geben, da in dieser Richtung die konstitutionellen Wahlkomite'S mit größerem Glück gewirkt haben als nach Links zu. In der zweiten Kammer wird kein höherer Justizbeamter erscheinen, man hat die Mitglieder unseres obersten Gerichtshofes, die seither ohne Rücksicht auf politische Farbe zu den angesehensten und, namentlich in den Kommissionen, fleißigsten Deputaten gehörten, für zu leicht und unselbstständig befunden, dafür ernennt daS Volk drei Akzessisten; die Interessen der Industrie wird ein republikanischer Leinweber aus einem oberhessischen Dörfchen wahren, der Militärstand ist durch einen entlassenen Lieutenant und Herrn Wilhelm Schulz vertreten. Ueber daS Auftreten der Kammer ist man nicht zweifelhaft. Sie wird mit einem Angriff möglichst lange zurückhalten. Die Führer werden dahin wirken, daß man zuerst der demokratischen Kammer im Lande Ansehen und einen festen Haltpunkt verschafft, und erst wenn das demokratische Element noch etwas mehr durchgedrungen und man sich an den Gedanken, daß es das herrschende sey, gewöhnt hat, anders auftreten. Es wird auch nicht an Leuten fehlen, die für alle Fälle sich wahren wollen, und auf zwei Stühlen im sogenannten linken Zentrum sitzend, ein Paar Konzessiönchen als Vermittelung vorschlagen. Man hat ja am Ende nicht nöthig, die Leute, welche insofern konstitutionell sind, daß sie die Monarchie für ein noch nicht zu beseitigendes Uebel, was man ertragen müsse, erklären, für Republikaner zu halten, und wenn man die breiteste Basis noch etwas mehr ausdehnt, suspensives Veto nachgibt, den Bezirksräthen die Administrativgewalt überträgt , den Regenten für verantwortlich und die demokratischen Klubs für unverantwortlich erklärt, — kann man vielleicht Manche zufrieden stellen!
Würzburg, 1. Dezember. Die Neue Münchener Zeitung berichtet folgenden Vorfall: Gestern kam der quartier# machende Offizier des österreichischen Regiments Erzherzog Rainer, welches auf seinem Durchmärsche nach Mainz in hiesiger Umgegend einquartiert wurde, hier an. Nachdem derselbe seine Geschäfte besorgt hatte, ging er in das Gasthaus des Herrn K . . . g, um sich zu restauriren. Dem -Eintretenden traten alsbald zwei Studenten, G . . f und St..k, entgegen mit den Worten: „Ah! weiß und blau! das ist schön!?" Blau sind.nämlich Kragen und Aufschläge auf den Uniformröcken deS genannten Regiments. Nachdem Hr. K. ihnen bedeutet hatte, daß er solche Gemeinheiten in seinem Hause nicht dulde, sie es daher zu unterlassen hätten, erwiderten sie: „Sie wollten eben gemein seyn." Hierauf plazirte der wackere Gastgeber seine im Quartiere liegenden Soldaten an den Tisch derselben hin zum Mittagseffen, bei deren Erscheinung sie sich zurückzogen. Der Offizier aber ging nach Tische in das Kafe Sch . .. ., um dort „bayrischeKameraden" zu finden, traf aber wieder jene beiden Studenten, welche ihm mit derselben Bewunderung wieder entgegentraten, ja fast auf ihn hinaufstiegen, so daß er nolens volens vor die Thür hinaus mußte, wo er rückwärts gehend die Treppe hinabstürztc, da ihm der Säbel zwischen die Füße kam. Durch den Sturz an mehreren Körperfüllen blutrüstig verletzt, erhob er sich wieder, wurde aber nun von diesen Beiden dermaßen insultirt, daß sie ihm den Mantel und Kragen vom Leibe rissen und, da er von seiner Waffe Gebrauch machen wollte, auch noch dieser ihn beraubten und mit Faustschlägen ihn mißhandelten. Selbst zwei dazukommende Jngenieuroffiziere, welche ihn sofort in die Mitte nahmen, konnten nicht verhindern, daß er noch einige Faustschläge erhielt. Dieö das einfache Faktum, dessen Würdigung dem Leser und vorzüglich den kompetenten Behörden überlassen ist. Der österreichische Offizier wurde am hiesigen KommandamschajtS-Auditoriat vernommen, der kommandircnde Hauptmann der Truppe fordert Satisfaktion, und dieselbe wird wohl schwerlich ausbleiben; die beiden Studenten wurden verhaftet und wieder freigelassen, sollen aber neuerdings in Haft gezogen worden seyn.
