Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

* M 282. Mittwoch den 28. November L8LS

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrLnume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. W fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« hergsschen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Eigenthümliche Beweisführung.

Ueber Geld, namentlich Papiergeld.

Deutschland. Darmstad t (Gessnnungstüchtigkeit des Dr. Löhr. Der Eisenbahuprozeß). Aus der Pfalz (Elektromagnetischer Telegraph. Militärerzeffe). Stuttgart (Ein Ausspruch Römers). Arolsen (Landtag). Altenburg (Ein Freisprechendes Urtheil). Erfurt (Freunde des patriarchalischen Regiments). Hamburg (Beitritt zum Interim). Von der Riederelbe (Bruderfinn. Rüstungen).

Wien (Der Kaiser in Prag. Broschüre von Schuselka. Theaterstück von Hebel. Eröffnung der Pesthcr Kettenbrücke. Der Kaiser).

Frankreich. Paris (Guizot. Vermischtes).

Italien. Turin (Die Deputirtenkämmer aufgelöst).

Großbritannien. London (Die Britaunia-Brücke).

Spanien. Madrid (Die Berennung von Melilla. Garibaldi).

tutionel le Formen, an kern Gesetz mehr gebun­den sey.

Ist dies der Weg, die Volksrechte und deS Volkes Vertre« tung zu schützen? Herr Geiger beharrte nichts destoweniger auf seiner Meinung und der ungünstige Eindruck seiner Ver« theithigungSgründe wurde noch erhöht, als Herr Schapper selbst das Wort ergriff und stotternd bemerkte, daß er die Worte, alle Fürsten müssen verjagt werden, wenn sie nicht nachgeben" nur in einer Vorversammlung zu seinen Nachbarn geäußert habe, wenn er sie geäußert habe, waS er nicht zugebe, daß er übrigens nur gesagt habe: die Fürsten, also ganz im Allge­meinen, also nicht die deutschen Fürsten I Dies also ist der Muth der Überzeugung unser Weltverbesserer! Und die Leute wollen mündig seyn , welche sich durch solche Führer gängeln lassen!

A Eigenthümliche Beweisführung.

Wiesbaden, 25. Novbr. In der gestrigen Sitzung deS KafsationShofes, worin über den Prozeß des Idsteiner Landes- ausschuß verhandelt wurde, erregte es unser Befremden, daß der Vertheidiger, Herr Prokurator Geiger, zum Beweise dafür, daß ein gewaltsamer Angriff auf die Verfassung des HerzogthumS kein Verbrechen sey, behauptete: Nassau habe am 10. Juni d. J. keine Verfassung gehabt, ein Angriff auf dieselbe sey also nicht möglich gewesen. Denn, so schloß er, daS Wahlgesetz sey abgeändert worben, das Wahlgesetz bilde aber das Fundament der Verfassung, wenn derselben das Fun­dament entzogen werde, bestehe sie selbst nicht mehr. Eine solche Vertheidigung, die sich auch dadurch auszeichnete, daß Herr Geiger der sogenannten Landesverjammlung zu Idstein den Charakter der höchsten Gesetzlichkeit vindizirte, ver­dient eine öffentliche Bekämpfung. Weiß Herr Dr. Geiger nicht, daß in den meisten Verfassungen die Wahlgesetze nicht einmal integrirende Theile der Verfassung sind, und sieht er nicht ein, daß selbst wenn das Wahlgesetz das Fundament der Verfassung bildete, durch Aenderung des t Wahlgesetzes die Verfassung selbst nicht alterirt, sondern ihr nur ein anderes Fundament gegeben wäre?

Entweder steht die Sache auf sehr schwachen Füßen, die sich solcher Vertheibigungsmittel bedienen muß, oder der Ver­theidiger selbst, oder beide mit einander.

Die Sache hat aber auch noch eine andere Seite. Der Staatsprokurator hatte ganz recht, als er auf jene befremdliche Behauptung erwiderie, aus derselben würdenur folgen, daß wir im Zustande der Anarchie, der Gesetzlosigkeit lebten. Ohne Verfassung läßt sich keine StaatSgcsellschaft denken. Selbst der absolute Staat hat eine Verfassung, er hat die absolute, auf der unumschränkten Machtvollkommenheit des Staatsober« * Hauptes beruhende Verfassung. Läugnet man mit dem unser# ständigen Theile der Demokraten, daß die nassauische Verfas­sung bestehe, so sagt man mit andern Worten nichts Ande, res, als daß die nass. Regierung an keine konsti,

es Ueber Geld, namentlich Papiergeld.

(Fortsetzung.)

Ungeachtet der innigen Verbindung des Geldes mit der Industrie ves Landes und dem ganzen Leben des Staates soll jedoch, wie fortgefahren wird, bei dem eigenthümlichen Charakter des Geldes und den unvermeidlichen ' Schwankungen aller Werthe und Verhältnisse die Möglichkeit nicht gegeben seyn, in dem so künstlichen Getriebe des gesellschaftlichen Lebens die ökonomischen Angelegenheiten zu regeln und die beabsichtigte Wohlfahrt zu begründen, so lange die alle Kräfte lähmende Abhängigkeit von dem Gelde bestehe, und zwar dieses sowohl aus dem inneren Grunde deS Gegenstandes, als aus prakti­schen Konsequenzen unter dem Schutze gewichtiger Autoritäten, die in dem folgenden Artikel nachgewiesen wurden. Es kommt daher darauf an, bloß aus der Natur des Geldes, und ohne Rücksicht auf alle Autoritäten, zu prüfen, in wie weit dieser Beweis geliefert worden ist.

Es wird mit der Behauptung eingeleitet . daß in einem Lande, welches mit andern Ländern nicht in Berührung komme, dagegen die nothwendigen Dinge selbst hervordrächtc und ver­brauchte, das Geld, wie wir uns dasselbe zu denken gewohnt seyen, eine völlig gleichgültige Sache seyn wird, indem ein allgemein anerkannter Stempel auf einem Stücke Holz, Leder, Blech oder Papier dieselbe Wirkung haben könnte, wovon Japan, theilweise auch China den Beweis geliefert habe. Ein solches Verhältniß läßt sich nur allerdings bei einem ganz abgeschlossenen Fichteschen Handelöstaate denken; allein immer würde doch darauf ankommen, wer diesen Stempel führte, und welchen Gebrauch er davon machte, um darin eine Garantie für den fortdauernden Werth der damit bezeichneten wertlosen Gegenstände zu finden.

Es wird deßhalb auch anerkannt, daß dieses bei uns an­ders sey, und fortgefahren, daß lange Zeit das Geld zur Ver« Mittelung aller ArbeitStheilungcn und aller Bedürfnisse aus­schließlich in den Metallen gesucht worden sey; dann sich aber in einer anderen Geldform ungeheuere Papiermassen in den Verkehr gedrängt hätten; die materielle Form, durch daS Me«