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Großbritannien

London, 15. Nov. Der heutige Tag, an welchem in den Kirchen das Dankgebet wegen deSÄufhörenS der Cholera statt- findet, wird als Festtag begangen; der königl. Proclamation zufolge ruhen alle Geschäfte, alle Läden sind geschlossen, die Dampfschiffe stehen still und die Themie bietet einen fast uner­hörten Anblick der Stille und Ruhe. Die Kirchen sind aus. nehmend stark besucht und die Geldsammlungen für die Noth- leidenden fallen, was das Beste an der Sache ist, sehr zahl­reich auS.

Türkei.

Konstantinopel, 3. Novbr. (Lld.) Die britische Flotte unter dem Befehl Parkers hat im Thal Barbieri Anker gewor­fen. Sie besteht aus sieben Linienschiffen, vier Dampfbooten und einer Fregatte. Die französische Flotte soll bereits in LemnoS angelangt seyn.

Nachschrift.

Berlin, 19. November, Morgens. (Nach einer durch den elektrischen Telegraphen derKölner Zeitung" zugegangenen Depesche). So eben erfahre ich, dadereits vorgestern Abends der deutsche Verwaltungsrath die Wahlen zum Parlamente für den 31. Januar auszuschreiben beschlossen und zugleich Erfurt als Sitz des Parlamentes definitiv festgestcllt hat.

Sprechfaul

für Stadt und Land.

8. Erwiederung, die Entgegnung in Nro. 270 wegen des Wegegeldes in dem neuen Entwürfe der Medizinaltaxe (Nro. 261) betreffend.

Mit wahrem Vergnügen sehe ich, daß eS mir endlich ge­lungen ist, eine Besprechung wenigstens eines Punktes unserer Medizinalreform hervorgerufen zu haben, um die ich schon lange (in Nro. 247 d. Zig.) die Aerzte gebeten hatte; und es würde mir sehr angenehm seyn, wenn sich meine übrigen Be­merkungen eben solcherEntgegnungen" zu erfreuen hätten.*) EK ist ja nur die einzige Absicht meiner Artikel, über unsere Medizinalangelegenheiten, anzuregen, der einzige Wunsch, auf allenfallsige Verbesserungen aufmerksam zu machen, damit durch pro und contra die Wahrheit im Interesse der guren Sache an's Licht gestellt werde. Ich hoffe durch diese gegenseitige Jdeen- Austauschung einen größern Kreis unserer Aerzte, die leider im Allgemeinen so wenig öffentlichen Antheil an unserer Medi- zinalresorm nehmen, anzuspornen, damit sich auch noch von andern Seiten die Stimmen über dieses Thema vernehmen lassen. Von je mehr Seiten ein Punkt besprochen wird, desto gründlicher und richtiger wird die Sache abgeurtheilt werden können. Wir Nassauer mit unserer eigenthümlichen Medi- zinalverfaffung müssen unsere Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, da uns von Außen wenig Rath zu Theil wer­den kann.

Ich bin daher dem geehrten Verfasser des Artikels in Nro. 270 sehr dankbar, daß er sich die Mühe genommen hat, meinen Aufsatz in Nro. 261, an dem Niemand mehr als ich die Schwäche erkennt, wie ja auch deßhalb tn Nro. 264 ein sehr

*) Nur müßte die Redaktion bitten, daß diese Debatten in möglichst gedrängter Kurze geführt würden. Denn so gern sie auch den nassauischen Medizinal - Angelegenheiten einen Raum in den Spalten dieses Blattes öffnet, so werden doch die Herren Aerzte einsehen, daß diese Verhandlungen nur für einen kleinen Theil des Publikums von Interesse sind, und deßhalb auch in einem politischen Blatte nicht wohl mit der Ausführlichkeit behandelt werden können, welche etwa in einer medizinischen Zeitschrift zulässig und wünschenswerth wäre.

Die Red. '

richtiger Nachtrag erschienen ist, zu beleuchten. So wenig es mir jedoch gelungen ist, ihn eines Andern zu überzeugen, so sehr muß cud) ich bedauern, durch seinen Aufsatz nicht be­stimmt worden zu seyn , meine Ansicht von der Sache zu ändern, und er wird mir daher erlauben, daß ich in diesen Zeilen das vorbringe, worüber ich entgegengesetzter Meinung seyn muß.

