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rathen haben, als sie vernahmen, daß der Reichstag nunmehr alsbald definitiv ausgeschrieben werden würde. Sie haben diese Mittheilung gestern Nachmittag sogleich nach Hannover und Dresden telegraphiren lassen. Sie erstaunen, daß Preußen isich doch geschämt hat, vor ihren Warnungen und Oesterreichs freundschaftlichem Zureden von seinem verpfändeten Worte und seinem historischen Berufe zurückzutreten.

Berlin, 21. Nov. (Köln. Z.) Nach langen Verhandlun­gen ist nunmehr auch der Tag für den Zusammentritt deS Reichstages definitiv festgesetzt worden. ES ist, wie wir auS bester Quelle vernehmen, der 1. März k. I., an welchem bie Er öffnung in Erfurt erfolgen soll. Die Wahlen wer­fen, wie mehrfach erwähnt, am 31. Januar nach einem in diesen Tagen zu publizirenden Wahlgesetze im ganzen Lande flattfinden. Man hofft nunmehr, daß bis zu dem angegebenen Zeitpunkte die hiesigen Kammern, deren Vertagung wegen des abgelaufenen Wahlmandats ver ersten Kammer ohnehin im Februar erfolgen muß, ihre wichtigsten Arbeiten werden erle­digt haben. Dadurch erhalten dann die Mitglieder derselben, so wie auch daS Staatsministerium, zureichende Muße, um alle prüfte auf die deutschen Verhandlungen zu verwenden. Uebri- aens hat es der diesseitigen Regierung, wie man hört, große Mühe gekostet, um den Verwaltungsrath dahin zu disponiren, haß er Erfurt zum Sitze deS Reichstages bestimmte.

Tilsit, 16. Nov. (D. Z.) Eine Räuberbande, deren Stärke lauf 5075 Mann geschätzt wird, beunruhigt die Gegend gegen die russische Gränze hin. Der Anführer wird Raudons Cro, Unus genannt und die von preußischer Seite gegen die Räuber aufgebotene Macht besteht auS 6 GenSdarmen, 20 Dragonern und einer Kompagnie Füsiliere. Dennoch zweifelt man, ob diese Truppen hinreichen werden, dem Unwesen ein Ende zu Machen. Die GenSdarmen wenigstens können keine nächtliche Runde machen, ohne Waffen und Pferde aufs Spiel zu setzen. Raudons Crotinus soll mit der russischen Gränzbesatzung auf gutem Fuße stehen, obschon er gerade drüben im Russischen feine Räubereien ausführt.

Prag, 19. Nov. (A. Z.) Heute Morgens 8 Uhr verkün­deten Kanonen- und Böllerschüsse, daß Se. Mas. der Kaiser sich auf der Eisenbahn Prag nähere. Da ward denn das lebendigste Treiben aus den Straßen: Repräsentanten der Behörden und des Militärs, Stadtverordnete, die Zünfte mit Musik und Fahnen, Na­tionalgarden rc. eilten auf den Bahnhof, um ihn festlich zu be­grüßen. Die Häuser in deu Straßen, durch welche der Kaiser mit Gefolge kommen sollten, wurden mit schwarz-gelben, weiß­rothen Fahnen, mit Kränzen, Teppichen rc. geziert. Um 1 Uhr Mittags kam der von den Bewohnern Prags so lang ersehnte fugentliche Herrscher an und wurde mit herzlicher Freude em­pfangen. Morgen wird die Stadt glänzend beleuchtet werden. Nach mehreren nebelvollen Tagen ist heute einer der heitersten sonnigen Wintertage erschienen, der das rege Leben auf den Straßen ungemein begünstigt. ES heißt, daß der Monarch die Fahrten auf der Prag-Dresdener Eisenbahn bis Lobositz er­öffnen wird.

Wien, 19. Nov. Dem Vernehmen nach soll derZeitungs- Pempel, der in der neueren Zeit nur auf einzelne Journale -sich erstreckte, nun allgemein eingesührt werden. Se. Maj. der Kaiser ist gestern Nachts von hier nach Prag abgereist. Wie eben verlautet, soll der arme Nicolaus Lenau mit Tod abgegangen seyn. Wir danken dem Geschick, wenn die Sage -sich bewahrheitet.

Triest, 15. Nov. Neuere Berichte aus Oran vom 3. Nov. Melden das entsetzliche Wüthen der Cholera daselbst. Die enorme Hitze, wodurch die Krankheit mehr und mehr gesteigert wor­den war, hatte seit dem 25. v. MtS. fortgedauert, und am 3. d. Mts. zählte man bereits 2000 Opfer der Seuche bei einer Bevölkerung von 25,000 Seelen. Von Geschäften und Han, chelSrelationen ist unter solchen Umständen natürlich gar keine Mede. Wer da gekonnt, hatte sich geflüchtet, und alles im Stiche gelassen. Vom eben eingetretenen Regenwetter hoffte man Rei­nigung der Luft und sonach ein Abnehmen deS Uebels. Heute ist der verspätete Dampfer aus Griechenland hier eingetroffen, ohne uns übrigens Neuigkeiten von besonderem Belange zu -überbringen. Die Provenienzen auS unserem Hafen waren der Cholera wegen in Griechenland der Quarantäne unterworfen Morden, daher schreibt sich die Verzögerung.

