scken Verfassung zustehenden Rechte (Verantwortlichkeit der Minister) vorbehalte, beizutreten, damit nicht das Interim wieder ein Mittel werde zur Unterdrückung, wie der alte Bundestag! Vorsicht sey vonnöthen; die Kammer müsse, indem sie der Regierung ihre Zustimmung ertheile , zugleich ihre Rechte und Würde wahren. (Beifall). GrafDvhrn ist gegen den Ausschußantrag, weil er ihm nicht scharf genug ist. Er unterschreibt die Ausführung des Vorredners vollständig. Das Oesterreich vom 4. März sey gefährlicher als das alte, weil eS konzentrirt sey. Preußen müsse auf der Hut seyn, und kühn und muthig der Einigung des deutschen Vaterlandes zu, streben. Er werbe, so lange er einen Athemzug habe, sprechen vom Kaiser und vom Reich! (Bravo). Der Abgeordnete Schimmel spricht für den Antrag veS Ausschusses, (der nicht daran gedacht habe, gegen das Ministerium sich in Opposition zu setzen!) und fordert diejenigen, die andere Anträge eingc- bracht haben, auf, sie znrückzuziehen. Urlichs hält eine lange Rede, wobei er einmal von dem Präsidenten zur Sache gewiesen wird. Er spricht gegen den Ausschuß, denn in dessen Anträge machte sich zwischen dem Conclusum und den Motivin zu demselben ein so bedeutender Unterschied geltend, daß das Ganze eher Befürchtungen Hervorrufen als beseitigen werde. (Bravo rechts). Vor der Abstimmung spricht der.Präsident seine Freude auS, daß die Anträge in der Hauptsache über- einstimmen. Der Antrag Bolttz wird in namentlicher Abstim- mung mit 150 gegen 135 Stimmen verworfen. Ein noch un- gedruckter Antrag, von Hoffmann und Lieber, wird mit 176 gegen 106 Stimmen angenommen.
Posen, 29. Nov. (D. Z.) Die Lehrer und Schulzen deS Posener Kreises waren auf daS hiesige Landrathsamt ge- laden, um unter Hinweisung auf diejenigen Paragraphen der Liga polska, in denen die Regierung eine feindselige Richtung gegen sich erkennt, die Aufforderung zu empfangen, entweder aus dem genannten Vereine oder aus ihren Aemtern zu scheiden. Die Lehrer wählten das Erstere, sämmtliche Schulzen aber das Letztere, indem sie ihre Aemter sofort niederlegten.
Königsberg, 27. Novbr., 10 Uhr Abends. Wegen des Eisganges auf der Weichsel ist die Brücke bei Dirschau abge- krochen und daher der Postenlauf zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland gehemmt. Der früh eingetretene Winter mit seinen Folgen für unsere Landschaft kommt der sonstigen Beweisführung von der Nothwendigkeit der anzu- legenben Eisenbahn und der festen Ueberbrückung der Weichsel zur Hülfe.
Uebrigens erstreckt sich, wie es auS allen Nachrichten hervorgeht, dieser sehr zeitige Hercinbruch der Kälte über das ganze nordöstliche und einen großen Theil des mittleren Euro- pa's von den gesegneten Ufern des Rheins über den Main, die Elbe, Ober, Weichsel und Memel weg, zu geschweigen von den Gegenden, wo die Hyperboräer wohnen.
Wien, 30. Nov. (A. Z.) Nirgends regt sich ein so emsiges Neuerungsleben als in den Zirkeln der GerüchtSer- finder. Wenn ich Ihnen von den letzteren melde, daß sie dieser Tage bemüht gewesen, unter dem Volke die beunruhigende Nachricht zu verbreiten, man habe höchsten Orts den Grafen Kolowrat mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt, und dieser habe sich nur unter der Bedingung, daß die Verfassungsurkunde auf vier Jahre suspendirt werde, dazu verstanden: so werden Sie ohne Zweifel dazu lächeln. UebrigenS mögen Sie auS der Mittheilung dieses Abfurbums ersehen wie sehr man hier an eine unausgesetzt arbeitende Reaklions- und Restaurationspartei glaubt.
Die Wachtposten um die kaiserliche Burg werden vermehrt. Man hat nämlich die Entdeckung gemacht, daß die sogenannte Bell-Aria — der Eingang in die Burg von der Basteiseite heißt so — offen stehe. Sofort wurde nun die Anordnung getroffen, daß dieser Punkt mit einer Wache versehen werde, deren eS wohl nicht bedürfte. ES wird an einer Wachstube für 18 Mann gearbeitet. Ueberhaupt herrscht in den Burgräumen eine nie gesehene Ameisenrührigkeit.
