Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 296» Freitag den 14L Dezember L8LS
, Bestellungen auf das mit dem 1. Januar neu beginnende Quartal der „dkafsauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition von vornherein in den Stand gesetzt ist,'vollständige Exemplare zu liefern.
Das Blatt wird nach wie vor feiner bekannten konstitutionellen Tendenz treu bleiben. Die bevorstehenden wichtigen Verhandlungen des Assifenhofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt werden.
Durch den „amtlichen Theil" der Zeitung kommen die Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.
Da sich die „Nassauische Allgemeine Zeitung" einer stets im Steigen begriffenen ausgedehnten Verbreitung erfreut, so erscheint sie zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art ganz besonders geeignet.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânume» rationSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt ® fl. , in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Nanin mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
Deutschland und Dänemark.
Deutschland. Frankfurt .(Sylvester Jordan). — Darmstadt (SchwurgerichtSverhandlungen). — Mannheim (Das Kriegsgericht). Oldenburg (Die Entlassung des StaatSministeriumS). — Berlin
(Der Abschluß der Verfassung. Das Interim. Graf Fürstenberg). — Landberg (Verurtheilung). — Schleswig (Ein dänischer Postmeister).
Schweiz. Bern (Die Flüchtlinge).
Sprechfaul für Stadt und Land.
Deutschland und Dänemark.
Unter dem Titel: „Blick in die Zukunft. Auszug aus dem Briefe eines Reisenden, von Philodan," ist in Kopenhagen eine Flugschrift erschienen, in welcher sich zwei Personen mit einander unterhalten. Der Eine vertritt die skandinavischen Pläne, der Andere, welcher auch daS letzte Wort behält, räth eine Befreundung Dänemarks Mit Deutschland an. Dieser Anhänger der deutschen Allianz meint, die Schweden und Norweger hätten sowohl 1848 als 1849 sehr wenig genützt, und ihre jetzige Besetzung Nordschleswigs sey eine kostbare Bruderhülfe. Was die deutsche Propaganda betreffe, so sey sie unvermeidlich; das größere Land mit der weit größeren Masse von Bildung müsse, auch ohne materielle Mittel oder Waffen, immer einen großen Einfluß auf das kleinere Land ausüben. Man brauche nur jedes Studirzimmer, jedes Lesekabinet in Dänemark zu besuchen, die Mehrzahl der Bücher werde deutsch seyn; Dänemark habe seine Bildung vom Süden durch Deutschland. Jeder deutsche Landmann oder Pächter, der sich in Nordschleswig oder Jütland niederlasse, übe unsichtbar deutschen Einfluß aus: wenn Deutschland, das doch wohl noch ein einiges werden könne, es auch sey, so enthalte eS ungemessene Kräfte, Kommunikationen nach allen Richtungen, Eisenbahnnetze, auf denen die Ideen sich durchkreuzten.
Schleswig-Holstein würde dabei verlieren, je mehr Dänemark sich an Deutschland anschlicße; politische Parteihäupter und Führer habe eS allerdings mehr als Dänemark, aber in Wissenschaft und Kunst könne eS sich nicht mit diesem vergleichen. Mit Schleswig-Holstein solle man sich nicht verbin
den, wohl aber mit Deutschland, dem Mittelpunkte Europa's, von welchem seit Jahrhunderten die Strahlen der Zivilisation religiös, künstlerisch und wissenschaftlich den Nebel ringsum durchbrochen hätten. Die Dänen trügen übrigens selbst manche Schuld, der Name Schleswig sey verschwunden gewesen, man habe es gewöhnlich nur das dänische Holstein genannt, und die Schleswiger selbst hätten niemals eine engere Verbindung mit Dänemark gewünscht. Die Deutschen hätten sich jetzt als Feinde gezeigt, aber die Schweden und Norwegen auch nicht als echte Freunde erprobt. Diese Feinde müsse man doch achten , da sie ihren vermeintlich bedrückten Brüdern so rasch zu Hülfe gekommen wären. Deutschland sey kein natürlicher Seestaat, aber es werde sich doch eine Flotte verschaffen, in einer Zeit, da die Kriegsdampfer aufkämen, und wenn Deutschland eine starke Flotte mit guten Häfen habe, werde eine skandinavische Neutralität für Dänemark ohne Werth seyn. Schweden könne in Krieg mit Rußland gerathen , und solle dann Dänemark ihm beistehen? Dann müßte Dänemark wegen Schwedens und wegen eines feindlichen Deutschlands Land- und Seemacht zugleich bleiben. Dänemark aber, verbündet mit Deutschland, sey auf einer Seite immer gesichert, könne sich ungestört zu einer bedeutenden Seemacht ausbilden und mit der deutschen Marine vereint in der Ostsee mächtig seyn. Deutschland dagegen gewönne die Unterstützung einer alten Marine und befreite sich von der Abhängigkeit, unter welcher jetzt Handel und Häfen litten. Der Dänenfreund (Philovan) fährt fort: der Kampf Dänemarks milden Herzogthümern werde weit leichter vermieden, wenn man sich mit Deutschland verbände, als durch eine Vereinigung mit dem übrigen Scandinavien. Holstein als deutsches Land werde mit holsteinischen Häfen und einem Kontingent zur holsteinischen Marine den Dänen die tüchtigsten Matrosen entziehen, und eine Blokade der deutschen Häfen werde dann weit schwieriger; eS sey demnach besser, sich mit Deutschland zu verbinden, und an die Spitze der deutschen Seemacht zu treten. Die Fiiedens-Präli- minarien seyen so undeutlich, daß, wenn man danach Frieden schließe, ein Krieg früher oder später wieder ausbrechen müße. Preußen werde unvermeidlich, namentlich in Norddeutschland, immer einflußreicher werden, und eine Allianz mit der Seemacht Dänemarks könne ihm nur nützen. Und zwar eine Offensiv- und Defensiv,Allianz Dänemarks mit Deutschland. Der dänische Staat müsse mit gleicher Erbfolge in seiner Gesammt-