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folgt. Johann Heinrich Bernhard Drâseke war zu Braun, schweig im Jahre 1774 geboren, und ist nach der Reihe prote, stantischer Pfarrer zu Mölln und zu Ratzeburg im Lauenbur- gischen, dann in Bremen, endlich seit 1832 evangelischer Bischof von Magdeburg gewesen. Letztere Stelle wollte er, in Folge einer langen Reihe von literarischen Angriffen auf seine Wirk­samkeit, schon im Jahre 1840 niederlegen , noch ehe ihn die Leiden des Alters dazu nöthigten. Der König schlug damals sein Ruhegesuch in den ehrendsten Ausdrücken ab. Er war ein Geistlicher von voller Gläubigkeit und mächtiger Gewalt des Vortrags. Seine Predigten gehören zu den besten Leistungen dieses reichhaltigen Faches deutscher Literatur. Daß aber sein Herz über dem Christenthum das Vaterland nicht vergaß, daß er durch seine Kanzrlberedtsamkeit nicht blos den Glauben zu stärken, sondern auch den patriotischen Willen zur That zu entflammen vermochte, davon legt noch heute eine Sammlung seiner Predigten:Deutschlands Wiedergeburt, gekündigt durch eine Reihe evangelischer Reden" (1814) das gütigste Zeugniß ab. Sein Ende war leidenvoll und durch lange Krankheit schmerzlich vorbereitet.

Nach einer telegraphischen Depesche der Düsseldorfer Zeitung vom 10. Dez. AbendS aus Berlin ist auch der Prozeß gegen Johann Jacoby in Königsberg mit ,einer Freisprechung zu Ende gegangen. Den Nachrichten auf gewöhnlichem Wege zu­folge sollte bekanntlich die Verhandlung über seine Anklage am 8, beginnen.

Berlin, 11. Dezbr. (Köln. Z.) Es steht nun definitiv fest, daß Herr v. R a d o w i tz am 14. Dezbr. nach Frankfurt abreist.

Der Verwaltuzgsrath hat in seiner am Abend des 7. ge­haltenen Sitzung beschlossen, sich vom 18. d. Mts. bis zum 4. Januar 1850 zu vertagen, und alsdann nach dem Wieder­beginne seiner Sitzungen sich zunächst mit der definitiven Fest­stellung des Geschäftsreglements für den Erfurter Reichstag zu befassen/

Königsberg, 7. Dezbr. (K. Ztg.) Heute stand der Re­dakteur derDorfzeitung für Preußen", welche in den letzten 14 Tagen deimal konfiszirt worden ist, der Rechts -Kandidat R. Schmeichel, vor den Schranken des Schwurgerichts. Der­selbe war angeklagt , in einem Artikel, in welchem die Feier, lichkeiten deS 15. Oktober c besprochen werden, wörtlich gesagt zu haben:Der Glanzpunkt.des TageS war jedenfalls die Musterung bet Vandalen deS 19. Jahrhunderts, die Parade unseres herrlichen KriegSheereS"". Der kommandirende Ge­neral, Graf v. Dohna , ist deßhalb für sich und die hiesige Garnison klagbar geworden. Die Geschwornen sprachen mit 7 gegen 5 Stimmen dasSchuldig" auS; der Gerichtshof trat diesem Auöspruche ,bei und verurtheilte den Angeklagten zu achttägigem Gefängniß.

Bon der Elbe, 6. Dez. (C. Bl. a. Böhm.) An der böhmischen Grenze bei Annaberg hat sich eine Räuberbande organisirt, auf die von der sächsischen Gendamerie fleißig gefahndet wird; diese Bande soll sich auS Böhmen dahin ge- zogen haben.

Lübeck, 7. Dez. Es ist jetzt nicht mehr zu bezweifeln, daß die Lübeck,Büchener Eisenbahn eine Wahrheit­werde, nachdem sie lange auf dem Papiere gespukt hat; sie wird 1851 eristiren und zu gleicher Zeit unser Strom durch energische, wenn auch sehr kostspielige Arbeiten soweit korrigirt, auSgetieft und durchstochen seyn, daß alle Segel- wie Dampf, schiffe unbehindert sofort an die Stadt werden gelangen können. Nach dem langen Kampfe mit der Ungunst der Verhältnisse geht Lübeck einer besseren Zukunft entgegen, und alle Anfein, düngen und Versuche der Nachbaren, die alte Hansa zu ver­öden, haben ihr Ziel verfehlt. Lübeck bereitet sich vor, eine würdige Vermittlerin der deutschen Industrie nach dem Norden zu werden, sowie mit Erfolg den Platz zu behaupten, den es als Stapelplatz der Produkte des Nordens für daö deutsche Reich von Alters her innegehabt hat. Möge es ihr begönnt werden!

