyn kann, und für dessen unoerfüm« werte Erhaltung wir kein Opfer scheuen sollten, sehr bald in Ler öffentlichen Meinung fallen, ja für die Zukunft vielleicht unmöglich gemacht sehen.
Diese wohlbegründete Besorgniß macht es uns zur Pflicht, den Gegenstand in Erwägung zu ziehen, ihn zur öffentlichen Besprechung zu bringen und namentlich die Meinung des Publikums darüber aufzuklären. Der Verfasser dieses Artikels hält es daher für sehr erwünscht — und er glaubt, die Redaktion wird mit ihm einverstanden seyn — daß in diesen Blättern nicht nur die Anfichten über die Mißstände des gegenwärtig geltenden Wahlverfahrens ausgetauscht, sondern auch Vorschläge zu einem besseren WahlmoduS der Geschwornen ausgestellt werden. Wenn dann die Zeit kommt, wo es möglich ist, die Uebelstände zu heben, dann wird die öffentliche Meinung vorbereitet und das allgemeine Urtheil geläuterter seyn.
Deutschland.
* Wiesbaden, 15. Dez. Sonntag den 16. d. M. findet 'dahier eine große Wahlversammlung statt, wozu Mäliner der konstitutionellen Partei aus dem ganzen Lande eingeladen sind. Man beabsichtigt dadurch eine Einigung der Konstitutionellen über die vier auS unserem Lande nach Erfurt zu sendenden Männer zu erzielen und überhaupt die ganze Wahlangelegen- Heit mit größerer Thatkraft in die Hand zu nehmen, als eS in früheren Fällen geschah.
□ Wiesbaden, 14. Dez. Nach §. 1 unseres Gesetzes über die Wahlen zum Volkshause müssen die Wähler, wenn es verlangt werden sollte, nachweisen, daß sie mit Zahlung ihrer Staatssteuern nicht im Rückstand sind. In einem Artikel aus dem Amte Eltville, in Nr. 295 dieser Zeitung, wird im Hinblick auf die Steuerrückstände in Zweifel gezogen, ob viele Personen, namentlich im Rheingau, zum Reichstag wählen könnten. Zur Beruhigung dieses Korrespondenten können wir mittheilen, daß die Staatssteuern in fast allen Theilen des HerzogthumS regelmäßig, ohne bedeutende Rück- ssände, eingehen. Bei der weinbautreibenden Bevölkerung des Rheingaus ist dieses weniger möglich, wie es sich bei dem geringen Absatz der ältern Weine und der schlechten diesjährigen Weinkreszenz nicht anders erwarten läßt. Wie kann Jemand zahlen, der nichts einnimmt? Deßhalb wird cs dort auch keiner Behörde einfallen, von ihrem Rechte, den Wähler zur Nachweise der Bezahlung seiner Staatssteuern aufzufor- -ern, Gebrauch zu machen. Die Wählerlisten werden, wie sich von selbst versteht, ohne Rücksicht auf Staatssteuerrückstände, vollständig ausgestellt.
A Hadamar, 11. Dez. j Gestern wurden zu Geschwornen für Vas Justizamt Hadamar erwählt:
Johannes Hofmann von Ahlbach, Joseph Siebert von Hadamar, I. C. Siebert von Hadamar, Jakob Diefenbach von Hadamar, Johann Schlitt von Hadamar, Karl Feuser von Hadamar, Bürgermeister Eisenmenger von Niederzeuzheim, Bürgermeister Ruckes von Fussingen, Bürgermeister Reitz von Hintermeilingen, Bürgermeister H eer von Steinbach, Bürgermeister Müller von Niederhadamar, gewes. Schultheis Stippler von Niedertiefenbach, Georg Bausch von Oberzeuzheim, Anton Eisel von Mühlbach, Anton Heer von Langendernbach, Wilhelm Storz von Haufen, Feldgerichtsschöffe RuckeS von Lahr.
Y Weilburg, 11. Dez. Die in der Untersuchung gegen mehrere Glieder ver Familie Wimpf wegen StraßenunfugS und Mißhandlung preußischer Militärpersonen eingereichte BertheidigungSschrift soll dem allgemeinen Vernehmen nach unter Anderem auch die.Behauptung enthalten, daß die von hieraus an den General von Schack abgesandte Adresse von Unwahrheiten strotze, und ganz geeignet gewesen sey, diesen zu veranlassen, prerrfsische Soldaten nach Weilburg marschiren zu lassen, um daselbst die traurigen Szenen von Hamburg zu wiederholen. —
Dieselbe soll, wie man sich erzählt, ferner die Angaben enthalten, daß die preußischen Militärbehörden mit mehr oder weniger (also doch mit) Erfolg versucht hätten, sich in den Gang der Untersuchung einzumischen, sowie, daß die Regierung durch Rücksichten auf den übermächtigen preußischen
Staat sich veranlaßt gefunden habe, gegen den Kreisamts Sekretär Appel vorzuschreiben, und denselben gestraft ha^ weil er nicht genug Energie gegen die Bürger bewiesen hätte bei
Die Wahrung ihrer Ehre gegen solche Verdächtigungei wollen wir den angegriffenen Gerichts- und Verwaltungsbehèr- den überlassen, und nur hinsichtlich der erwähnten Adresse st, unsere Mitbürger das Wort ergreifen.
