wie zwischen Regierung und Volk, welche beide die Kammern nöthig haben. So die Aerzte ihr Medizinalkollegium.
Wer vermag zu läugnen, daß die Medizin in ihrer jetzigen Gestalt, in ihrer jetzigen Sicherheit die Folge der neuen Forschungen durch die physikalische Methode ist, daß sie der Auskultation, Perkussion, Mikroskopie, Chemie und pathologischen Anatomie ihren jetzigen Höhepunkt verdankt? Dies sind lauter Dinge, die unter Anschauung und Uebung, unter guter Führung nur gelernt werden, und die vor zehn Jahren noch aus keiner Universität gelehrt wurden. Es ist daher gewiß eine billige Forderung, wenn verlangt wird, daß gerade diese Seite der Wissenschaft auch vertreten wird, sie, aus der der Glanz der Gegenwart und die Hoffnung der Zukunft beruht.
Ich erlaube mir daher folgenden Vorschlag bezüglich des Medizinalkollegiums zu thun: „Als oberste Bebo de in Medi- „zinalangelegrnheireu wird ein Kollegium gebildet, welches aus „Mitgliedern des ärztlichen Standes, einem Thierarzt und einem „Apotheker besteht. Dieses Kollegium ist zusammengesetzt aus „zwei Dirigenten, vier von der ärztlichen Körperschaft gewähl- „ten Aerzten, einem ärztlichen Assessor, einem Thierarzt und „einem Apotheker. Alle, mit Ausnahme der Dirigenten, wer- „den in direkter Wahl auf sechs Jahre gewählt. Die zwei „Dirigenten, als Organe vevRegierung, werden von dieser er- „nannt und müssen ihren Sitz in Wiesbaden haben; ebenso „auch der Assessor. Diese drei sind die Geschäftsführer des „Kollegiums. Die Dauer ihrer Funktion bleibt dem Ermessen „der Regierung überlassen. Außerdem steht es der Regierung „frei, für besondere Fälle bestimmte Sachverständige zu den „Sitzungen ohne Stimmrecht anzuordnen. Von den vier ärzt- „lichen Beisitzern scheidet alle drei Jahre die Hälfte aus; sie „können an einem beliebigen Orte des Landes wohnen. Die „Berathungen und Beschlüsse des Kollegiums erfolgen theils „in für den einzelnen Fall zu berufenden, oder in den alle „zwei Monate festzustellenden Sitzungen; theils durch Umlauf- „schreiben. Doch genügt der Antrag eines Mitglieds, um die „mündliche Berathung zu veranlassen. Alle Jahre wird eine „Generalversammlung der Aerzte berufen.."
Uebrigens empfiehlt sich auch der für die technischen Fächer vorgeschlagene Beirath sehr der Beachtung.
Zum Schluß die Bitte an die Herren Aerzte, meinen Vorschlag bei der Begutachtung deS Entwurfs in reifliche Ueberlegung zu ziehen!
Die Gefahren, welche dem deutschen Bundesstaate drohen.
Berlin, 12. Nov. Wenn wir für Preußen Partei nehmen, und jetzt unter seinem Vorantritt einen deutschen Bundesstaat gegründet haben wollen, so geschieht das nicht, um einer bloßen Vorliebe Befriedigung zu gewähren, um Friedrich II. den Ehrenkranz für seine Großthaten zu flechten oder um die Verdienste des preußischen Volkes in den Befreiungskriegen zu belohnen. Das alles hat seine unverlierbare Stelle in der deutschen Geschichte. Unmittelbar praktische Bedeutung für die Gegenwart hu cs nur insofern, als es eine einzelne Stufe in der Entwicklung bezeichnet, die nun zu dem entscheidenden Punkte gediehen ist, wo nur noch ein Deutschland mit und durch Preußen oder keines möglich ist.
Wer einmal diese, für viele freilich äußerst bittere, Wahrheit erkannt hat, der wird jeden Fehltritt Preußens auf der ihm geschichtlich vorgezcichneten Bahn doppelt schmerzlich beklagen, aber niemals sich dadurch in seinem Streben irre machen lassen, er wird darum nicht auf die Seite derer treten, die in thörichter Schadenfreude verblendet genug sind, in der Erniedrigung Preußens den Hebel ihrer eigenen Größe zu erblicken, statt sie als ihr eigenes Verderben zu beklagen. Die Entwicklung Preußens auf der Bahn der Freiheit wird maßgebend seyn für die inneren Zustände der übrigen deutschen Staaten, seine Bemühungen aber um die deutsche Einheit, seine Interessen, seine Erfolge, seine Niederlagen in diesen Sachen sind geradezu" unsere eignen; deßwegen kann es sich denn auch nicht darum handeln, Preußen durch die Annahme oder Ablehnung seiner Anerbietungen zu belohnen oder zu bestrafen für alte und neue Verdienste oder Sünden, sondern es muß ganz unser seyn und wenn es sich von der deutschen Sache abwMen sollte, von ynS festgehalten oder erobert werden.
