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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 287 Samstag den 15* Dezember 18L8

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Der Trinkspruch des Präsidenten Bonaparte.

Der Prozeß Jakoby's.

Deutschland. Wiesbaden (Die Polizei. Die Demokraten und das Erfurter Kränzchen"). Vom Scharfenstein (Der alte Jtzstein). Kassel (Landtag). Rastatt (Die Gefangenen). Berlin (Gegenseitige Demonstrationen). Schlesw ig (Das Wrack des Chri­stian VIII.). Wien (Die Suspendirung derPresse". Der Kaiser und seine (Umgebung. Der Nachlaß des Kaisers Franz. Brand). Prag (Krieg oder Frieden).

Großbritannien. London (Vermischtes).

Schweden. Upsala (Ein Besuch am Grabe Gustav Wasa's).

Griechenland. Athen (Englische Note).

Der Trinkspruch des Präsidenten Bonaparte.

Die Worte, welche L. Bonckparte bei dem Bankett am 10. Dezember auf die Anrede deö Präfekten Berger erwiderte, lauten:

Meine Herren! Ich danke dem Gemeindekörper, dafür, daß er mich auf das Stadthaus eingelaven und ebenfalls heute zahlreiche Unterstützungen an die Nothleidenden hat ver- theilen lassen. Das Unglück lindern, war in meinen Augen die beste Weise, den 10. Dezember zu feiern. Ich will hier nicht aufzählen, was wir seit einem Jahre gethan haben; aber die einzige Sache, worauf ich stolz bin, ist, daß ich, Dank den Männern, die mich umgaben und noch jetzt umgeben, die Ge­setzlichkeit unversehrt und die Ruhe ohne Kollision aufrecht er­halten habe. DaS Jahr, welches beginnt, wird, ich hoffe es, noch fruchtbarer an glücklichen Ergebnissen seyn, zumal wenn, wie der Herr Scineprâfckt gesagt hat, alle großen Gewalten innig vereint bleiben. Ich nenne große Gewalten jene, die vom Volke gewählt sind, die Versammlung und den Präsi, deuten. Ja, ich setze Glauben in ihre fruchtbare Eintracht; wir werden vorwärts schreiten, statt stehen zu bleiben: denn waS selbst dem geringsten Sterblichen eine unwiderstehliche Gewalt gibt, daS ist, vor sich ein großes Ziel zu erreichen und hinter sich eine große Sache zu vertheidigen zu haben. Für unö ist diese Sache die der gestimmten Zivilisation. Es ist die Sache der weisen und heiligen Freiheit, die alle Tage mehr durch die sie entweihenden Erzesse bedroht ist. ES ist die Sache der arbeitenden Klassen, deren Wohlergehen unaufhörlich von jenen unsinnigen Theoricen bedroht wird, welche durch die Aufregung der rohesten Leidenschaften und der gerechtesten Be­fürchtungen fast den Gedanken an jede Verbesserung verhaßt machen. Es ist die Sache der repräsentativen Regierung, die ihren heilsamen Glanz verliert durch die Bitterkeit der Sprache und die Langsamkeit in der Annahme selbst der nützlichsten Maßregeln. Es ist die Sache der Größe und Unabhängigkeit Frankreichs; denn wenn die Ideen, welche gegen uns kämpfen, siegen könnten, so würden sie un­sere Finanzen, unsere Armee, unseren Kredit, kurz, Alles zer­

stören, indem sie uns zwingen würden, ganz Europa den Krieg zu erklären. Auch gab cs niemals eine gerechtere, pa­triotischere, heiligere Sache, als die unsrige. Was das zu erreichende Ziel betrifft, so ist dasselbe ganz eben so edel, als die zu vertheidigende Sache. Es ist nicht die dürftige Kopie irgend welcher Vergangenheit!, die wieder aufzufrischen wäre, eS handelt sich darum, alle Leute von Herz und Verstand, einzuladen, etwas Größeres als eine Verfassung, etwas Dauer­hafteres als eine Dynastie, zu befestigen, nämlich: die ewigen Prinzipien der Religion und der Moral zugleich mit den neuen Regeln einer gesunven Politik. Die so verständige Stadt Paris, die sich der revolutionären Bewegungen bloß erinnern will, um sie zu beschwichtigen , wird einen RegierungSgang begreifen, der, auf dem von der Konstitution gezogenen engen Pfade bleibend, einen weiten Horizont von Hoffnung und Zu­kunft inS Auge zu fassen gestattet. Man hat oft gesagt, so oft man von Ehre spreche, findet man ein Echo in Frankreich. Hoffen wir, daß, wenn man von Vernunft spricht, sich ein gleicher Wiederhall in den Herzen von Männern treffen wird, die vor Allem ihrem Lande ergeben sind! Ich schlage einen Toast auf die Stadt Paris und auf ihren Gemeindekörper vor.

Lauter Beifall erscholl am Schluffe der Rede L. Napoleon's.

Der Prozeß Jakoby's.

Königsberg, 8. Dez. Die Königsberger Zeitung bringt ausführliche Mittheilungen über den Prozeß Jacoby, denen wir Nachstehendes entnehmen. Nachdem das Schwur­gericht konstituirt war, macht der Präsident die Geschworenen darauf aufmerksam, daß die Höhe der Strafe sie nicht abhalten könne, anders als nach ihrem Gewissen und nach der aus der Verhandlung erlangten Einsicht ihren Spruch zu fällen. Heute sollten sie über das schwerste politische Verbrechen urtheilen, die Anklage gehe auf Hochverrath , die Strafe sey die härteste und schreckhafteste LeibeS- und LebcnSstrafe. Darauf bekräftig­ten die Geschworenen ven ihnen von dem Präsidenten vorge­lesenen Eid:Wir schwören vor Gott und ven Menschen, in der Anklagesache gegen den Dr. Johann Jacoby unS den Pflichten unsers Berufs als Geschworene mit Gewiffenhaftig, feit, Festigkeit und Treue zu widmen und unparteiisch, Nie­mandem zu Liebe und Niemandem zu Leide, einen gewissen­haften Spruch zu fällen zwischen dem Angeklagten und dem Gesetz, dem wir Geltung verschaffen sollen", durch die Worte: Ich schwöre eS, so war mir Gott helfe!" Hieran schloß sich die Verlesung der etwa 15 Bogen starken Anklageschrift. Es heißt darin: In den ersten Tagen deS Monats Juni d. J. tagten 106 Mitglieder, die zu der aufgelösten Nationalver­sammlung in Frankfurt a. M. gehört hatten, in Stuttgart, nannten sichDeutsche ReickSvcrsammlung", beschlossen die Absetzung der provisorischen Zentralgewalt, stellten sich an die Spitze von Deutschland, wählten fünf Personen an Stelle der Zentralgewalt, und beschlossen eine neue Reichsverfassung in ganz Deutschland einzuführen, selbst mit Gewalt. Dr. Jacoby