, habe; auf verschiedene Fragen wand er sich mühsam durch - Widersprüche. Waldeck, dessen Farbe blässer, die Züge schärfer, i das Haar grau geworden, vertheidigte sich mit Ruhe gegen die j Anklage; der angebliche Brief d'Esters könne nicht von diesem 6 herrühren, seine Reise nach Dresden sey eine Erholungsreise ! gewesen, den Ohm habe er nie gekannt, sozial-republikanische , Absichten habe er nicht gehabt, an der Agitation für die Reichsverfassung habe er sich nicht betheiligt, seine parlamen« j tarische Thätigkeit könne nicht Gegenstand eines gerichtlichen t Verfahrens seyn.
' Flensburg, 26. Nov. Nach einem eben eingegangenen mündlichen Berichte aus dem Hannoverschen, den wir für sehr glaubwürdig halten, werden daselbst 10,000 Mann an ‘ der Elbe zusammengezogen, die für Schleswig-Holstein bestimmt L seyn sollen. (?)
Wien, 25. Nov. Die Ost-Deutsche Post schreibt vom 24. Nov.: Was in einem geordneten Staate zu den unerhörtesten Dingen gehört, werden wir morgen in Wien erleben. Die i Kassenlehrer Wiens, jene 265 Proletarier des Lehrstan- t des, von welchen die Kinder der Bürger Wiens ihren ersten i Unterricht empfangen, welche vom erschöpften Gemeinderathe • durch Ein Jahr eine Unterstützung erhalten, welche vergebens ! vor den Thüren des provisorischen Unterrichtsministeriums qc* 11 bettelt haben, um Lohn für ihre Arbeit, um Nahrung für sich 6 und ihre Familien, geben morgen in dem Theater an der t Wien eine Wohlthätig keitsakademie! Vor Mo- t naten haben wir in diesen Blättern auf den jammervollen k Zustand aufmerksam gemacht, die Zustände der Lehrer der t Sorge des Unterrichtsministeriums empfohlen. Vergebens! daS ti Unterrichtsministerium hatte andere Dinge zu erfüllen. Es * hat das Dach verbessert, aber vergessen, die Fundamente des « Baues zu kräftigen, zu erhalten.
X Als zuverlässig wird der Deutschen Zeitung aus Böhmen it berichtet, daß an alle Staatsanwälte der Monarchie von Seite >i des Justizministeriums Lithographen versendet werden, die öl eine Art Instruktion sür ihr Verfahren bei den öffentlichen Ge- X richtsverhandlungen zu bilden haben wird. Wichtig ist es zu je hören, daß in derselben außer dem Verbrechen der Störung )( feer öffentlichen Ruhe, Mißbrauch der Amtsgewalt, Eisenbahn- )i Verletzungen, boshafte Beschädigung fremden Eigenthums bis ai : zu 1000 fl., annoch Hochverrath der Kompetenz der Geschwore- ( neu zugewiesen wird.
:r. --------------------------------------------------
Schweden
|K Stockholm, 20. Nov. (K. Z.) Auch hier taucht der So- zialismuS jetzt mit einem Pröbchen auf. Ein gewisser Franz " Sjöberg, irren wir nicht, Auskultant am königl. Hofgerichte, ist in der Zeitung „Folkets Röst" (DeS Volkes Stimme) als Verkündiger und Verfechter desselben aufgetreten; derselbe E Fr. Sj., welcher einer der heftigsten Reformer des Stockholmer " Vereins war und die erste Anregung zu einer allgemeinen Zu- " ’ sammenkunft aller Reformer des ganzen Landes gab, die be- 8 kanntlich auch durch die Versammlung derselben in Oerebro verwirklicht wurde. Lächerliche Nachäffung französischer Muster, unverzeihliche Unkunde, ein voll gerütteltes und geschütteltes Maß von Böswilligkeit zeichnen diesen Dolmetscher des Sozia- : Usmus aus, dem man es bald genug ansteht, daß auch er die 161 freie Tagespresse als eine noch immer frischmilchene Kuh be- „ trachtet und gern eine Holländerei im Großen anlegen möchte, um, wenn es ihm damit gelingen sollte, je eher, desto lieber, ,: dem Sozialismus, in der Praxis wenigstens, den Rücken wen- w den zu können. Dieses Plänchen hat indessen einen großen Theil der übrigen Zeitungen in den Harnisch gebracht, und "'selbst „Aftonbladet" vermocht, gegen seinen treuen Zeitgenossen im Lager der Reformer recht kräftig aufzutreten. m« ----------- -----
2 Sprechjaal für Stadt und Land - dekiMtheil des Auslandes über die Reform des nassauischen Medizinalwesens.
(Schluß.)
