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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 297, Samstag -en 13, Dezember 18LN

Bestellungen auf das mit dem 1. Januar neu beginnende Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition von vornherein in den Stand gesetzt ist, vollständige Exemplare zu liefern.

Das Blatt wird nach wie vor seiner bekannten konstitutionellen Tendenz treu bleiben. Die bevorstehenden wichtigen Verhandlungen des Assisenhofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Aus­führlichkeit mitgetheilt werden.

Durch denamtlichen Theil" der Zeitung kommen die Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.

Da sich dieNassauische Allgemeine Zeitung" einer stets im Steigen begriffenen ausgedehnten Verbreitung erfreut, so erscheint sie zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art ganz besonders geeignet.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume, ratiouspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Periode der politischen Prozesse.

Deutschland. Mainz (Die Demokraten und der Karneval). Frank- fu r t (Die neue Verfassung. Adresse an den Erzherzog-Reichsverweser). Aachen (Der Schmuggelbandel). Baden (Die Ersatzkosten für den RevolutionSschaden). K assel (Das Wahlgesetz zum Reichstage). Stuttgart (Erklärung der Minister). Bernburg (Ein Staatsstreich"). Von der preußischen Weser (Hr. v. Vinke). Berlin (Die Kreuzzeitung). Königsberg (Jakoby's Prozeß).

Frankreich. Straßburg (Skandal in einer Asfisensitzung). Paris (Vermischtes).

Italien. Venedig (Demonstration).

Großbritannien. London (Die Unruhen in der Kapstadt. Die Uui= versttät Orford).

* Die Periode der politischen Prozesse.

Wie die Zeitungen vor Jahresfristmit nichts als Erzäh­lungen von Krawallen angefüllt waren, dann später mit Be­richten von Heereszügen und kriegsrechtlichen Prozeduren, wo­rauf im Herbste dieses Jahres die unvermeidlichen Cholera- Artikel folgten, so stolpert man jetzt förmlich über lauter poli­tische Prozesse, die vor den Assisenhöfen ausgefochten werden. Es gehören jetzt eher Juristen als Politiker dazu, um Zeitun­gen zu schreiben und zu lesen, und wenn man sich vor dem März bitter darüber beschwerte, daß die Politik nächst den Di­plomaten vorzugsweise den Juristen in den Händen gelegen habe, dann stehen wir jetzt wieder auf demselben Punkte.

Es ist eine natürliche Erscheinung, daß die beiden großen politischen Parteien, nachdem sie vorher in Volksversammlun­gen und Parlamenten, in Aufständen und auf dem Schlacht­felde sich gemessen, zuletzt an die Entscheidungen des Rechtes appelliren; aber es liegt auch eine große Demüthigung darin, daß die so stolz begonnene Revolution zuletzt in eine Legion von RechtShändel ausläuft, deren Ende man in der Regel schon vor ihrem Beginn mit Sicherheit prophezeien kann.

Wer aber meint, daß diese Prozesse etwa eine politische Rolle spielen würden, wie etwa die großen Korruptionsprozesse vor der letzten Revolution in Frankreich, der irrt sich gewaltig,

denn jene standen vor den Pforten einer wild aufgeregten Zeit, da in diesen die Aufregung doch nur zu dem letzten Mittel greift, um eine Ausgleichung herbeizuführen. Daher ist der Ausgang dieser RechtShändel im Großen und Ganzen genom­men für den Politiker ziemlich gleichgültig. Wir sahen es ja schon bei. dem bedeutendsten desselben, dem Prozesse Waldeck's, wie geringfügig ihr eigentliches politisches Resultat war. DaS Partei-Bewußtseyn als solches will eine Satisfaktion und diese wird ihm, indem es vor dem eigenen Richterstuhle, vor dem achten Forum donicilii, nämlich von dem Partei-Bewußtseyn selbst sein Urtheil empfängt. Die entgegengesetzte Partei wird darin im, mer eine, wenn auch ohne Absicht untergelausene, Ungerechtigkeit finden, aber insofern ihr daraus kein Schaden erwächst, daß dem Gegner die harmlose Genugthuung einer Freisprechung zu Theil wird, werden sich beide Parteien bald über diese letzte Phase der Aufregung zur Ruhe geben. Mir sehen darin einen Segen des öffentlichen Gerichtsverfahrens mit Geschwornen, daß sol, chergestalt nicht zwar immer das strenge Recht zur Geltung kommt und wer vermißt sich zu sagen, wo in einem poli­tischen Prozesse das strenge Recht liege? wohl aber die Versöhnung der Parteien angebahnt wird. Wären die nämlichen Prozesse vor den geheimen Gerichten von gelehr­ten Richtern entschieden worden, und hätten dieselben wirklich Salomonis Weisheit besessen, daß sie dem objektiven Recht bis auf's letzte Titelchen Genüge geleistet, so würde dadurch keine Versöhnung angebahnt, sondern die Erbitterung der Parteien klaffender als zuvor aufgerissen worden seyn. Einer Partei aber, die durch die laute Sprache der Thatsachen so tief gedemüthigt worden ist, als die demokratische, sollte man die Beruhigung eines entschuldigenden Richterspruches vor dem Forum des Parteibewußtscyns wohl gönnen.

Deutschland.

Mainz, 11. Dez. Unsere ebenso liebenswürdige als be­scheidene Demokratie hat nun auch dem Karneval den Garaus gemacht! Am lctztverflossencn Freitag fand sich eine Handvoll Demokraten zu einer angeblichen Generalversammlung des Kar­nevalvereins zusammen und faßte da auf eigene Faust den Beschluß, sämmtliches Eigenthum des Vereins zu versteigern