Spruche offenbar besondere Rücksicht nahmen. — Morgen wird der Spruch den Angeklagten verkündet, und dann im Laufe der Woche das Urtheil des AssisenhofeS gefällt werden. — Die Geschwornen mußten nochmals in ihre Klausur zurückkehren, da der Asstsenhof ihr Verdikt erst zu prüfen hat, ob es in aller und jeder Beziehung gesetzlich ist, solches also erst morgen definitiv festgestellt werden kann.
Stuttgart, 28. Nov. (D. Z.) Diebstähle nehmen so sehr überhand, daß man, wie der Schwäbische Merkur heute sagt, selbst hinter verschlossenen Thüren für sein Eigenthum in Sorge seyn muß. Die Diebsbande treibe ihr Geschäft mit solcher Frechheit, daß sie mit eigenen Schlüsseln am hellen Nachmittage Kammern öffne und mit der Beute davongehe. Die grundrechtlichen Bestimmungen hinsichtlich der Hausdurchsuchung hätten die Thätigkeit der Behörden bei Diebstählen vielfach gelähmt; doch sey es der Polizei schon gelungen, eine Diebsbande aufzuheben und einzelne gestohlene Gegenstände beizubringen.
Dresden, 26. Nov. (D. Z.) Die Thronrede scheint nur Wenige befriedigt zu haben. Besonders vermißt man darin irgend eine Andeutung über Aufhebung des Belagerungszustandes , sowie über eine Amnestie. Die Stelle wegen der deutschen Frage ist so schroff alâ möglich und stellt sich entschieden auf den hannöverischen Standpunkt, vernichtet also die Hoffnung, die man bisher noch hie und da hegte, als sey eS der sächsischen Regierung nur um Modifikationen der Verfass sung vom 26. Mai zu thun, denn eS ist darin 1) das Recht angerufen — was kann dies nach allem Vorhergegangenen anders heißen, als das Recht Oesterreichs und der andern nicht beitretenden Staaten, daß ohne ihre Zustimmung der Bundesstaat überhaupt nicht zu Stande komme; 2) ist der alte Vorwurf der „Zerreißung Deutschlands" wiederholt; 3) ist die Selbständigkeit Sachsens gewahrt und endlich 4) mit scharfem Seitenblick auf die preußische Hegemonie dem Bündniß vom 26. Mai gar den Charakter eines deutschen StaatenvereinS abgesprochen. Dieser Seitenblick nimmt sich freilich um so sonderbarer aus, als im Eingang der Thronrede der preußischen Hülfe im Mai anerkennend gedacht wird. Noch hört man nichts Gewisses darüber, ob die Kammern diese Rede durch eine Adresse beantworten werden. Vermuthlich ist dies rin Hauptgegenstand der Klubberathungen am heutigen Abend.
Berlin, 23. Nov. Als Schluß der mannigfachen in den letzten Tagen erfolgten m ili tärische n Au Sz eich nungen, die für die seit einem Jahre dem inneren oder äußeren Feinde gegenüber erworbenen Verdienste gewährt wurden, steht, wie wir als zuverlässig hören, ein außerordentlich ausgedehntes Avancement bevor, daß bereits die Sanktion des Königs erhalten hat und vielleicht bereits durch das morgende Militär- Wochenblatt veröffentlicht werden wird. Es soll dabei in vielen Fällen von den Regeln der Anciennetät in auffallender Weise abgewichen und das erworbene Verdienst allein berücksichtigt seyn, wie andererseits mit schonungsloser Rücksichtslosigkeit Verabschiedungen bis zum Lieutenant hinab überall da erfolgt sind, wo Unfähigkeit oder Mangel an Energie bewiesen worden ist.
Berlin, 27. Nov. (D. Z.) Das österreichische Kabinet hat, die mildesten der diplomatischen Formen wählend, seinem Gesandten eine Depesche zugehen lassen, mit dem Auftrag, sie dem preußischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten vorzulesen. Dies ist geschehen und ist der Ursprung der darüber ausgebrachten Gerüchte. Die Depesche enthält unter Andern den Satz: wenn Preußen bei dem Entschluß verharren würde, einen Reichstag zur Begründung eines deutschen Bundesstaates zu berufen, so würde Oesterreich genöthigt seyn, gegen alle die ihm von dorther erwachsenden Nachtheile Verwahrung einzulegen! Die Angabe einzelner Blätter, daß Oesterreich aus der Einberufung des Parlaments einen casus belli mache, ist freilich sehr übertrieben, gründet sich aber wahrscheinlich auf geflissentliche Aeußerungen des Hrn. v. Prokesch, der schon zu wiederholten Malen einen höchst energischen Protest Oesterreichs angekündigt haben soll.
