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den sind, und daß man zu einer besseren Einsicht gelangt ist. Ohne daS Eine oder Andere könnte der Hr. Doktor, wie es den früher hier Kreirten geschehen ist, in Gefabr kommen, von Diesem oder Jenem für einen katholisch illegalen angesehen zu werden.

Kassel 17. Nov. (K. Z.) Unsere Linke scheint es jetzt vorzugsweise auf Hrn. v. Wintzingerode, den Vorstand des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, abgesehen zu haben. Die von ihm gegengezeichnete Verordnung über das vorläufige Bundes - Schiedsgericht wird den ersten, und das Interim, welches allem Anscheine nach ohne zuvorige Zu­stimmung der Stände erledigt werden wird (wenigstens ist eine dessallsige Mittheilung an die Stânde-Versammlung noch immer nicht erfolgt), den zweiten Gegenstand abgeben. Einst­weilen hat Hr. Bayrhoffer einen Antrag auf Untersuchung der Verfassungs - und Gesetzmäßigkeit" deS Anschlusses an das Drei-Königs Bündniß und der erwähntenVerordnung", so wie auf Herstellung desverfassungsmäßigen Zustandes" gestellt. Die Begründung ist noch nicht erfolgt, wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach auf nichts anderes, als auf eine Anklage abzielen. Man wird es an endlosen und giftigen Er- pektorationen nach bekannter Melodie nicht fehlen lassen. Die Rechte wird siegen, aber die Linke wird in acht Tagen von Neuem anfangen.

Die Aussichten für die Friedrich-Wilhelm-Nordbahn sind vortrefflich; die Main-Weserbahn naht ihrer Vollendung, der Anschluß an die Köln-Mindenerbahn ist gesichert, eine weitere Verbindung bei Bückeburg wird projeklirt; die Bahn zwischen Eisenach und Coburg wird ernsthaft inS Auge gefaßt; was kann man Günstigeres für die künftige Stabilität verlangen?

Nach Briefen aus Stuttgart vom 19. war die auf diesen Tag anberaumte Versammlung von Abgeordneten der Oppo­sition von etwa 30 Abgeordneten (der Hälfte der Kammer) be­sucht. Es wurde eine Eingabe an die Staatsregierung (von Moritz Mohl verfaßt) beschlossen, worin um Zurücknahme der den Eid des Gesetzes vom 1. Juli ändernden Verordnung ge­beten wird. Ueber die weitern Verhandlungen, ,vb die Abge­ordneten den neuen Eid schwören und eintreten sollen oder nicht, wurde zunächst im Publikum nichts bekannt. Uebrigens glaubt man, baß der Eid von der Mehrzahl geleistet werden, diese aber ihre Protestalion wegen Verfassungsverletzung un­mittelbar erheben werde.

Weimar, 16. Nov. Am 17. Nov. werden sich Abgeordnete der thüringschen Landtage zu einer vertraulichen Besprechung über die thüringsche E in ig u ng s fra g e hier in Weimar versammeln. Die größern oder geringern Aussichten für das Zustandekommen eines gemeinschaftlichen thüringischen land­ständischen Organs für Gesetzgebung werden von Einfluß da­rauf seyn, ob der Landtag sich noch entschließt, die gemeinsamen Gesetzentwürfe der Ministerialkonferenzen im Ganzen mit Vorbehalt einer künftigen Revision durch jenes Organ jetzt anzunehmen.

Berlin. Bekanntlich hatten Preuß. Blätter mit einigem Befremden auf einen Finanzansatz hingewiesen, der bei Ge­legenheit der von den Kammern geforderten Bewilligungen für Elsenbahnbauttn zum Vorschein kam. Die Erklärung wird jetzt gegeben. DiesesRothschildsche Anlehen", dessen Kosten in jenem Finanzansatze verzeichnet waren, rührt aus früherer Zeil her und war deßhalb gemacht, um einen unzeitigen Ver­kauf von StaatSschuldscheinen zu vermeiden, aus welchen der Eisenbahnfonds bestand, dessen Mittel in Anspruch zu nehmen waren. Durch den späteren Verkauf der Staatspapiere ward das Anlehen wieder getilgt.

Berlin, 17. Nov. ES liefern in diesen Tagen wieder mannichsache Gerüchte um, welche die schon längere Zeit an­dauernde Schwüle immer mehr gesteigert haben. Sie galten zum Theil unsern innern Angelegenheiten, zum Theil der deutschen Frage. Es hieß, das vom Ministerium beschlossene AuSichrelben der Wahlen zum Erfurter Parlament sey bei der königl, Unterzeichnung auf Hindernisse gestoßen; man sprach von Konflikten, welche eine Ministerkrisis als sehr wahrschein, lich in Aussicht stellten. Es wird mir aus zuverlässigster Quelle die Mittheilung, daß alle diese Annahmen der Begründung entbehren und Hr. v. Ravowitz, der noch hier verweilt, in kürzester Zeit mit dem vollzogenen Wahlgesetz in Frankfurt einzutreffen gedenke.