Ungarn.

Nahe an 300 Bürger der Stadt Pesth haben dieser Tage dem F.Z.M. Haynau ein prachtvolles Album überreichen las­sen , unter dem mit kalligraphischer Eleganz auSgeführten Titel:Weihetöne des Dankes und der Freude, Sr. Erzellenz dem hochverehrunaswürdigen Helden, Sieger und Besreier vom ungarischen Jnsurgentenjoch, Baron v. Haynau, k. k. Felbzeugmeister rc., dargebracht von den gutgesinnten Bürgern der Stadt Pesth.

Großbritannien.

London, 17. Novbr. DieBristol Times" schreibt: DaS deutsche KriegsdampfbootJnca"*), von Hrn. Patterson ge­baut, hat vorigen Dienstag seine erste Probefahrt gemacht. DaS Schiff ist nach den Zeichnungen des Flottenkapitäns Morgan und des Hrn. W. Morgan gebaut, 167 Fuß lang und 628 Tons altes Maß groß. Sie hat Schooner-Takelage und wird eine Besatzung von 65 Mann ohne Offiziere haben. Sie ist mit zwei Maschinen von Miller, Ravenhill u. Komp, mit oS- zillirenden Zylindern und doppelten Kesseln versehen, hat also zwei Schornsteine. Die Glätte, mit der ihre Maschinen arbei­ten, erregte das Lob der anwesenden Techniker. Die Räder sind kleiner als gewöhnlich, und haben nach dem Morgan- Prinzip gefiederte Spreichen, durch welche kein Wellenschlag verursacht und also die Fortbewegungskrast vermehrt wird.

Das Fahrzeug wurde von Kapitän Reuß von der deutschen Marine kommandirt; es fuhr bei einem äußerst Heftigen-Sturm aus W. N. W. den Kanal hinunter; gleichwohl und trotz einer sehr hohen conträren See machte die Maschine 29 Revo­lutionen in der Minute und das Schiff machte 6V, Knoten per Stunde. Alle Seefahrer spendeten der Haltung des Schiffes unter so schwierigen Umständen unbedingtes Lob; sie erklärten es fürsehr lebhaft", dem Steuer folgsam und der See nach- gebenv. Die Rückfahrt (8 geogr. Meilen) machte dieJnca" in 3*/4 Stunden.

Das Handelsamt veröffentlicht so eben die neueste seiner monatlichen Uebersichten des britischen Handels, die fernere sehr günstige Resultate liefert. Es wäre kaum zulässig, einen Ver- gleich zwischen diesem Jahr 1849 und dem so abnormen Jahre 1848 anzustellen, aber selbst eine Vergleichung mit früheren Jahren zeigt eine bedeutende Zunahme der Ein- und Ausfuhr. So übersteigt die Konsumtion von Thee in den verflossenen neun Monaten des Jahres 1849 die für den gleichen Zeitraum von 1845 um 474 Mill. Pfund, deßgleichen von Zucker um 630,000 Zentner, von Taback um 4'/^ Mill. Pfund. Die Ein­fuhr von Lebensmitteln, Fleisch 2 hat sich vervierfacht. Dieses letztere Faktum werden die Protektionisten freilich kaum als ein günstiges Resultat gelten lassen. Als ein solches läßt sich dagegen schließlich noch erklären, daß 1849 2684 britische Schiffe mehr aus diesen Häfen ausgesegelt sind, wie 1845.

Einem wohl wenig beglaubigten Gerüchte zufolge, welches derStandard" mittheill, soll der Sultan einen Ferman aus­gestellt haben, welcher das Einlaufen der britischen Flotte in die Dardanellen gestattet und die Flotte demzufolge in Konstan­tinopel erwartet werde.

Italien.

Rom, 9. Nov. Die N. Z. Z. enthält die, für die ganze Kunstwelt (wenn sie sich bestätigt) hochwichtige Nachricht, daß bei den neuesten Nachgrabungen in Travestere man die herr­liche, von Plinius beschriebene Statue des Badenden von Lysippos ganz unversehrt gefunden und dieselbe zu Apollo, Merkur, Laocoon und Herkules in den Vatikan gebracht.

*) Wie kann man ein deutsches Kriegsdampfboot ,Lnca" taufen!

Verantwortlicher Redakteur; W. H, Riehl.