Vor allem muß ich hervorheben, daß mein verehrter Ent- gegner das Prinzip anerkannt, was ich vertheidigte, nämlich, daß den Aerzten eben so gut wie den übrigen Beamten eine Vergütung für Entfernung zukommen müsse, indem er eines- theils in vielen' der von mir Hergebrachten Behauptungen bei­pflichten zu müssen gesteht, anderntheils es mißfällig bemerkt, daß die Gleichmäßigkeit zwischen Justiz- und Medizinalbeamten durch die Diäten der ersteren sehr gestört sey, weßhalb er selbst Vorschläge zur Abänderung macht, weil er genöthigt ist, meine Gründe wenigstenszum Theil" anzueckennen; wenn er aber sagt, andere seyen mit der vorliegenden Frage nicht parallel, so führt er gerade Gründe für mich an, wenn er sagt, daß Gerichts - und Staatseiurichtungen, die für viele Gemeinden geschaffen sind ic. nicht alle dazu gehörigen Bürger gleichmäßig begünstigen können. Gerade dies habe ich ja hervorgehoben, daß nicht die einzelnen Angestellten diese nothwendige Ungleich­heit, die ganz aufzuheben eine Unmöglichkeit ist, auf ihre Un­kosten ausgleichen sollen. Aus gleichem Grunde verlangte schon Reuter in seiner öfter erwähnten Schrift über die Medizinalverfassung von Nassau, pag. 28. pos. 4 eine Vergü­tung für Entfernungen.

Die wichtigste Seite bei der vorliegenden Frage glaubt der Verfasser darin zu finden, daß durch das Wegegeld die Licht­seite unserer hochgepriesenen Medizinalverfassung, nämlich jedem Kranken gegen möglichst geringes Opfer an Zeit und Geld ärztliche Hilfe zu verschaffen, getrübt werde, und führt ein Bei­spiel an, wo ein Arbeiter, der 6 12 Kreuzer täglichen Ar­beitslohn verdient, in den Fall kommt, wegen einer wichtigen Krankheit einen Arzt zu gebrauchen und läßt denselben über­legen, wie viel ihn der Besuch des Arztes und die Arznei kosten würde, wie viel ihn gar eine Operation kosten würde .!LUud mein Herr Entgegner glaubt (es ist nur gut, daß er'S nicht ge­wiß nachweisen kann), daß mindestens die Hälfte der in diese Lage Kommenden es vorziehen wird, den Arzt nicht zu rufen. Allein sollte der Verfasser nicht wissen, daß nach unserm Medi- zinnl-Evikt jeder Arzt jedem Kranken die nöthige Hilfe leisten muß, und daß er dem Armen nichts abnehmen darf; eben so gut, wie es der Arme weiß, daß er jede Hilfe in Anspruch nehmen kann? Oder hat je ein Arzt einem Taglöhner, der 6 12 Kreuzer täglich verdient, dessen einziges Vermögen ein solcher Erwerb ist, etwas abgenommen? Oder wenn er es ge- wagt, pfui über ihn! Dieses Beispiel paßt also nicht, indem dem Armen trotz des Wegegelds-Paragraphen dieselbe ärztliche Hilse werden wird, wie früher. Wenn aber mein Herr Ent­gegner solche Szenen zu schildern für gut fand, so erlaube er mir ein Seitenstück anzuführen, das ich den Mittheilungen des badischen ärztlichen Vereins, 1848 , Nr. 2, entnehme.Das ärztliche Verhältniß zum Publikum spiegelt sich so deutlich in in dem kleinen Beispiele aus Nassau, daß der Bauer dem Arzte keinen Boten schickt, um ihm einen unnöthig gewordenen Be­such absagen zu lassen. Er läßt den Arzt immerzu kommen: einem Boten hätte er mehr bezahlen müssen." Was die wei­ter vorgebrachte Vergleichung mit Preußen betrifft, so steht die­ser noch viel weniger Beweiskraft zu, denn das billigere In­stitut des Chirurgen ist zu sehr verdammt, als daß man ihm nur noch zwei Worte gönnen dürfte. Es ist dem Kranken besser, gar keine ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, als die eines Halbwissers, eines Pfuschers, der ihm für den beigebrachten ! Schaven seinen letzten Heller noch dazu abstiehlt. (Forts, f.)

Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehl.

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Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,