Der Prozeß Waldeck'S, bemerkt die Konstitutionelle Korrespondenz, wird mehrfach und namentlich von Seiten der oppositionellen Partei als eine von der Regierung unmittelbar ausgegangene Operation gegen die Demokratie dargestellt. ES beruht dies auf einer gänzlichen Verkennung derjenigen staat­lichen Institutionen, welche als eine Konsequenz des konstitu, Novellen Systems betrachtet werden müssen. Der Staatsan­walt prüft in voller Selbständigkeit das ihm vorliegende Mate­rial und entscheidet lediglich auf Grund feiner eigenen Ueber­zeugung über die Statthaftigkeit der Anklage. So hat er denn auch in dem vorliegenden Falle die erforderlichen Materialien von den betreffenden Behörden selbst requirirt und von der ihm in Folge des damaligen Belagerungszustandes eingeräumten Befugniß, Verhaftungen zu dekrctiren, Gebrauch gemacht. Noch auffallender muß es aber erscheinen, daß man die Schritte im Prozeß Waldeck ausschließlich mit den Absichten der Regierung itendifiziren will, wenn man bedenkt, daß die Ansicht deS Staatsanwalts noch von einem Anklagesenat unabsetzbarer Richter geprüft, und daß ihr nur nach ausdrücklicher Beistim­mung deS legiern Folge gegeben wird. Dies ist hier gesche­hen, und wenn man dennoch behaupten wollte, daß der Ein­fluß der Regierung in solchen Fällen noch immer maßgebend sey, so hieße das nichts Anderes, als von den konstitutionellen Institutionen überhaupt behaupten, daß sie nicht genügend seyen, die Sicherheit der Staatsbürger gegen Willkür zu schützen.

Die Mittheilungen des statistischen Bureaus in Berlin bringen den Schluß der Uebersicht der im preußischen Staate im Laufe des Jahres 1848 an der Cholera Gestorbenen, verglichen mit der Anzahl der an derselben Seuche in den Jahren 1831 , 1832 und 1837 Gestorbenen. Es ergibt sich daraus, daß die meisten Choleräfälle auf daS Jahr 1832 kom­men, die wenigsten auf bas Jahr 1848. Aber andere Krank­heiten wurden 1848 den Menschen weit gefährlicher; denn in 1831, 1832 und 1837 waren tiefe Verhältnisse ziemlich gleich geblieben; zwischen 3500 bis 3600 waren von 100,000 Leben­den an gewöhnlichen Krankheiten gestorben, wogegen 1848 über 5000.

Berlin, 15. Nov. Die Kirchenfrage hat die zweite Kam­mer seit drei Tagen beschäftigt, ist aber jetzt in wenig vorher­sehbarer Weise so erledigt worden, daß sämmtliche Revisionen der ersten Kammer verworfen und die ursprüngliche Fassung der Artikel der Verfassung vom 5. September mit wenigen Abänderungen hergestellt wurden. Der Minister deS Kultus nahm dabei eine merkwürdige Stellung dadurch ein, daß er gegen die Abänderung der ersten Kammer sprach und dafür stimmte, sammt allen andern Ministern, aus dem Grunde, weil Konflikte mit der ersten Kammer vermieden werden, und eine große, achtbare, strengreligiöse Partei im Lande Sicherheit für Aufrechthaltung des Christenthums verlangte. Ser Artikel 11 fiel daher auch nur mit Stimmengleichheit (152 gegen 152), als er aber verworfen war, alle übrigen mit bedeutenden Ma­joritäten. Es ist daher nun die Religionsfreiheit garantirt, aller Einfluß auf die politische Gleichberechtigung ausgeschlossen, aller Einfluß des Staates auf die Kirchenangelegenheilen, so­wohl die inneren wie äußeren, aufgehoben, die Kirche demnach in allen ihren Verhältnissen und Entwickelungen durchaus frei und selbstständig hingestellt.

Wie nun dazu die Schule sich verhalten soll, wird sich bald zeigen. Hier hat sich seit einigen Wochen schon eine freie Schule gebildet, an deren Spitze ein bekannter Demokrat, der Dr. Edler, getreten ist, welcher alle Männer von seiner Ge­sinnung auffordert, ihm ihre Kinder zur Erziehung zu über­geben. Daß Schulen nach den verschiedenen politischen und religiösen Parlheien bald in Fülle entstehen werden, darf man voraussehen. (!) Ein Verein von wohlhabenden und angesehenen Männern sammelt ein Aktienkapital, um eine Schule im großen Styl anzulegen, und will diese unter Leitung eines der ge- achtetsten und bekanntesten Volksschulmänner, unter Diester- weg's Leitung, stellen.

Hamburg, 15. Nov. Man will wissen, daß einige schles­wig-holsteinische Notabilitäten sich Mühe gegeben haben, einige bedeutende ungarische Offiziere anzuwerben, um sie für den Fall eines wiederausbrechenden Kriegs an ihre Spitze zu stel­len. Hoffentlich wird man bei einigem Nachdenken diesen un, glücklichen Gedanken wieder aufgeben: die edle Sache der Herzogthümer würde dadurch in das verderbliche Wirrniß der europäischen Revolutionspropaganda gezogen, was alle Kabi« nete begierig ergreifen würden, um sich ganz davon loszusagen.