Berlin, 6. Dezbr. Die Versuche einer Einigung beider Kammern über die auS der Verfassungs revision hervorgegangenen divergirenden Beschlüsse haben schon seit längerer ,Z"t begonnen; in den wichtigern Punkten ist indeß ein Erfolg nicht zu hoffen. Die Einigungsbestrebungen haben sich bisher allerdings nur im Wege der Privatbesprechung geltend gemacht. Man beabsichtigte den Status controversiae vor dem Zusammentritt der offiziellen Ausgleichungskommissionen zu regeln, allein der widerstrebenden Elemente sind so viele und verschiedenartige, daß sie nicht leicht zu überwinden sind. Welche
Stellung die Regierung den Divergenzen gegenüber einnehme! D wird, über die eine Einigung nicht zu Stande kommen soll! M ist für jetzt noch Gegenstand des Zweifels. Bi
Berlin, 6. Dez. (K. Z.) Der Staatsanwalt soll bereit! wegen Einleitung der Voruntersuchung gegen den Handlung- As diener Ohm und Genossen die nöthigen Anträge beim Gl S< richte formirt — dagegen soll Hinckeldey Beschwerde geg» G' Herrn Thaddel beim Justizministerium geführt haben. Ho
Die Reibungen zwischen Demokraten und Schutz männer n sind wieder an der Tagesordnung. Am Tage vo; üb Waldeck's Freisprechung sollen, nach der „Nat.-Ztg.", 94 P« @j fonen wegen Widersetzlichkeit ic. verhaftet worden seyn. Dies bet sind, nach demselben Blatte, inzwischen wieder entlassen, abe De es seyen auch gestern wieder wegen Nichtbefolgung obrigkeil ^el kicher Anordnungen, Veranlassung von Aufläufen u. s. w. übe, fra 50 Verhaftungen vorgenommen worden. Zugleich berichtet dl „Demokratische Zeitung", daß vorgestern das Gedicht: „Waldet gx! ist frei" und ein von dem Buchhändler Hoffmann herauSge Ar gebenes Blatt: „Die drei Hauptzeugen im Prozeß Waldeck", G> welches Ohm, Gödsche und Hinckeldey darstellte, von den Schutz tet männern in Beschlag genommen worden seyen. köi
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Berlin, 4. Dez. ES ist nicht möglich, von dem Waldeck', ge schen Prozeß, der alle Welt in Athem gehalten, nicht zu sprechen, au Der Prozeß hat Ihnen, in seiner Entstehung, in seinem AuS> gang und in der Haltung des Publikums bewiesen, daß ei noch keine ausgebildete, öffentliche Meinung bei unS gr gibt. Als das Verdikt bekannt und die Freude vorüber war, eh liefen uns Leitartikel achtbarer demokratischer Blätter ein, die ze bei der Publikation des Geschwornengesetzes geschrieben hatten, tr« lieber gar keine Geschworne, als solche. Nun sprachen die Geschwornen Waldeck frei. Was sagen die demokratische» ab Blätter dazu? Sie sagen gar nichts, sondern drucken Leitarti« ad kel gegen das Erfurter Parlament und den „preußischen" Buw m desstaat. Sie werden auch das bereuen. Ünterdeß behauptet sei Ihr Korrespondent, daß ein belgischer Nachtwächter mehr poli- schen Sinn hat und mehr praktischen Mutterwitz, als alle uw sere O'Connels zusammengenommen.
Berlin. An demselben Tage, wo Waldeck in seiner Vertheidigungsrede die Absichten seiner Partei in einem so fried« bei fertigen Lichte schilderte und erklärte, ihm wie seiner Partei da sey nie etwas Anderes, als der Kampf mit geistigen Waffen W in den Sinn gekommen, an demselben Tage sprach sich die hier rw erscheinende „Demokratische Zeitung" ganz anders aus. Indem du sie eine Auffordrung Venedy's zur Versöhnung bespricht, di- erklärt sie die Versöhnung in der jetzigen Zeit für eine Unmög« er lichkeit und fährt dann, gegen die Gefühlspolitik solcher ge# toi müthlichen Leute wie Venedey gewandt, fort: „Denkt er, seine ge Friedenspredigtcn werden auf die demokratische Partei Ein- lic druck machen? Wir würden im Angesicht der rauchenden Blut- w- stätlen in Baden , im Angesicht von Kinkel'S ZuchlhauSzelle, lel vielleicht am Jahrestage der großen Schandthat auf der Bri- di- gittenau, unfern Haß und unsere Rache begraben? Er irrt, ge Er ermahnt unS: „Der Schrecken soll uns nicht schrecken! Der fei Haß nicht zum Hasse treiben." Wohl der Schrecken schreckt uns nicht,.... und daß wir jetzt erst zum Hasse getrieben ü würden, ist wahrlich nicht nöthig. „Wer ist so feig, daß ei di an den Gräbern der Märzhelden an Versöhnung dächte?"! bi schrieb Gottfried Kinkel am 18, März dieses Jahres. Wir sind! bi eS nicht. Der Terrorismus wird kommen, und hi der gerechte Zorn deS Volkes wird seine Ernte v- halten, aber die Saat dazu ist euer. Im März bei $ vorigen Jahres vergab das Volk nur zu bald.... Der Kampf vi ist unvermeidlich, die Kluft zwischen den Parteien ist nicht d> auszufüllen.... Der revolutionäre TerroriSmuS «i hat seine Berechtigung.... Robespierre und Marat b halten eine geschichtliche Sendung zu erfüllen, sie waren nur 6 Werkzeuge des Weltgeistes." b
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Berlin. Dem Vernehmen nach, erzählt die Berliner All- & gemeine Zeitungskorrespondenz , tritt zu Neujahr in Erfurt b eine große politische Zeitung in's Leben, welche die ge- b mäßigt-konjervativen Interessen wahrnehmen und in demselben ti Verhältniß zu den Kommissären des Deutschen Verwaltungs- f< rathS stehen wird, als zur Zeit der deutschen Nationalver- @ sammlung die Oberpoftamts -Zeitung zum Reichsministerium, tr Die Leitung dieser mit bedeutenden Mitteln und hervorragenden geistigen Kräften ausgestalteten neuen Zeitung übernimmt "