Ä Wir sehen daher auch, daß die Reformbestrebungen Haupt- Ha 'lich auf Erlangung eines größeren Antheils an der Medi
zinalverwaltung und auf eine angemessenere und ehrenvollere Entschädigung für die ärztlichen Leistungen gerichtet sind. Deßhalb darf man die nassauischen Aerzte noch nicht in eine Kategorie mit denen anderer Länder stellen, welche nur die Sicherung ihrer materiellen Interessen im Auge haben, ohne dem wissenschaftlichen und sozialen Prinzipe irgendwie Rechnung zu tragen. Offenbar ist bei der bestehenden Gesetzgebung das Volk, den Aerzten gegenüber, bedeutend im Vortheil, es ist daher den Letzteren nicht zu verdenken, wenn sie wenigstens eine Parität herbeizuführen suchen.
Wenn also die oben mitgetheilten Wünsche und Vorschläge im Vergleich zu den von anderen Versammlungen und Vereinen formulirtcn als sehr gemäßigt erscheinen, so hat dies darin seinen Grund, daß die bisherige Medizinalverfassung die Feuerprobe einer mehr als 30jährigen Erfahrung siegreich bestanden hat, und daß eS wohl möglich und sogar räthlich ist, den Bau derselben zu verändern, daß es aber höchst gefährlich seyn würde, seine Fundamente zu untergraben. Wäre die Nassauische Medizinalgesetzgebung seit der Zeit ihres Bestehens zugleich sür die übrigen deutschen Länder maßgebend gewesen, wahrlich wir würden leichter zu einer Vereinbarung über das noch Fehlende, das zu Wünschende gelangen, als wir zumal jetzt zu erreichen Hoffnung haben. Ja wir gestehen, bei aller unserer vielfach ausgesprochenen Vorliebe für das Selfgovernment, bei dem wir aber die Oberaufsicht des Staats keines- weges ausgeschlossen wissen wollen, daß, wenn alle Reformbestrebungen der Gegenwart an der überall hervorbrechenden Reaktion scheitern sollten, quod Deus bene vertat, wir die Nassauische Medizinalversaffung mit allen ihren Fehlern doch jeder anderen jetzt bestehenden verziehen würden. Bei einigem guten Willen der Regierung, bei der überwiegenden Mehrzahl der besonnenen und in ihren Forderungen bescheidenen Aerzte Nassaus kann es nicht fehlen, daß in nicht zu ferner Zeit die vorhandenen Uebelstände ausgeglichen und Zustände herbeige- sührt werden müssen, welche alle Theile zufrieden stellen. Schwinden auch die Hoffnungen auf das Zustandekommen einer allgemeinen deutschen Medizinalverfassung immer mehr, so müssen wir doch wünschen, daß wenigstens in einem kleinsten Deutschland eine Medizinalgesetzgebung zu Stande komme, welche der Zukunft, vielleicht erst unseren Nachkommen, als Ausgangspunkt erfolgreicherer Bestrebungen dienen könne. Wir Alle die wir uns an der Reform betheiligen, arbeiten ja nicht für den nächsten Tag, ja nicht einmal für uns selbst, sondern für die Zukunft. Lassen wir uns deßhalb auch nicht niederbeugen von der momentanen Erfolglosigkeit unserer Bestrebungen, die Idee der Reform ist einmal in das innerste Mark des Lebens eingedrungen , unterdrückt kann sie werden, selbst für lange Zeit, aber ausgerottet niemals, sie wird, sie muß sich Bahn machen, und je mehr Schwierigkeiten ihr in den Weg gelegt werden, um so sicherer wird sie ihr Ziel erreichen. Halten wir fest an dem Wahlspruch „Viribus unitis“, wenn èr gleich nicht aus dem Lande unserer Vorliebe kommt.
Wir können unseren Gegenstand nicht verlassen, ohne vorher noch denjenigen unserer Leser, welche sich für denselben näher interessiren, eine kleine aber durchaus gediegene, ihren Gegenstand eben so beherrschende, als in gedrängter Kürze er, schöpfende Schrift auf das Angelegentlichste zu empfehlen, welche erst unlängst unter nachstehendem Titel erschienen ist:
Die Medizinalverfassung des HerzogthumS Nassau, beurtheilt nach einem 30jâhrigen Bestände mit Rücksicht auf das Bedürfniß der Gegenwart. Von C. F. R. Reuter, vr. der Med., Herzog'l. Nass. Medizinalrath. Wiesbaden 1849. Verlag der L. Schellenberg'schen Hof, Buchhandlung. 40 S. 8. (Pr. 6. Sgr.)
Möge der Wunsch des geachteten Vers., die Aufmerksamkeit der Aerzte und Regierungen anderer Staaten auf die Medizinalverfassung seines Vaterlandes hinzulenken, von deren Grundlage man zur weiteren Entwickelung und größeren Vollendung leicht vorschreiten könne, im weitesten Umfange erfüllt werden.
Wessely.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.