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Rastatt, 18. Nov. Einiges Aufsehen machte vor kurzer Zeil in gewissen Kreisen die Herausforderung, welche ein aus den Kasematten entsprungener Franzose an den Adjutanten des Kommandanten und einen badischen Beaufsichtigungsoffizier von Selz herüberschickte. Das eine Kartel war unterzeichnet, ein Hauptmann des Freiheitsheeres" und wurde natürlich nicht berücksichtigt. Auf das andere, welches mitN. Lieut. der französischen Nationalgarde" unterzeichnet war,^stellte sich der Geforderte zum Rendezvous ein, fand aber den Ausforderer nicht vor. Endlich an der Wirthstafel aufgefunden, machte der­selbe so leere Ausflüchte, das er vor dem Unwillen seiner eigenen Landsleute sich aus dem Staube machen mußte. Der Mann war ein Buchbindergeselle, welcher wohl nur in der Hoffnung auf Nichtbeachtung seiner Schreiben auf wohlfeile Art sich zum Helden stempeln wollte. (S. M.)

Rastatt, 20. Novbr. Von heute an können unsre Thore wieder ohne Schein passirt werden. Diese sehr angenehme, den Verkehr erleichternde Maßregel »er Aufhebung der Passir­scheine verdanken wir ohne Zweifel der bedeutenden Lichtung, welche vom badischen Kriegsministerium unter den Gefangenen angewendet wurde, so daß der nicht mehr so zahlreiche Rest der hiesigen Gefangenen die erschwerenden Paßvorschriften un» nöthig gemacht hat.

Karlsruhe. (D. Z.) Das Ehrengericht über die Offi­ziere hat seine Sitzungen begonnen. Zuerst hat eS die Akten der Mitglieder des Ergänzungsgerichtes, dann dieses die Akten deS Ehrengerichts selbst geprüft. Zunächst nun werden wie verlautet, die Meldungen der nicht betheiligten Offiziere vor­gelesen, dann die Betheiligten der Reihe nach im Verhältnisse ihrer zunehmenden Betheiligung vorgeladen. Jedoch wird, auf Veranlassung des Kriegsministeriums, der ein allgemein ge­achteter Mann und dessen rechtliche und billige Ansichten be­kannt sind, bei dem ganzen Gericht sehr versöhnlich zu Werke gegangen werden.

Einer soeben veröffentlichten Fortsetzung des amtlichen Verzeichnisses der Urtheile der badischen Standgerichte ent­nehmen wir, daß im Monat September und Oktober 27 Ur­theile gefällt worden sind, von denen 22 auf 10 Jahre Zucht­haus, zwei auf Tod, drei auf Verweisung vor den ordentlichen Richter und eines auf Freisprechung lauteten.

Berlin, 19. Nov. Wie wir hören, hat der deutsche Ver­waltungsrath beschlossen, daß die Wahlen der Abgeordneten für den Reichstag in den sämmtlichen verbündeten Staaten am 31. Januar 1850 statthaben sollen. Die Wahl der Wahl­männer ist auf 8 Tage früher anberaumt. Da die Durch­führung der Wahlbestimmungen für den preußischen Staat in Bezug auf die festzusetzende Frist dem Minister des Innern anheimgegeben ist, so dürfte in Betreff der Wahlen für den Reichstag in Preußen noch früher vorgeschritten werden, als eS vom deutschen Verwaltungsrath bestimmt worden ist.

In Bezug auf die von der Demokratie beabsichtigten Schritte erfährt man, daß unsere Regierung solche Vorkehrun­gen getroffen und solche gemessene Befehle an die betreffenden Behörden erlassen hat, daß die sofortige entschiedene Unter­drückung einer etwa versuchten Erhebung zu erwarten stehen dürfte.

Stettin., 17. Nov Die gerichtliche Untersuchung über die Unthäligkeit unserer Marine bei Gelegenheit der seiner Zeit erwähnten Kaperei seitens der Dänen vor dem Hafen von Swinemünde ist nun beendigt; denn gestern ist das'kriegSge- richtliche Urtheil über den Marinelieutenant erster Klasse, Jach­mann, gesprochen worden. Natürlich verlautet über den In­halt desselben so lange nichts, als dasselbe von Sr. Majestät noch nicht bestätigt ist. (Nd. Z.)

Hamburg, 18. Nov. Endlich hat der Senat, bei dem die Untersuchungsakten schon vor längerer Zeit eingereicht worden sind, gegen die Anreger der bedauerlichen Erzesse vom 18. August das Urtheil gefällt. Dasselbe ist so ziemlich mild ausgefallen. Der meist Gravirte, ein Tambour deS Bür­germilitärs, ist zu zwei Jahr Zuchthaus konbemnirt worden.

