zur Vorsicht gegen solche Versuche; eben so wenig bedarf eS der Erinnerung, daß es zu den allergewöhnlichsten Künsten der Gegner gehört, die Sache, welche sie verderben möchten, als bereits verloren darzustellen. Gegen solche Einwirkungen sind wir hinlänglich gewappnet und nicht minder gegen die Verdächtigungen Preußens, dessen bisheriges Verhalten in der deutschen Frage von dem ernstlichen Willen Zeugniß gibt, daS Ziel der Einigung zu erreichen. Selbst nicht die gerechtesten Bedenken gegen die Führung der äußern Politik in der schleS- tmg-holfteinischcn Sache, wie die Schatten, welche sich in den Verhandlungen über die Landesverfassung zwischen der Regierung und der Kammer erhoben hatten, keine Betrachtungen dieser Art können den Satz umstoßen: daß die deutsche Sache auf lange hin verloren ist, wenn Preußen sie aufgibt, und daß, so lange Preußen sie nicht aufgibt, unsere Partei mit Preußen gehen muß. Sie hat gegen keine Regierungspolitik irgend eine Verbindlichkeit übernommen, sie setzt ihre Kräfte an das Einigungswerk, dessen die Nation bedarf, in der Zuversicht, daß sich damit erst eine deutsche Politik ausbilden könne, welche in den äußeren Fragen wie in der Auffassung des inneren Staats- ledens einen höheren Standpunkt nehmen wird. Bis jetzt steht Preußen an der Spitze der Staaten, welche die Einigung ernstlich wollen und den Weg dafür bahnen. Wären Oesterreich oder Bayern im Stande, etwas Besseres vorschlagen zu können, fo'würde die Nation ihnen zufallen; die gegenwärtige Lage per Dinge aber, wie wir dieselbe aufgefaßt und gewürdigt haben, legt uns die unbedingte Pflicht auf, an dem Beschlusse vom 28. Juni festzuhalten.
Heinrich v. Gagern, Mar v. Gagern, Hergenhahn, Mathy, Reh.
Deutschland.
Weilburg, 28. Novbr. In Nro. 280 der „Freien Zeitung" hat ein hiesiger Korrespondent das an die Schüler des hiesigen Gymnasiums ergangene Verbot, für die badischen Flüchtlinge zu kollektiren, sowie das schon seit mehreren Jahren für die Schüler bestehende Verbot, theatralische Vorstellungen zu besuchen, auf eine Art und Weise besprochen und Grundsätze geäußert, die jeden rechtlichen Mann mit Entrüstung erfüllen müssen, weil sie alles sittliche Gefühl verletzen. Er macht einen gewaltigen Lärm, daß der Jugend nicht gestattet wurde, die von einem Lehrer pflichtvergessener Weise dargereichten Loose anzukaufen, und ihr dadurch die Gelegenheit entzogen wurde, für die „edelsten Männer Deutschlands" ihr Schärflein beizutragen.
Wir fragen aber, wer sind denn diese „edle Männer", die der deutschen Jugend als Muster und als unterstützungSwerth Hingestellt werden? Es ist ein Struve, ein Heinrich Hoff von Mannheim, ein Karl Heinzen, ein Blind u. dgl., die mit sich selbst, mit Gott und der Welt verfallen waren, die schon unsägliches Elend über einen Theil Deutschlands gebracht, die geplündert und geraubt haben, alles der deutschen Reichsverfassung wegen, aber im Hintergründe ein Stück deutsche Republik errichten wollten, wo nur sie daS arme bethörte Volk beherrschen und durch ihre trostlose Weltweisheit zu Heloten ihrer Laune stempeln wollten. Es sind jene Menschen, die zu feig und zu faul sind, in dem Schweiße ihres Angesichts ihr Brod zu gewinnen und eine schweizerische Gnavenfütterung der Aufnahme in die große amerikanische Republik vorziehen, wohlwissend, daß sie dort mit ihren Wühlereien dem Lynchgesetz verfallen, oder ihre tolle Theorieen mit dem Karst vertauschen müssen.
Eine dieser Tage in Zürich stattgefundene Versammlung dieser „Edlen" und ihre Reden haben Jedem — der noch nicht geistesbankerott — gezeigt, weß Geistes Kinder diese modernen Tyrannen sind. Ihr ganzes Bestreben geht dahin , alle Religion , alle Sitte abzuschaffen und das Volk einer förmlichen Verwilderung zuzuführen. Diese Blätter haben schon einige Provencher vorgekommenen Reden geliefert; wir halten uns aber verpflichtet, dieselben durch die Rebe deS Heinrich Hoff zu vervollständigen. Dieser „edle Sohn Deutschlands" sagte: „daß man den Glauben an Gott ablegen und Jeder sich seinen Gott selbst denken müsse, den er im Innern trage, und daß ein so gedachter Gott ihm den Muth und die AuSdauer zu künftiger Erzielung seiner Zwecke auch ertheilen werde. Seine Meinung gehe ferner dahin, daß der Rhein von seinem deutschen Ursprung an bis zur Mündung mit Aristokratenblut
gefärbt werden müsse; dann erst würde ein freier Rhein eri, stiren. Wir werden die deutsche Freiheit erringen und müßte sie aus Millionen von Leichen erstehen. Religion ist ein Phantom; eS lebe der Atheismus."
