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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JVi 28S. Samstag den L. Dezember 1S49.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthumâ und Kurfurstenthnms Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Berwaltungsgebietes 8 fl. IO kr. Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» terg' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der Gothaer Ausschuß an seine Freunde.

Deutschland. Weilburg (Die edelsten Sohne Deutschlands). Frankfurt (Unfall). Homburg (Der Landtag). Darmstadt (Der Wahrspruch der Geschworenen in dem Eisenbahnprozeffe). Stutt­gart (Diebstähle). Dresden (Die Thronrede). Berlin (Großes Militäravancement. Das Wahre an der österreichischen Note. DaS Par­lamentshaus in Erfurt. Publikation des Wahlgesetzes).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Der Gothaer Ausschuß an seine Freunde.

(S ch l u ß.)

^- die österreichische Politik, welche an der innigsten Vereinigung aller Bestandtheile des KaiserstaatS unwandelbar festhält und dafür mit jedem Tage neue Belege liefert, dem Eingehen einer engeren staatlichen Verbindung mit dem übrigen Deutschland, keine Möglichkeit läßt, bedars wohl keiner wei­teren Erörterung. Ja, die Vorschläge zu einer Annäherung im Zollwesen, welche von österreichischer Seite gemacht worden sind, setzen die Neugestaltung Deutschlands neben Oesterreich sogar voraus. Das Warten auf Oesterreich ist wirklich nur noch ein Vorwand zum Gebrauche Derjenigen, welche die Einigung Deutschlands nicht wollen. So wenig die Verstän­digen sich durch die eitle Erwartung haben täuschen lassen, daß Oesterreich zu' den Formen, welche der Gesammtheit der übrigen Bundesstaaten passen, sey es mit seinen deutschen Provinzen oder mit der Gesammtmonarchie, sich bequemen könne, worüber sich Oesterreich selbst wiederholt und klar genug ausgesprochen hat; so wenig wir die Ueberzeugung geän­dert haben, daß für die möglichst innige Ve binbung zwischen Oesterreich und Deutschland ein besonderer Inhalt und eine besondere Form gefunden werden müsse, eben so wenig dürfen wir uns durch die Besorgniß, daß Oesterreich die Neugestaltung Deutschlands mit Gewalt der Waffen hindern werbe, von rem als nothwendig für Deutschland erkannten Ziele ablenken las­sen. Jene Besorgniß stützt sich bis jetzt auf Gerücht, denen die TruppcnaufsteUungcn in Vorarlberg und Böhmen zur Un­terlage dienen; sodann auf die Bedenken, welche Oesterreich! gegen die balkige Berufung des Reichstags in Berlin erhoben hat. So lange der Pariikularismus in Deutschland selbst der Einigung Hindernisse genug in den Weg legt, so lange ist für Oesterreich nicht Anlaß gegeben, thatsächlich hindernd einzu­schreiten. Ist aber der Pariikularismus soweit versöhnt, daß eine Verfassung für alle reinceutsche Staaten zu Stande kom­men kann, so wird Oesterreich seine eigenen Interessen nicht im Kriege, sondern im Bunde mit Deutschland gewahrt finden und sich einer Verständigung nicht verschließen, welche von deutscher Seite immer gewünscht und wiederholt angebahnl worden ist. Zu einer ernstlichen Besorgniß, baß die deutsche Frage eine unnatürliche Lösung durch Waffengewalt finden werde, bietet die Lage der Dinge keinen haltbaren Grund,

I nachdem Oesterreich selbst durch seine Verfassung vom 4. März daö Verhältniß seiner deutschen Länder zu dem Bunde wesent­lich geändert, das Bedürfniß Deutschlands, sich neu zu gestal­ten, anerkannt, bestimmte Vorschläge aber nicht gemacht hat, und nachdem die Andeutungen hinsichtlich der Einthcilung in sieben Gruppen, so wenig wie die Dreitheilung Deutschlands und die Rückkehr zu der Bundesakte von 1815 mit ihrem Or­gan irgendwo in Deutschland Anklang gefunden haben. Sollte dessen ungeachtet die Leidenschaft den Bürgerkrieg heraufbe, schwören, so könnte sich Deutschland der Nothwendigkeit nicht entziehen, Alles an die Rettung seiner Existenz zu setzen. Der angreisende Theil würde an der Verantwortung schwer zu tragen haben. Eine Frage aber, welche dahin ginge, ob in Folge bedrohlicher Gerüchte von einem feindseligen Auftreten Oesterreichs, die Berufung eines Reichstags unterbleiben solle, wird wohl für die Regierungen Preußens und der Vereinten Staaten, wie überhaupt für dculiche Männer, kein Gegenstand der Eröterulig seyn.

Den Vertrag vom 30. September über die Einsetzung einer Bundeskommission bis zum 1. Mai 1850, haben Viele unter uns als bedenklich, als der Sache des Bundesstaates schädlich erkannt. Und auch Diejenigen, bei welchen die Rück­sicht überwog, baß die bisherige provisorische Zentralgewalt durch eine andere, allgemein anerkannte provisorische Einrich­tung ersetzt werden müsse, wenn nicht die Ehre und die Inte­ressen des gesummten Deutschlands in hohem Grade gefährdet werden sollen, konnten sich doch mit jenem Verträge nur unter der Voraussetzung befreunden, daß gleichzeitig entscheidende Schritte sür die Herstellung des Bundesstaates geschehen. Aber weder die Einen noch die Andern können in dem Ver­trage vom 30. September ein Motiv erblicken , von dem Be­schlusse vom 28. Juni abzuweichen; ja sie werden in jenem Verträge gerade um der Gefahr einer Zweiteilung Deutsch, landö willen, die aus dem Interim erwachsen könnte, wenn die Einigung im Bundesstaate nicht zu Stande käme, nur einen weiteren Grund erblicken, mit vermehrter Thätigkeit auf die Einigung hinzuwirken. Selbst die widerstrebenden König­reiche, welche den Vertrag ohne ihr Zuthun mußten werden lassen, ohne daß sie irgend einen Anspruch auf Betheiligung bei der Leitung der deutschen Angelegenheiten zur Geltung bringen konnten, selbst die Träger und die Interessen deS Pariikularismus können sich bei diesem Vertrage nicht beruhi­gen; sie haben daher sowohl gegen eine Verlängerung der Dauer deS Interims Verwayrung eingelegt, als auch dessen Befugnisse auf ein geringstes Maß zu beschränken gesucht. Ein eitles Bemühen und leere Wünsche, wenn nicht eine Verfassung für Deutschland geschaffen, uüv der dafür einzig offene Weg durch den Reichstag betreten wird.

Der Gedanke, den Reichstag dem Interim zu opfern, und von diesem die künftige Gestaltung Deutschlands zu erwarten, geht Hand in Hand mit den Bestrebungen, Preußen in seiner deutschen Politik durch fortwährende Erweckung neuer Hinder­nisse zu lähmen; beides zu dem Zwecke, die deutsche Nation um die Verwirklichung ihreS Strebens nach Einheit, um die Bedingung eines nationalen Lebens und seiner Früchte zu bringen. ES bedarf jedoch für unsere Partei keiner Mahnung