Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung

^U 283

Donnerstag den 2S November

1849

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- .rationSpreiS ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und KurfurstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Franksurl 8 (L, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tärisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in'WieSbaden in der L. Schelleu» terg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Ein Urtheil Heckers über die badischen Revolutionsmänner.

Ueber Geld, namentlich Papiergeld.

Deutschland. Vom Scharfenstein (Die Gensdarmen). Frank­furt (Hemmung der Flußschifffahrt. Auslösung des um Hanau statio- nirten Truppenkorps). Karlsruhe (Verlängerung des Kriegszustan­des). AuS dem Weschnitzthale (Ein entschlossener Mann). Grünberg (Verweigerung des Geschworneneides). Berlin (Die österreichische Note). Königsberg (Die deutsche Flotte. Zeitungs­Beschlagnahme). Wien (Die ungarische adelige Leibgarde. Das poly­glotte Reichsgesetzblatt).

Belgien. Brüssel (Die Arbeiter).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Gin Urtheil Friedrich Heckers über die badischen Skevolutionsmânner

Die Deutsche Reichszeitung enthält einen Artikelvom kihein", dessen Verfasser Stellen aus einem Schreiben mittheilt, velcheS Friedrich Hecker von Havre aus nach Newyork rich- ete. Dieser Brief, worin Hecker die dortigen noch ungläubigen Deutschen von dem gänzlichen Fehlschlagen der badischen Revo- ution in Kenntniß setzt, hatte zur Folge, daß der projektirte

jentralverein für deutsche Freiheit nicht in's Leben trat. Hecker

jibt darin über die Führer der badischen Revolution ein so ab- > Religion (und man mußte dies nach den früheren oratorischen

älliges Urtheil ab, wie nur je eins von konservativer Seite ge- ! Prachtstücken wohl glauben), wenn sie sich bei Waghäusel,

ällt worden ist. Hecker ist verblendet genug, nicht ciuzusehen, s wo sie doch gegen 15,000 Mann stark waren, in demselben

er sich hiermit selbst sein Urtheil spricht, denn seine erste, so i Verhältniß gehalten hätten, wie jene fanatischen Hindus,

,anz verfehlte abenteuerliche Unternehmung im Oberland, seine i so daß von je 60 Mann der Ihrigen immer nur Einer Rückkehr von Nordamerika, um an einer Rrvolution Theil zu s übrig geblieben wäre, so möchten die Preußen zuletzt doch '................ " einen schweren Stand gehabt und ihren Günern auS

bloßer Achtung vor so großer Tapferkeit den Platz geräumt haben. Indeß machen wir den badischen Freihcitokämpfern keinen Vorwurf. ES war kein Zusammenstoß feindlicher Nationalitäten, sondern ein Kampf, zwar mitpreußischen" Horden, aber gewissermaßen immer doch Deutschen, die seit dem März 1848 ihr Anrecht an deutscher Einheit und Freiheit geltend machten, und außerdem nicht von pol­nischen kein Deutsch verstehenden Generalen, sondern von sehr gut deutsch verstehenden und deutsch gebornen Generalen befehligt wurden; auch waren die Kämpfer, bis auf vcr» hältuißmäßig wenige Enthusiasten, nicht von echter nach, haltiger Begeisterung oder gar von Fanatismus für einen doch ziemlich unbestimmten Begriff von Freiheit erfüllt, eS hatte sie vielmehr ein künstlich ernährter und durch künstliche und zum Theil selbst materielle Mittel unterhaltener Rausch in eine

ichmen, deren künstliche und mithin gänzlich unhaltbare Grund­agen er genauer als jeder Andere kennen mußte, seine Sucht,

ch von allen begangenen Fehlern auszunehmen, und sie den brigen RevolntionShäuptern auf die Schultern zu wälzen, oährend er ihnen doch selbst Neid und Verkleinerungssuchl um Hauptvorwurfe macht, die gänzliche frivole Gcwissenlosig- eit, mit der er über jede Reue, an dem Ruine eines bis dahin erhältnißmâßig glücklichen Landes und an dem Verderben so lianches gutmüthigen Schwärmers mitschuldig zu seyn, sich inwegsetzt, dies Alles beweist, daß Friedrich Hecker weder ein größerer Politiker, noch ein genialeres Revolutionshaupt, noch !in besserer Bürger ist, als die meisten klebrigen, mit denen er semeinsame Sache gemacht zu haben, jetzt sich schämt.

Das Frankfurter Parlament nennt Herr Hecker in diesem schreiben eineelende Belrügcrvcrsammlung", den Würtember- ern sagt er die Schmeichelei, sie hätten sich einwahres Ar- ruths- und Bankerott-Attestat" ausgestellt, und bas Volk, lämlich daö souveräne, meint er, habe sichbei Bier und Wein ix Liedern und hochtönenden Redehaltereien die Revolution stetS ur vorrenomirl". Dann kommen noch überhitzte studentische Phrasen vor, wie folgende:die Luft Europas ist die verpestete lineS stecken Greises" u. s. w. Folgende Stelle ist bemerkens, Verth:Von der Erbärmlichkeit der großen Städte haben Sie

keinen Begriff; Lie cinrückenbcn Horden (sic!) der Preußen wurden mit Jubel ausgenommen und trefflich bewirthet, wäh, rend man das republikanische Heer oft des Brodes entbehren ließ. Büreaukratie, Bourgoisie und zwei Drittel des Bauern­standes hatten entweder offene oder heimliche Feindschaft und Antipathie oder auch gar keine Sympathie für die Sache." Die Frage ist nur, was und wie viel Volk zur Durchführung einer Revolution übrig bleibt, wenn außer dem Beamtcnstande auch noch das ganze Bürgerihum und zwei Drittel des Bauern­standes von ihr nichts wissen wollen!

Hecker meint, um doch etwas Gutes an der ganzen badi­schen Revolution zu lassen, daß sich die regulären Truppen, vor allem die heldenmüthige Artillerie, neben einzelnen KcrpS der Freischaaren, namentlich den Hanauer Turnern, wie Löwen geschlagen hätten. Hierüber wollen wir mit ihm nicht streiten. Die Artillerie hat |id) gut geschlagen, aber doch nicht bis zum Aeußersten, es scheint ihr immer nur darauf angekommen zu seyn, ihre Geschütze in Sicherheit zu bringen und daher im Augenblick der Gefahr das Gefecht abzubrechen. Die fremden Oberoffiziere beklagten sich, daß ihre Leute immer nur auS der

Ferne schießen und keinen Bajonettangriff machen wollten.

Blicken wir nach Indien. Dort wagten neulich 60 Mann von den fanatischen Moplahs einen Angriff aus 2 Kompag, nieen britischer Soldaten und ließen nicht eher vom Kampfe, ab, als bis sie sämmtlich, außer (Sincm, niedergehauen waren. Wenn die badischen Truppen und Freischaaren, für die Freiheit ebenso begeistert gewesen wären, wie die Moplahs für die

Verwirrung der Begriffe gestürzt, auS der sie erst unter sehr traurigen Umständen, unter den engherzigen Republikanern der Schweiz und in den dumpfen Kasematten von Rastatt, wieder zur Ernüchterung gelangen sollten. (D. Z.)