AuS der Bukowina laufen Klagen über den Mangel an Beamten behufs der Besetzung der neu zu errichtenden Dienststellen im Justizfache ein. Ebenso mangelhaft sind die Grundbücher in der Bukowina; unv man gibt sich daselbst der Erwartung hin, daß in dieser, sowie in vielen anderen Beziehungen die erforderlichen Neuerungen würben getroffen werben.
Schweiz
Aus dem Kanton Zürich, 1. Dez. (O.-P.-A.-Z.) Don der traurigen Lage der in der Schweiz befinblichen Flüchtlinge ist neuerdings in Baselland wieder ein schreckliches Beispiel vorgekommen. In der verflossenen Woche wurde in diesem Kanton der Leichnam eines badischen Flüchtlings erfroren (er hatte sich ohne die genügenden Rcisemiltel bei der scharfen Kälte auf den Marsch begeben müssen) gefunden. Er trug die Uniform eines badischen Infanteristen unv war, nach Schrift len, die bei ihm gefunden wurden, in der Nähe von Mannheim zu Hause.
Bern, 4. Dez. Der neue Redakteur Ves „Guckkastens" ist Hr. Emil Vogt, Bruder des gewesenen deutschen „Reichsregenten". Das Blatt scheint nicht auS der Art geschlagen zu seyn. In der ersten Nummer unter der neuen Redaktion werden die Bundesräthe als sieben Metzgerhunde bargestellt, die, vom König von Preußen gehetzt, einen Flüchtling verfolgen.
Frankreich.
Paris. Die bluttriefenden Artikel Karl Heinzens, welche die Londoner deutsche Zeitung neulich veröffentlichte, sind auch in die hiesigen Blätter übergegangen. Unsere demokratischen Blätter wollen indeß von jenem wahnwitzigen deutschen Revolutionslehrer nichts wissen; sie protesiiren gegen seine Lehren und behaupten sogar, Heinzen stehe im Solve der Reaktion, deren beste Bundesgenossen allerdings solche Tollhâuöler sind.
Paris, 3. Dezbr. (K. Z.) Seitdem der „Moniteur" es offiziell angekündigt hat, daß der Präsident am 10., als am Jahrestage seiner Erwählung, eine große Revue der Nationalgarbe und Armee abhalten werde, beschäftigt sich die öffentliche Meinung immer mehr mit dem Gedanken eines Staatsstreiches, und bezeichnet man sogar schon die zweite und zehnte Legion als diejenigen, welche, gleich den Prätorianern, die Initiative ergreifen und den „Neffen seines OnkelS" als Kaiser prokla« miren würden. Sie werden sehen, daß alle diese Gerüchte, wie die früheren, sich als erfunden erweisen werden, wenngleich eS klar ist, daß die Revue zur Provozirung eines Ausdruckes der öffentlichen Meinung in Betreff der Pläne LuiS Napoleon'S dienen soll; in dieser Beziehung ist dieselbe allervingS von der größten Wichtigkeit.
Großbritannien.
London, 30. Nov. (W. Z.) Seit Preußen den Reichs, tag einberufen und Oesterreich gegen die Einberufung eine so drohende Sprache geführt hat, beginnt man hier zu Lande wieder den unerquicklichen deutschen Verwickelungen eine Aufmerksamkeit zu widmen. Natürlich wachen gleichzeitig auch alle Vorurtheile und Mißverstänvnisse wieder auf, mit denen John Bull den deutschen Bewegungen seit dem März 1848 zugeschaut hat. Die „Times" eifert gegen den Erfurter Reichstag bereits mit derselben verächtlichen Manier, mit der sie VaS Frankfurter Parlament anzuzapfen pflegte; sie billigt es vollkommen, wenn Oesterreich es nicht dulden will, daß Preußen „die unselige Agitation von 1848 von neuem beginne unv die revolutionäre Partei in ven Staaten aufstachele, welche dem engeren Bunde nicht beitrelen." Daß die „Times" mit plum- per Faust auf die verschiedenartigsten Parteien Deutschlands, auf die der Freiheit und des Gesetzes, wie auf die der Anarchie losschlägt, sind wir schon so gewohnt, daß wir kein Wort mehr darüber verlieren mögen. — Das „Morning Chronicle" berechnet bereits die Chancen eines Krieges zwischen Oesterreich und Preußen. Es stellt dem ersteren Staate das allerungünstigste Prognostikon; Oesterreich, wenn es anders den Krieg überlebe, werde ganz aus Deutschland hinausgebrângt werben, Preußen dagegen in kürzester Zeit Bayern mit seinen siegreichen Heeren überziehen und eventuell sich einverleiben.
Italien.
Rom, 24. Nov. (D. Z.) In der N.Z.Z. wird folgender
Vorfall erzählt: „Den 24. Nov. Morgens trat ein gewisser