Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 292. Montag -en 1O. Dezember 1849.
Dritte Ausgabe.
Uebersicht.
Deutschland. Mainz (Wahl. Die Rheinschifffahrt). — Bo nn (Die Frequenz der Universität) — Altenburg (Prozeß). — Berlin (Der österreichische Protest. Die preußische Antwort auf die österreichische Note. Die Demokraten und der Waldeck'sche Prozeß). — Wien (Franz-Josephs- Orden).
Frankreich. Straßburg (Der 10.Dezember). — Paris (Vermischtes). Großbritannien. London (Die Times über die französischen Kammer- Duelle).
Deutschland
Mainz, 8. Dez. (D. Z.) In der gestern hier vorgenommenen Wahl zur ersten Kammer der Stände stimmten 890 Bürger ab, von welchen der demokratische Kandidat, Agent Dr. Georg Strecker, 586, und der konstitutionelle Kandidat, Generalstaatsprokurator Aloys Kilian in Darmstadt, 304 Stimmen erhielten. Es enthielten sich 377 Wahlberechtigte der Abstimmung. Die Zahl sämmtlicher Wahlberechtigten zur ersten Kammer beträgt in Mainz 1267.
Mainz, 8. Dezbr. Die Dampfboote, welche gestern von Köln gekommen sind, melden, daß am Unterrhein das vollständigste Thauwetter eingetreten, und die Schifffahrt in ungestörtestem Gange sey.
Bonn, 6. Dez. (K. Z.) Auch in diesem Studiensemester hat sich die Frequenz unserer Universität wieder ansehnlich vermehrt. Nach dem so eben gedruckt ausgegebenen amtlichen Verzeichnisse der Studirenden ist die Gesammtzahl unserer Musensöhne jetzt 898.
Allenburg, 5. Dezbr. (D. A. Z.) In drei Sitzungen unseres Schwurgerichtes am 3. und 4. Dezember stand der bekannte radikale Advokat Dölitzsch vor den Schranken desselben, in zwei Fällen angeklagt der Ehrenverletzung gegen auswärtige Regenten, deren Familienglieder und die deutsche Nationalversammlung, so wie der Aufreizung gegen die deutschen Regierungen und Staatsverfassungen, in einem der Beleidigung des im vorigen Jahr in Altenburg als Reichsmilitär befindlichen Hannover'schen Leibregiments. Wegen des ersten und letzten Falles (cs wurde die Wahrheit der von Dölitzsch gemachten Mittheilungen über das Verfahren des Hannover'schen Militärs nachgewiesen) wurde Dölitzsch freigesprochen, wegen des zweiten, wegen Aufreizung, für schuldig erklärt und zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt.
r Berlin, 5. Dez. (K. Z.) Oesterreichs angedrohte und seitdem hier erwartete Protest-Note ist, wie wir vernehmen, gestern wirklich angelangt. Es fand darauf bei dem Minister,Präsidenten Grafen von Brandenburg ein Ministerrath statt, welchem sämmtliche Staatsminister beiwohnten, und so eben bringt der „StaatS-Anzeiger" die erste Antwort, nämlich das Reglement zu den Reichstagswahlen. Dies eben ist die beste Antwort; denn Niemand verkennt eS, was gestern auch Beseler
bemerkte: nur das Ausschreiben des Reichstags ist im Stande, die deutsche Sache zu heben. Damit allein jedoch ist noch nicht geholfen; die Kammern jetzt und später der Reichstag müssen fortwährend mit aller Achtsamkeit und aller Entschiedenheit — wie Beseler hinzufügte — „auch die Schritte im Auge behalten, die uns zum Bundestage hinführen." Die Kommission hatte hiernach ihren Bericht abgefaßt. ES ist nur zu bedauern, daß die Majorität sich willig finden ließ, den Eindruck deS Antrages durch Annahme von Amendements abzu- schwächen. „Es ist doch wohl politischer Männer würdig, daß sie sich ihrer politischen Macht bewußt werden und diese auch aussprechen. Ich weiß nicht, wie es dem Ministerium nachtheilig sein kann, wenn eS dem österreichischen Kabinete sagt: Unsere Kammern haben auf ihre Rechte hingewiesen und dieselben in Anspruch genommen." Nebrigens enthält der Beschluß der Kammern noch immer alle wesentlichen Vorbehalte. In zwei Punkten — der Ansicht über die Kompetenz der Bundeskommission und der Befriedigung über die Erklärung der Regierung, unwandelbar auf der Bildung des engeren Bundes zu beharren — stimmten alle Amendements und alle Fraktionen überein. Mögen sie nur bei später etwa wirklich vorkommenden Konflikten, bei konkreten Fragen, eben so einmüthig für die Konsequenzen ihres Beschlusses einstehen!
Berlin, 6. Dez. In den letzten Tagen ist bei dem hiesigen Kabinet eine österreichische Note eingegangen, in welcher eine Stelle als eine wirklich drohende bezeichnet werden kann. In der Note wird wiederum darauf hingewiesen, daß der zu gründende engere Bundesstaat die noch bestehenden Bundesverträge verletzen werde. Diese Bundesverträge aber unverletzt zu erhalten, habe Oesterreich die Verpflichtung. Sollte Preußen bei seinem Entschluß, ein Parlament nach Erfurt zu berufen, fest beharren, so würdeOesterreich, falls dadurch dieRuheDeutsch, lands gestört werden sollte, sich in der Lage erblicken, „ein schreiten" zu müssen. Von preußischer Seite wird auf diese Note eine entschiedene Antwort erfolgen, welche den verbündeten deutschen Staaten die Beruhigung gewähren soll, daß die österreichische Drohung ohne Wirkung geblieben sey.
Wir glauben die preußische Antwort in kurzen Umrissen bereits andeuten zu können. Preußen erklärt, daß es bei Betretung seiner gegenwärtigen Bahn sich von der entschiedenen Anschauung habe leiten lassen, daß eine dauernde Ruhe in Deutschland nur dadurch begründet werden könne, baß den gerechten und in der Zeit begründeten Anforderungen der deutschen Nation befriedigende Rechnung getragen werde. Die von Oesterreich gehegte Besorgniß, daß durch die Zusammenberujung eines Parlaments in Erfurt die Ruhe Deutschlands gestört werden könne, werde von Preußen nicht getheilt, im Gegentheil werde preußischerseits die Hoffnung genährt, daß der wirkliche Zusammentritt des Parlaments eine große Beschwichtigung und Befriedigung der Gemüther zur Folge haben werde. Sollte Preußen sich aber in dieser seiner Hoffnung täuschen und die Ruhe Deutichlands in der That eine Gefährdung erleiden, so fühle sich Preußen stark genug, für die Wiederherstellung der Ruhe Bürgschaft zu