Auf diesem Standpunkte nun kann eS uns auch nicht irre
machen, wenn dem Dreikönigsbündnkß neue Gefahren und zwar von Preußen selbst drohen. Und wir glauben unserer s Sache keinen Eintrag zu thun, wenn wir rückhaltslos das z besprechen, waS nur zu geeignet erscheint, unser Selbstvertrauen l zu schwächen und unsern Gegnern einen Triumph zu bereiten, f Vielfache Befürchtungen knüpften sich in den letzten Tagen an > die Möglichkeit eines Ministerwechsels. Immer stärker macht ( sich der Einfluß der Partei geltend, welche die Zustände aus ( das Maß des Jahres 1847 zurückzuführen strebt und in der > deutschen Politik des Ministeriums nur ein Beharren auf der Bahn der Revolution steht. Der Kampf zwischen ihr und der ■ Regierung muß darüber früher oder später ausbrechen. In < unserem Interesse aber liegt es, dies zu beschleunigen und so" ) eie Pläne unserer Gegner nicht zurMeife gedeihen lassen. Der 1 König irt im Grunde seiner Seele durchaus' deütsch gesinnt, ’ aber man weiß ihn an seinem legitimen Abscheu gegen die - Revolution und seiner Pietät gegen daS österreichische Kaiser« < Haus zu fassen? ^aher dieses foridauerube Schwanken der / preußischen Politik Und ihr Unbegreifliches Zurückweichen in den - entscheidenden Augenblicken; daher wohl auch die Stellung, 1 die der König in der neuesten Zeit hinsichtlich der deutschen ' Frage eingenommen haben soll. Nichts Geringeres nämlich wird als die Ursache der schon erwähnten Ministerkrisis angegeben, als die Weigerung des Königs, die Anord- 1 nung der Wahlen zum deutschen Reichstage zu > unterzeichnen. Die Sache scheint noch zu schweben. Die I Minister haben weder nachgegeben, noch etwas durchgesetzt, I und dem Grafen Brandenburg wie Manteuffel ist eS, selbst nach dem Glauben ihrer Gegner, mit der deutschen Sache nicht blos aus Pflichtgefühl, sondern aus wirklicher Ueberzeugung Ernst. Die Dankbarkeit, die der König gegen sie bewahrt, wird ihn wohl noch einige Zeit vor extremen Schritten schützen, so lange wird man sich auch damit begnügen, die Ausführung bundesstaatlicher Institutionen zu hintertreiben, die passende Gelegenheit zu Weiterem findet sich dann schon.
Der hartnäckige Widerstand der Königreiche wird Preußen genügend entschuldigen, wenn es an der Verwirklichung des Bundesstaats verzweifelt und sich auf seine eigene Macht und das alte freundschaftliche Verhältniß zu Oesterreich zurückzieht.-' Und wie viel sicherer und lockender ist das, was Oesterreich zu bieten vermag? Der Vertrag über die neue provisorische Zentralgewalt läßt es auch den Nichteingeweihten bereits in deutlichen Umrissen erkennen, und wenn einst der VerwaltungS- rath unverrichteter Dinge auseinanvergegangen ist, Preußen die lästigen Rücksichten gegen seine jetzigen Verbündeten abgeschüttelt und die provisorische Zentralgewalt sich in eine definitive verwandelt hat, dann werden unsere Staatsmänner in München und Hannover aus ihren großveutschen Träumen erwachen und verwundert einsehen, daß sie statt des Kleindeutschlands , daS sie verschmähten, sich zwei Deutschländer gefallen lassen müssen, neben denen für sie kein Platz mehr bleibt.
Die deutsche Partei in der Kammer ist entschlossen, mit allen Kräften das Ministerium zur Beharrlichkeit und Festigkeit in der deutschen Sache zu nöthigen und ihm so einen Schutz und Anhalt gegen die Krone zu gewähren. Nicht minder aber ist es jetzt die dringende Pflicht der Regierungen und Volksvertreter der übrigen deutschen Staaten Preußen ängstlich jeden Vorwand zum Rückzug zu nehmen und eS zur Erfüllung seines Versprechens anzuhallen. (W. Z.)
Deutschland.
Frankfurt, 14. Nov. Die Bestimmung Erfurts zum Sitze des projektirten Parlaments der etwa bei dem berliner Sonderbündnisse bleibenden Staaten soll wieder aufgegeben seyn. Dann war von Aachen, jetzt ist von Koblenz die Rede. Man rückt Frankfurt immer näher.
Darmstadt, 15. Nov. (Darmst. I.) Das Darmstädter Journal vom 12. d. M. erinnert an einen Beschluß der zweiten Kammer wegen Rückberufung eines berühmten Prozessualisten nach Gießen. Man kann aus zuverlässiger Quelle versichern, daß das jetzige Ministerium den Erwähnten mehrmals wiederholt bringend angegangen hat, seinen früheren Lehrstuhl und zwar unter günstigen Verhältnissen wieder einzune men, daß derselbe aber bis jetzt wenigstens sich wegen vieljähriger Entwöhnung von literarischem Studium und von Lehrerthâtig- keil nicht entschließen konnte, der Auffordernng zu folgen.