Wien, 8. Dez. Die Entfernung Prags von Wien beginnt inS Fabelhafte überzuspielen. Tagelang bleiben wir ohne Zei­tungen, ohne Briefe aus der zweiten Stadt der Monarchie ; tagelang werden wahrscheinlich ebenso von ihr Nachrichten aus

der Residenz vermißt. Ein Miniatursibirien Hat^sich auf dem Marchfelde zwischen die beiden Städte gelagert. Die Schilde­rungen, die unS Ankömmlinge von diesem Schneebelagerungs­zustande geben, grenzen ans Ueberschwengliche. Soweit das Auge reicht, erblickt es nichts als eine tabula rasa von Schnee, eine charta Bianca, aus der nur hier und da daS Kreuz^eineszKirchthurmS, ein paar weiße Baumzweige hervor- lugcn, oder ein bischen blauer Rauch in den grauen Tag hin- einwirbelt. Der Sturm weht unaufhaltsam und ununter­brochen, und wie der Samum in der Wüste den Sand, so jagt er in unabsehbaren und dichten Wolken den schneidend weißen Schneestaub vor sich her, Straße und Bahn verschüt­tend, so daß Die erstere gar nicht zu finden ist, die Richtung der letzteren nur nach den Spitzen der Telegraphenstangen ent­deckt werden kann. Zwischen Gänserndorf und Wagram ist es, wie heute die Direktion der Norvbahn bekannt gibt, trotz allem Kraftaufwande nicht möglich, die Bahn fahrbar zu machen. Weder Maschinen noch Menschenhände können sich durcharbeiten, und gelingt es, eine Strecke zu entschneeu, so verweht sie gewiß der Sturm der nächsten Stunde. Mühsam verkehren zwischen Wien und Wagram einige Schlitten. Sie fahren jedoch, den StephanSihurm im Auge, geradezu über die flachen Felder hin, da die Straße, wie gesagt, nicht zu finden ist. ES ist ein Jammer, wenn man diese Schlitten am Tabor ankommen sieht. Sie sind mit sammt den Reisenden über und über mit Schnee bedeckt und belegt, als hätten sie sich durch ganze Schneeschluchten durchwühlen müssen. Die Pferde leiden unsäglich, die Menschen auch, und die Fuhrleute verweigern sogar schon den Dienst. Es ist, wenn nicht Thau­wetter kommt, wenig Hoffnung aus Besserung für die nächsten Tage. (C. Bl. a. Böhm.)

Wien, 8. Dez. (D. Z.) Fast die einzigen Nachrichten von einigem Belang kommen abermals als Ungarn. Das Kriegs­gericht in Arad hat neuerdings acht ehemalige Offiziere, welche später im Heere der Insurgenten gedient, zum Tode durch den Strang verurtheilt, die Todesstrafe ist aber auch diesmal, nach der konstant gewordenen Praxis, erlassen und bei sechs dersel­ben in 18jährigen FestungSarrest in Eisen, beiden beiden an­dern in 7jährigen Festungsarrest ohne Eisen ümgewanvëU-^ Auch in andern Verhältnissen wird fortwährend der einmal betretene Weg der Milde und Versöhnung eingekeilten, und erst eben veröffentlicht die Pesther Zeitung einen Erlaß des Armee, Oberkommandanten, welcher gegen alle frühere Zivil­beamte, einschließlich der Auditeurs, Feldkapläne, Rechnungs­führer und Aerzte, die der revolutionären Regierung vom 8. Okt. v. I., bis zum ersten Einmarsch der kaiserlichen Trup­pen am 5. Januar d. J. gedient, die Untersuchung nieder- schlägt und sie nur für ihr politisches Verhalten von dem letzt­genannten Tage an verantwortlich macht.

Sechs Abendblätter, darunter diePresse," welche aller­dings in neuerer Zeit sich mehr und mehr in scharfe Opposi­tion gegen die Regierung gesetzt hat, sind vom Militärgouver­nement so eben suspendirt und dürfen während deS Belage­rungszustandes, also voraussichtlich für eine sehr lange Zeit, nicht mehr erscheinen.

Frankreich.

Paris, 10. Dezbr. (K. Z.) Ist heute der 10. Dezember? so fragt sich alle Welt. Keine besondere Bewegung bemerkt man in den Straßrn, die Läden sind wie gewöhnlich geöffnet, die öffentlichen Beamten sind wie immer in Thätigkeit, Alles bewegt sich im gewohnten Geleise. Heute Morgen um 11 Uhr war das Minister- Conseil im Elvsee versammelt. Alle Mitglieder des Kabinets hatten sich eingefunden. Die Herren Leon Faucher und Buffet waren dorthin bestellt und waren längere Zeit im Conseil-Saale. Man gibt sich tausend Vcr- muthungen über diese Unterredung hin. So hat man unter Anderem gesagt, es ständen Aenderungen des Ministeriums in Aussicht. Glauben Sie ja nicht diesen Gerüchten. Die Wahr­heit ist, wie ich glaube, daß es sich nur von Ernennungen für die Diplomatie handelt.

PariS, 11. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Der gestrige Jahrestag der Erwählung des Präsidenten der Republik unterbliebsich in nichts von einem gewöhnlichen Wochentage, nur am Abend war Ball im Stadthause. Bei dem Gastmahl Dupins be-