Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^ 2NL Donnerstag den 13. Dezember 18419.
Bestellungen auf das mit dem 1. Januar neu beginnende Quartal der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition von vornherein in den Stand gesetzt ist,'vollständige Exemplare zu liefern.
Das Blatt wird nach wie vor seiner bekannten konstitutionellen Tendenz treu bleiben. Die bevorstehenden wichtigen Verhandlungen des Assisenh ofes und des Landtages werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt werden.
Durch den „amtlichen Theil" der Zeitung kommen die Kundmachungen der Regierung am ftühesten zur Kenntniß des Publikums.
Da sich die „Nassauische Allgemeine Zeitung" einer stets im Steigen begriffenen ansgedehnten Verbreitung erfreut, so erscheint sie zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art ganz besonders geeignet.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prämime- rativnspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthumâ und KurfürstenthuniS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Hvmburg und der freien Stadt Frankfurt S fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSfchen Verwaltungsgebietes S fl. 1O fr. __Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellender gstchen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Anv-UÈsrUrffege im Herzogthum Nassau.
Deutschland. D ärmster (Der— Pr^zââsrlitz). — Mannheim (Kriegsgericht). — Sigmaringen (Die Wahlen). — Bc^rti« (Der weitere Verfolg des Prozesses gegen Ohm. Das Bundesschiedsgericht und Mecklenburg-Strelitz). — Königsberg (Freisprechung). — Wien (Armeebefehl an die böhmischen Truppen). — Triest (Die österreichische Seemacht im Mittelmeer).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Großbritannien. London (Die Beisetzung der Königin Adelheid).
Amerika. Canada (Aufstand der Indianer in den Bergwerksbezirken).
*§* Zur Armenpflege im Herzogthum
Nassau.
II.
DaS Armenwesen der Stand eö h errschaft
S ch a u m b u r g.
(Fortsetzung.)
1)
2)
3)
4)
5)
Im Jahre 1827 wurde zwischen der Standesherrschaft Schaumburg und der herzoglich nassauischen Regierung dahier eine Vereinbarung getroffen, daß von dem surstl. Schaum- tz u ra'schen Land arme nfo nd S .. ,
- die gewöhnlichen Verpflegungskosten der Waisen, sowie die außerordentlichen Unterstützungen derselben, die Ausgaben für allgemeine Anstalten, die Kosten für Bekleidung armer Konfirmanden und sonstige Bedürfnisse, , die HeilungS- und Beerdigungskosten der Armen, , die unverzinslichen Vorschüsse für Solche, welche dergleichen zur Erhaltung ihres HauSwesenS unumgänglich nöthig haben, z. B. zur Anschaffung von Lehnkuhen, Hausreparaturen, welche polizeilich geboten find,
bestritten werden sollen. , .. . ,
6) Da alle übrigen Ausgaben, also namentlich die ordentlichen und außerordentlichen Unterstützungen und Vcrpflegun- gen der gewöhnlichen Armen den LokalarmenfondS obliegen,
so sollte in Ansehung des diesen Fonds wegen der ihnen ob, liegenden Ausgaben zn leistenden Zuschusses jedes Mal zuerst die Gemcindekaffe eintreten, und nur wo dieselbe das Defizit des vvrangegangcnen Jahres nicht decken könnte oder mehr als zwei Simpel Gemeindesteuer erforderlich wären, diese Deckung dem Schaumburger Lanvarmensonds zur Last fallen.
In Folge dieser Bestimmungen ist denn auch in den beiden letzten Jahrzehnten nicht blos den gewöhnlichen laufenden Bedürfnissen der Armen und Waisen genügt worden, sondern es geschehen auch ganz besondere namhafte Verwendungen, so für Augenleidende, welche nach Gießen unter die Pflege deS erfahrenen Balzer gebracht wurden, für Taub, stumme, welche ihre Unterweisung zu Camberg erhielten, Aus- bildung als Lithographen io. erhielten.
Die Anstalt der Lehnkühe gewann namhafte AuSdeh, nung, so daß zahlreiche HauSarme dem verderblichen Wucher entzogen wurden und sich unentgeltlich eigene Kühe erzielen konnten. Mit Liebe pflegte man die Beschäftigung der Armen durch Handarbeit und fügte zu der Anschaffung von Ge- spinnst in den letzten Jahren noch kleine Anfänge der Seiden, zücht mittelst zahlreicher Maulbeerpflanzungen. Insbesondere erwies sich die Bewilligung von unverzinslichen Vor, 'chüfsen, deren Rückzahlung zweckmäßig mit der Bergwerks- öhnung in Zusammenhang gesetzt und schonend überwacht wurde, als ein treffliches Mittel, einzelne Bedrängte den Nach- theilen namentlich des jüdischen Schachers zu entziehen, wobei reilich hier und da einzelne Verluste hingenommen werden nutzten. Eine fleißig benutzte Sparkasse trat hinzu und jalf insbesondere die dienende Klasse an Fleiß und Sparsamkeit gewöhnen. Die Zahl der Waisen war oft bedeutend, namentlich durch das frühzeitige Sterben der Bergleute; doch blieb cs seither immer noch möglich, allen gerechten Ansprüchen und dringenden Bedürfnissen zu genügen, und noch immerfort auch Waisen dritter und vierter Klasse zu berücksichtigen.
Gewiß erhellt schon aus diesen kurzen Andeutungen, wie reich die Unterstützungen für die Armen des Standesgebiets Schaumburg geflossen sind, selbst wenn die jährlichen Lp enden aus den mehrfachen fürstlichen Kassen an Einzelne hierbei gar nicht in Erwähnung gebracht werden. — Hat es nun zwar in der Aufregung deö Jahres 1848 auch hier nicht an schnödem und blindem Tadel, und in Folge böswilliger Aufreizung von Außen nicht an Versuchen gefehlt, jenen wohlbegründete»