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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^L 277. Donnerstag den 22. November 1849.

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Mainz (Der Wafferstand des Rheins). Frankfurt (Die Aufregung in Heffen-Homburg). Darmstadt (Der Kirchen­teufel). Bonn (Eine theologische Promotion). Ka ssel (Minister v. Wintzingerode. Die Friedrich-Wilhelm r Nordbahn). Stuttgart (Die Abgeordneten der Opposition). Berlin (Das Rothschilds Anlehen. Angebliche Ministerkrisis. Der Prozeß Waldeck's. Die Sterb­lichkeit. Die Kirchenfrage. Die Freiheit der Schule). Hamburg (Ungarische Offiziere für das schleswig-holsteinische Heer). Wien (Feiertag. Die ungarische Krone).

Schweiz. Bern (Die Flüchtlinge),

Frankreich. P a r i s (Die Deportation. Vermischtes).

Amerika. Washington (Die Kanalisirung der Landenge von Panama.

Der Kongreß).

Süd-Australien. (Deutsche Ansiedlungen).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Zeitungsschau.

Das neue Wiener Journaldie Reichözeitung" fühlt sich heute bewogen, seinem gestrigen einleitenven Artikel, welcher Niemand seine eigentliche Richtung errathen ließ, eine deut­lichere Erklärung nachzusenden. Auf die Frage: ob ministeriell, ob nicht, antwortet sie:Wir sind gouverncmental: Anhänger und Freunde einer Regierung, welcher Oesterreich mehr bedarf, als fast jeder Staat; aber wir sind nicht ministeriell im engen Sinne des Wortes, wir sind nicht Anwälte und Vertheidiger um jeden Preis. Wir werden, so lange die Regierung ihrem leitenden Gedanken treu bleibt, ihre freiwilligen Vertreter, niemals aber Werkzeug seyn. Wir sind überzeugt, daß wir auf diesem Wege von der Zustimmung Tausender begleitet sind, welche vollkommen unabhängig von der Regierung, die Nothwendigkeit einer starken und intelligenten Staatsgewalt kennen gelernt haben. Unser Ziel wird es seyn, diesen Gleich­denkenden zu organisiren, das Wort gesetzlichen Fortschrittes und friedlicher Entwickelung überall auszusprechen." '

Deutschland.

Mainz, 20. Nov. Der Wasserstand des Rheins ist so gering, daß beim Eintritt des Frosts die Schifffahrt wohl, wirb aufhören müssen.

Frankfurt, 17. Nov. (A. Z.) Einige Journale lassen österreichische, andere preußische und hessische Truppen in die Landgrafschafl Hessen-Homburg auf den Hülferuf des Fürsten dieses kleinen StaatS cingerückl seyn, um die drohende Aufregung, welche sich dort kundgebe, zu dämpfen und die

Ausführung des AbdikationsprojektS des bejahrten, unver- mählten Landgrafen, des Letzten seines Stammes, zu sichern.

An allen diesen Gerüchten und Behauptungen ist kein wahres Wort, mit alleiniger Ausnahme des Umstandes, daß in der Landgrafschaft Hessen-Homburg bei einigen Klassen der Ein­wohner eine Aufregung herrscht. Bei der großen deutschen Märzbewegung waren auch die Patrioten in Homburg nicht unthätig geblieben, und die Wirthe, Metzger und Bäcker hatten durch friedliche Demonstrationen, welchen damals kein Wider­stand entgegenzusetzen war, den Landgrafen vermocht, die Auf­hebung der Akzisen zu bewilligen. Das Homburgische Volk hat jedoch seitdem nicht den geringsten Vortheil davon gezogen, wohl aber die Homburgische Staatskasse einen für sie sehr empfindlichen Nachtheil crl.tien ; sie hat jetzt, wie verlautet, ein Defizit von ungefähr 100,000 Fl., was für diesen Duodezstaat schon eine Sache von Bedeutung ist. Der Landgraf hat nun­mehr durch ein Edikt die Akzisen wieder eingeführt. Darüber sind natürlich Bäcker, Metzger und Wirthe in Bewegung ge­rathen: eine Deputation brachte dem Landgrafen seine in der Märzperiode ertheilten Zusagen in Erinnerung; er aber be­merkte, nur ein gebieterischer Drang der Umstände habe ihn damals zu solchen Zusagen bewogen; wenn er die Akzisen jetzt wieder Herstelle, so thue er dies keineswegs zu seinen eigenen Gunsten, sondern lediglich im Interesse aller Staatsbürger, damit dieselben nicht mit neuen Steuern zu belasten seyen, und damit ein drückender Ausfall in den Staatseinnahmen verhütet werde; er entließ die Deputation mit den Worten:Ich werde Schutz finden." An eine Abdikation, welche den Verträgen ge­mäß Homburg an Hessen-Darmstadt, und das große und reiche Amt Meisenheim an Preußen brächte, denkt der Landgraf nicht im entferntesten.

Darmstadt, 19. Nov. Wir erhalten so eben aus Michel- stadt die Nachricht, daß der kaum erst in den Odenwald vor­gerückte KirchenteufelLuzifer" schon wiederum an seinen Rück­zug um deßhalb zu denken sich nothgedrungen sehe, weil die dortige Druckerei von Delp von dem ferneren Druck und Verlag dieses Blattes abzustehen für angemessen befunden haben soll.

Bonn, im Nov. Dieser Tage ist bei der hiesigen katho­lisch-theologischen Fakultät, und zwar unter dem Prof. Die- ringer, als dem diesjährigen Dekan, endlich wieder einmal eine Promotion vorgekommen. Der Hr. Genèralvicar Baudri in Köln ist wegen seiner Verdienste um Kirche und Staat und um Förderung der theologischen Wis­senschaft honoris causa zum Doktor der Theologie kreirt worden. Dieser offizielle Akt ist nicht ohne große Bedeutung. Er liefert den klaren Beweis, daß die Bedenken, welche, wie zur Zeit referirt wurde, hinsichtlich des PromolionSrechlS dieser Fakultät von Mitgliedern derselben erhoben, und selbst bis zu den Stufen deS päpstlichen Stuhles gebracht worden, entweder beseitigt oder in ihrer Nichtigkeit anerkannt worden seyn müssen. Ohne Zweifel wird man nun entweder die päpstliche Ermäch­tigung zur Vornahme von Promotionen publizirenoder end­lich es hoffen und ehrlich auSsprechen, daß die früheren Be­denken bezüglich dieses Rechtes als unbegründet anerkannt wor-