Nassauische
Allgemeine Zeitung.
J^ 280 Montag den 26. November L8LS
Dritte Ausgabe.
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Uebersicht.
Die gegenwärtige Lage Deutschland's.
Deutschland. Karlsruhe (Erklärung Andlaw's). — Köln (Eisenbahnunfall). — M ü n ster (Trauungsverweigerung). — Weimar (Der thüringische Gesammtausschuß). — München (von der Pfordten). — Berlin (Nassau tritt dem Interim bei. Drohende Note Oesterreichs. Antwort Preußens auf dieselbe). — Wien (Wiederanknühfnng der diplomatischen Beziehungen zur Pforte).
Frankreich. Paris (Peter Bonaparte).
Großbritannien. London (Eine nordamerikanisch-portugiesisch-englische
Streitfrage. Zweites Schreiben von Charles Dickens).
Die gegenwärtige Lage Deutschlands.
(S ch l u ß.) .
So steht es mit der Regierung in Bayern. Und wie steht es mit der B o lk S v er t r e tun g in Bayern? hat sie eine deutsche Politik dieser Wittelbachischen entgegengesetzt, hat sie mit der Energie die Begründung eines Bundesstaates, eine einheitliche Erekutivgewalt, ein deutsches Parlament gefordert, daS Interim getadelt? Nichts weniger als vaö, — sie hat Hrn. v. d. Pfordten ein Vertrauens- Votum gegeben; in einem unglaublich schwülstigen, alles KerneS, aller Energie entbehrenden Beschlusse, den wir seiner Zeit mitgethcill haben, wird die bayerische Politik belobt und so ganz nebenbei gesagt, sie möchte doch auch für eine „wahr, hafte, unverkümmerte Volksvertretung" sorgen. Wann und wie, daS wird der Weisheit der Regierung überlassen. So die Abgeordnetenkammer zu München. Und wie kam daS, daß diese Kammer, von der so viel zu erwarten stand, die ein solches Gewicht in die Wagschale legen konnte, einen solchen Be- schluß faßte? ES ging eben ganz natürlich zu, an Einheit war bei ihr so wenig wie im ganzen lieben Deutschland zu denken. Die Rechte fand zwar, daß Herr v. b. Pfordten dem Volke schon viel zu viel Zugeständnisse macht, aber das Interim, und daß eigentlich nichts geschehen, war ihr ganz recht. Die Linke hatte ihr „Prinzip", die Frankfurter Reichsverfaffung, da sie die nicht haben konnte, wollte sie lieber auch nichts, und ein Mißtrauensvotum wollte sie dem Ministerium nicht geben, damit nicht ein noch schlimmeres komme. Und daS Zentrum, geführt von dem Mârzministeri Lerchenfeld, fand die preußischen Vorschläge herzlich schlecht und schloß sich dem Vertrauensvotum an. Die PairS von Bayern, die hohen ReichSräthe, verstärkten dies Votum, und Herr v. d. Pfordten ruht jetzt in Tyrol auf den Lorbeeren aus, mit denen ihn die Vertreter deS bayerischen Volkes geschmückt haben.
Würtemberg hat seit dem Eintritt deS neuen Ministeriums Schlayer einen einigermaßen veränderten Stand- punkt zu der deutschen Frage eingenommen. Während der Minister Römer den Beitritt zum DreikönigSbündniß nur für den Augenblick und nicht unbedingt abgelehnt hatte, und bei diesem Minister, so wie bei der altliberalen Partei, welche bis dahin in Würtemberg die Herrschende gewesen ist, die Neigung
zum Anschluß in demselben Maße stieg, als die Aussicht auf die Zustimmung Oesterreichs zu einer parlamentarischen Ge- sammlregierunq Deutschlands sich als nichtig erwies , ist von dem neuen Ministerium Schlayer der Beitritt zum Dreikönigs- bündniß nicht mehr zu hoffen. Aber auch die neue würlem- bergische Regierung verdient den Ruhm, unter den königlichen Regierungen am entschiedensten dem Rechte des Volks auf die Gesammtvertretung das Wort zu reden. Würtemberg hat die österr.-preußische Bundeskommission nur in der Voraussetzung anerkannt, daß die definitive Ab sch ließ ung des deutschen Verfassungswerkes im Wege der Vereinbarung mit den Vertretern des Volkes sobald als möglich wieder ausgenommen werde; die würlemb. Regierung hat deßhalb die Bundeskommission auch ausdrücklich nur bis zum 1. Mai 1850, als bis zu dem Zeitpunkte anerkannt, bis zu welchem „eine deutsche Volksvertretung einberufen und über eine deutsche Verfassung eine Vereinbarung getroffen werden kann." Dieser Weg ist derselbe, auf welchen auch hie und da die demokratische Partei dringt: eS ist der Weg, mit welchem wir wieder von vorn anfangen. (W. Z.)
Deutschland.
Karlsruhe, 22. Novbr. (D. Z.) Freiherr von Andlaw erklärt öffentlich die Zeitungsnachricht, daß in Baden ein AdelS- over ultramontan-politischer Verein bestehe und er bas Haupt desselben sey, für unwahr. BeachtenSwerth ist, daß Herr von Andlaw, ohne zu widersprechen, des Gerüchtes Erwähnung thut, er habe dem Großherzog einen Abdankungsantrag überschickt. Die Umbildung des badischen HeereS findet mit Anfang Januar statt. Heute am Jahrestage der Geburt Karl Friedrichs ist sein Denkmal festlich geschmückt, und verschiedene Feierlichkeiten ehrten diesen Tag.
Köln, 23. Nov. Der gestrige Nachtzug der Mindener Eisenbahn erlitt bei Gelsenkirchen einen Aufenthalt, welcher ein großes Unglück hätte herbeiführen können. Von Böswilligen waren nämlich auf jener Strecke die Schienen aufgerissen worden. Die Lokomotive wurde zertrümmert, glücklicher Weise aber Niemand getödtet und nur eine Person schwer verletzt, indem ihr ein Bremser den Schenkel brach. Die Fahrt wurde schnell wieder hergestellt. (D. V.)
Münster, 21. Nov. (K. Z.) Dieser Tage ist der Fall vorgekommen, daß ein Katholik aus Recklinghausen wegen verweigerter Trauung mit einer Jüdin beim hiesigen Gerichte Klage führte; er ist indessen, nach Inhalt der betreffenden Paragraphen dcö LandrechtS, mit derselben abgewiesen worden.
Wkimar, 21. Nov. (D. Z.) Die Konferenz der^ Abgeordneten der thüringischen Einzellandtage hat, als sie Beschluß faßte, auf die Konstituirung eines gemeinsamen thüringischen Ausschusses hinzuwirken , zugleich auf die Mittel für diesen Zweck Bedacht genommen. Die in die Heimath zurückkehrenden Abgeordneten werden, wo die Landtage nicht versammelt