Der Baurath Bürde ist dieser Tage nach Erfurt abgegangen, um die Baulichkeiten für daS Parlament einzurichten. Eine Kirche, die gegenwärtig nickt benutzt wird, soll mit ge- ringem Umbau das Lokal nicht nur für daS Volkshaus, sondern auch für das SlaaienhauS hergeben.
Berlin, 28. Novbr. (Köln. Z.) Der eben erscheinende „Staats-Anzeiger" enthält daS Wahlgesetz zum Volkshause deS keuschen Reichstages.
In dem betreffenden Berichte des Ministeriums erklärt dasselbe, daß Modifikationen durch die Lage der preußischen Gemeinde-Verhältnisse erforderlich wären, und bittet schließlich, der König wolle durch die Vollziehung der vorliegenden Verordnung Gesetzeskraft verleihen. Dann folgt die vom Könige vollzogene Verordnung selbst.
Triest, 22. Nov. Heute donnerten die Geschütze sämmtlicher Kriegsschiffe auf der Rhede. Der Vizeadmiral Dahlerup strich seine Kommandoflagge am Bord der Bellona und löste die bisher noch fortbestandene Flotte auf. Ein passender sinnreicher Tagesbefehl war gleichsam das freundliche Geleite, das der alte Seemann den Offizieren und Mannschaften gab, die unter seinen unmittelbaren Befehlen während der Blokave Venedigs mit Ausdauer und Eifer gedient hatten. Der größte Theil der verschiedenen Gefechte, lautet eine Stelle des Befehls, hat im Angesichte der Repräsentanten der zwei ersten Seemächte Europa's, der englischen und französischen Kriegsschiffe, stattgefunden, und jene kompetenten Richler muffen als Augenzeugen ihnen die gerechte Anerkennung gezollt haben, und werden gewiß den verdienten Ruhm unserer zwar noch kleinen Marine in ihrer Heimat verbreiten. War es der kaiserlichen Marine auch nicht gegönnt, die ersten glänzenden Episoden deS Feldzuges in Italien mitzumachen, so bleibt ihr doch das lohnende Bewußtseyn, durch ihre Leistungen den Krieg beendet, glorreich beendet zu haben rc. — Dem Vizeadmiral Dahlerup ist der Orden der eisernen Krone erster Klasse nebst der Geheimrathswürde verliehen worden. (Ll.)
Frankreich.
Paris, 24. Nov. (Wes. Z.) Fast scheint es, als ob es in diesem Lande -keine Justiz mehr gebe. Jeder Tag fast bringt uns einen Zweikampf, von welchem alle Welt vorher gesprochen hat; Jedermann kennt den Platz des Zusammentreffens, die Namen der Zeugen und der Kombattanten, aber die Polizei scheint von alle dem keine Notiz zu nehmen. Die verufenen Kampfplätze im Boulogner Gehölze werden freilich jetzt von Gensd'armen bewacht, aber Niemand hindert die Kämpfer nach Vincennes zu gehen und dort ihre Raufereien abzumachen. Ja, noch mehr, die Zeugen veröffentlichen regelmäßig mit voller Nanmensnennung einen genauen Bericht von dem stattgehabten Duelle in den Zeitungen, als ob nicht diese Akte der Selbstvergeltung ebenso gut dem Code Pénal anheimfielen, wie Raub und Mord. Dank dieser Offenherzigkeit wissen wir denn, daß Herr Pierre Bonaparte heute im Vincenncr Gehölze ein Zusammentreffen mit dem Redakteur des witzigen und boshaften „Corsaire", H. de Rovigo, gehabt hat. Die Waffe war der Säbel, welcher jedoch bei der ersten Verwundung mit dem Degen vertauscht werden sollte. Herr Bonaparte erhielt beim zweiten Gange eine leichte Brustwunde, und die Zeugen riefen Halt, obwohl in demselben Augenblicke Herr de Rovigo seinen Säbel fallen ließ. Die Zeugen Bonaparte's behaupteten, dieser Umstand ändere die Sache; der Kampf müsse nun mit derselben Waffe, oder allenfalls mit Pistolen fortgesetzt werden; Rovigo's Freunde aber bestanden darauf, man müsse jetzt zum Degen greifen, und da man sich hierüber nicht verständigen konnte, so ward das Gefecht ausgesetzt. Nachmittags ist Herr Pierre Bonaparte nach Versailles gefahren, um sich dort mit Herrn Lavalette, dem Redakteur der „AssemblSeNationale" zu schlagen. Das schlimmste bei diesen Händeln, welche nicht nur allen wahrhaft Gebildeten, sondern auch dem Arbeiter der Vorstädte Verachtung und Unwillen einflößen, ist die Lächerlichkeit, die sich unfehlbar an eine Reihe unblutiger Duelle anheftet; um dem Gespötte zu entgehen, findet Herr P. Bonaparte sich also gewissermaßen in die Nothwendigkeit versetzt, seine Leute todtzuschlagen oder ernsthaft zu verwunden.
Verantwortlicher Redakteur r W. H, Riehl