Wenn der Verfasser der Verlheidigungsschrift, oder bet jenige, der das Material dazu angegeben hat, diese Adreß gelesen hätte, so würden schwerlich solche Behauptungen in die äU1 selbe gekommen seyn ; derselbe würde dann wissen, daß in diese $y Adresse keinerlei Erzählung des fraglichen Vorfalls oder andere su Hergänge enthalten ist, daß also schon deßhalb keine Unwahr px, Herten in derselben stehen können. Dieselbe enthält nichts, al! hx eine Verwahrung der Adressezeichner gegen jede Verwechsln«, mit denjenigen, welche sich an fragliche Gassenskandale auf h ritterliche Weise beteiligt haben, und eine Versicherung, bnf die große Mehrheit der Bewohner Weilburgs von Unwill« über den ihrer Stadt hierdurch zugefügten Schimpf durch h, drungen sey.
Ob dies Provokationen an den genannten General finb A preußische Truppen nach Weilburg marschiren zu lassen, stell« wir getrost dem Urtheile des gesunden Menschenverstandes « heim, und bemerken nur noch, daß die Adressenzeichner bisht W in der Meinung standen, daß ihrem Schritte von ihren Gez § nern, welche jedoch in hiesiger Stadt weder an Zahl noch Bi $ demütig stark sind, gerade das Gegentheil von der in jene rc Verteidigungsschrift ihnen untergeschobenen Tendenz, nämlil § Furcht vor dem durch jene Straßen«Erzesse veranlaßten Ei« I Marsche preußischer Truppen und Abwendung der dadurch st sie erwachsenden Uebel, als Zweck unterlegt werde. D
Uud allerdings glauben wir eS abermals dem Urtheile be gesunden Menschenverstandes anheim geben zu können, welch 5 von den beiden Thatsachen: die thätliche Mißhandlun preußischen Militärs auf öffentlicher Straß oder die Verwahrung der Mehrzahl der Hiesigei $ Bürger gegen jede G esinnung sg e meinschaft mi g den Theilnehmern an diesem Skandal — wohl di si geeignetste gewesen wäre, eine Besatzung der Stadt durch PM si ßische Truppen zu veranlassen, und wem dann die Stabt di „ daraus sich ergebenden Uebel zu verdanken gehabt hätte! 1
Düsseldorf, 12. Dezember, Abends. (Köln. Z.) So eb« verbreitet sich die Nachricht, die aus sicherer Quelle kommt, M der Prinz von Preußen morgen Abend von Berlin hier eil treffen wird.
Luxemburg, 11. Dezbr. (Köln. Ztg.) Der Gouverneu unserer Bunbesfestung, Prinz Friedrich von Preußen, befind! ■ sich schon seit einiger Zeit hier und ist bei seiner bekannt! Freundlichkeit ein gern gesehener Gast. Vorgestern war er W Kammer-Präsidenten Ch. Melz zu einem Souper eingelabti bei dem zugleich alle Deputirten anwesend waren. Aufgefallt ist es, daß der Prinz nebst seiner ganzen Umgebung sich ne auf Franz ösisch unterhielt. Den Franzosen ist eS wahre« ihrer langen Herrschaft leider gelungen, unserm durchaus den schen Großherzogthume ein französisches Kleid überzuzieh« Aber daß diesem falschen Scheine von solcher Seite Dorsch« geleistet wird, muß mit Recht auffallen.
Leipzig, 12. Dezbr. Ein Theil der hiesigen Studentei schaft beabsichtigt den bekannten Philosophen Ludwig Feue bach zu ersuchen, im nächsten Halbjahre Vorlesungen ub sein System hier zu halten; das Honorar soll durch Su skription gedeckt werden. In Heidelberg ist der gleiche En schluß dortiger Studenten im vorigen Jahre zur Ausfuhrur gekommen.
Berlin, 12. Dez. Jacoby's Freisprechung find hier nur ein untergeordnetes Interesse, hauptsächlich weil di selbe vorher bereits als ausgemacht galt. Wenigstens ha> man das Gewicht wohl gewürdigt, welches sein und sein Anhänger Einfluß, sowie die Wirksamkeit seiner, wenn an nicht rednerischen Darstellung zu Gunsten der Vertheidig»! in die Schale legen würde. Sein Hauptargument indeß , « unumschränkte Autorität desRumpfparlame»! für ganz Deutschland und daraus seine Berechtigung, Pre« sen mit Waffengewalt zu bedrohen und in Deutschlands Bürgerkrieg zu entzünden, wird keinen Unparteiischen uv zeugen.