Ein anderer Redner, der noch nicht so verwildert schien, wie Hoff, erwiederte: „er gebe doch dem die Ehre, der km Atheist sey — und meinte, daß nur durch die Wissenschaft, bis frei seyn müsse, die Bestimmung der Menschheit erreicht werden könne. Hoff entgegnete hierauf: „daß eS nichts dümmeres gebe, als ein Professor. Die Wissenschaft sey Dreck." Also diese Menschen werden der Jugend als Muster und Unterstützungswerth, als die „edelsten deutschen Söhne" dargestellt. Daß der oben erwähnte Korrespondent in diesen Leuten seine Kollegen steht, daß ser gleiche Grundsätze vertritt, geht aus seinem Aufsatz plan und deutlich hervor. Denn, nachdem er durch ein Wortspiel eine Persönlichkeit bezeichnet, die feinen Haß erregt, fährt er so fort: „Das Volk wird dann, wenn dereinst der Tag kommt, wo cs mit den Handlangern der Bureaukratie seine Rechnung abschlicßt, wenigstens nicht mehr fehl greifen und unter andern auch dafür zu sorgen wissen, daß den Manen seiner Lieblinge wenigstens eine heilige Scheu bewahrt werde."
Wir brauchen nicht darauf aufmerksam zu machen, daß sich unser Korrespondent, durch die Bezeichnung einer rächenden Zukunft und durch die Ueberweisung einer zugreifenden Rolle an sein Volk, sehr kenntlich gezeichnet hat.
Allein wir glauben auch den gallsüchtigen Korrespondenten der „Freien Zeitung" darauf aufmerksam machen zu müssen, daß alle G a l l k n o l l e n, wo sie sich auch immer zeigen mögen, in den Wiesen von dem Landmann verschüttet, in den Hufen der Pferde vom Schmied ausgebrannt, im geordneten Staate radikal unschädlich gemacht werden.
Frankfurt, 29. Nov. (O.-P.-A.-Z.) Gestern Nachmittag hatte ein Bahnarbeitcr in dem StationShof von Hattersheim das Unglück, durch eigne Unvorsichtigkeit von dem ankommenden Zuge so beschädigt zu werden, daß er in Folge dessen heute Nacht gestorben ist.
Homburg, 28. Nov. (D. Z.) Die Krisis ist überwunden. Aus dem Oberamt Meisenheim sind die Nachzügler in solcher Zahl eingetroffen, daß ein beschlußfähiger Landtag vorhanden ist. Die Verhandlungen werden also demnächst beginnen können.
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Darmstadt, 28. Nov. Wir beeilen uns, unseren Lesern daS Hauptresultat deS heutigen wichtigen Verdikts der Geschwornen milzutheilen. Nachdem der Hr. Präsident das zahlreich versammelte Publikum ernst zur größten Ruhe und Stille ermahnt hatte, die auch unverbrüchlich beobachtet wurde, begann die Verlesung deS mit großer Umsicht abgefaßten Urtheils in dieser weitläufigen und schwierigen Sache durch den Obmann der Geschwornen, abwechselnd mit dem hierin ernannten Substituten, um 1 Uhr Mittags und dauerte, bis 5 Uhr AbendS.
Die Frage vom selbständigen Hochverrathe wurde bei allen 67 Angeklagten verneint; ebenso die Beschuldigung der ausgezeichneten Bosheit; deßgleichen wurde die Absicht der Tödtung oder Körperverletzung der Truppen bei Allen verneint, die deren angeklagt waren. Dagegen wurde die Beihülfe deS Hochverraths durch Unterstützung des Struve'schen Unternehmens bei 6 Angeklagten bejaht. Diese erscheinen da-! durch als die am schwersten Belasteten und werden am härtesten bestraft werden.
Außerdem ist die Frage des Komplotts bei den meisten Birkenauern und einem Theil der übrigen bejaht worden. Im Ganzen wurden 48 Angeklagte für schuldig erkannt, darunter aber ungefähr 12 so gering belastet, daß sie vielleicht von dem Assisenhofe auch noch freigesprochen werden. Es fragt sich nur, ob dieser das ihnen noch zur Last Fallende schon als Versuch oder nur als bloße vorbereitende Handlung zum Verbrechen ansieht. In letzterem Falle wären sie nach dem Gesetze straffrei. 19 Angeklagte wurden von den Geschwornen ganz für nicht schuldig erklärt.
Man ersieht aus dem Allen, daß der Spruch große Milde mit der bei einem so entsetzlichen Verbrechen nöthigen Strenge paart. Besonders erfreulich ist es, daß das entwickelte schändliche Lüqentystem nicht die mindeste Rücksicht bei den Herren Geschwornen fand, im Gegentheil, daß fte auf die offenen, braven, ehrlichen und rein blos verführten Menschen bei ihrem
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