Wien, 17. Nov. Die Abstellung der TodeSurtheile wegen politischer Vergehen wird auch in Italien berücksichtigt. In Venedig , wo der Caffeticre Giuseppe Manzelli veS Verbre­chens, einen Dolch zu besitzen, geständig und überwiesen, und

Giuseppe Catturan im Besitze eines Messers und einer Quan­tität Pulver befunden, war Ersterer zum Tode durch Pulver und Blei, und Letzterer zu zwei Jahren Kerker verurtheilt. Der Gouverneur milderte die Todesstrafe bis auf dreimonat­lichen Kerker und die zweijährige Kerkerstrafe in sechswöchent- licheS Gefängniß. Diese Milde wird so verruchten Verbrechen gegenüber, wie der Besitz eines DolcheS und eines Messers, gewiß eines tiefen Eindrucks nicht verfehlen.

Wien. Einen neuen Beweis, wie sehr die vormärzlichen Zustände in Oesterreich wieder aufleben, ist folgender von dem Konst. Bl. a. Böhmen aus Salzburg mitgetheilter Vorfall. An dem dortigen Hauplzollamte - erlaubten sich Mauthbeamte aus einem von Bayern her eingeführten Bücherballen Druck, schriften zurückzuhalten, welche ihnen nicht konservativ genug schienen. Der Buchhändler, dem sie zugesendet waren, erhob Beschwerde, aber statt Abhülfe zu gewähren, forderte vielmehr die Behörde denselben auf, dergleichenbedenkliche Schriften" von selbst dem Publikum vorzuenthalten. Der Buchhändler hat sich jetzt an das Ministerium gewandt, auf dessen Entschei­dung man sehr gespannt ist.

Belgien.

Brüssel, 17. Nov. Der heutigeMessager de Gand" meldet:Wir vernehmen mit lebhafter Befriedigung, daß am Montag mehrere Fabriken auf daS eigene Begehren der Ar­beiter, welche dafür bürgen wollen, auch noch viele andere zum Wiederarbeiten zu vermögen, wieder in Thätigkeit treten werden.

Wir hoffen, daß man, da die Arbeiter ohne Bedingungen zurückkehren, ihnen alle mit den Dringlichkeiten der Konkur­renz verträglichen Zugeständnisse machen wird. Eines der­selben, zu dem wir die Fabrikanten geneigt glauben, ist die Beschränkung der täglichen Arbeitsstunden auf zwölf, jedoch mit Beseitigung deS halben Feierns am Mittage. Für Btr Arbeiter selbst, wie für ihre Familien, wird diese Aenderung sehr wohlthätig seyn." (K. Z.)

Frankreich.

Paris, 18. Nov. Der Zwiespalt, welcher in der Ma­jorität der Kammer herrscht, tritt immer deutlicher hervor. Die Legitimisten, welche sich in der letzten Sitzung bei Gelegenheit der Debatte über die Gehalterhöhung des Vizepräsidenten an den Bonapartisten rächten, werden ihren Kampf gegen die­selben fortjetzen. Die nächste Folge wird aber seyn , daß der Präsident der Republik auch gegen sie schonungslos auftritt und allmählich die legitimistischen Elemente, die sich noch in einzelnen Verwaltungen r finden, entfernt. Je weiter aber die Kluft wird, die schon jetzt zwischen den Bonapartisten und Le­gitimisten besteht, desto rMcr, sind wir einer großen Katastrophe, bei welcher sich um r Fortbestehen, der Republik handelt, und die entweder Louis Napoleon eine größere Machtbefugnis (mit einem andern Titel) gewährt, oder ihn ganz stürzt. Das in die Geheimnisse deS Elysee eingeweihte Journalder 10. Dezember" denkt bereits an die Möglichkeit, daß man sich eben ganz der Kriegsparthei in die Arme werfen müsse. Die Rolle des Hrn. ThierS ist seit einigen Wochen eine râthselhafte. Zweideutig war dieselbe von jeher, und aufrichtig zugethan war der Ermnüster noch keiner Regierung. Sein zurückhalten­des Betragen und seine Mißhelligkeiten mit demConstitulio- nell" lassen auf neue Manöver von seiner Seite schließen. Uebrigens wollen viele behaupten, er sey in diesem Augen­blicke mit sich selbst uneinig, ob er der orleanistischen Parthei treu bleiben ober sich den Kaiserlichen in die Arme werfen solle.

Allgemeine Befriedigung gewährt der Vorschlag deS Fi­nanzministers, die Advokaten einer Patentsteuer zu unterwerfen und dafür der letzter» Klasse der Patentpflichtigen, die größten- theilS aus dürftigen Handwerkern besteht, eint' Ermäßigung zu gewähren. Nach einem Beschlusse der Bank muß nun jede Zahlung unter 5000 Franken in baarem Gelbe bezahlt werden. Der Baarfond dieser Anstalt ist so außerordentlich angewachsen, daß man auf Mittel sinnen muß, dem Gelde mehr Zirkulation zu geben.