Einzelbild herunterladen
 
  

nach meiner Ansicht ist die deutsche Verfassung wie sie die frankfurter Versammlung rechtsgültig beschlossen hat schon faktisch eine republikanische und nur nominell eine kaiserliche, mit ihr würde die Volks-Souverainetät zur unbestrittenen Gel­tung kommen. Die teutsche Verfassung gewährt Freiheiten, wie wir sie in keiner bisher bestandenen oder noch bestehenden Republik zu einem so systematischen Ganzen vereinigt finden. Als Basis ist ein Wahlgesetz gegeben", wie eS noch kein Staat freisinniger besaß. Die kaiserliche Spitze ist so in die kleinste Wirkungssphäre eingeschränkt, daß ihr eben nur das Daseyn gefristet wird.Mit diesem Wahlgesetz und einem solchen Schattenkaiser müssen wir binnen Kurzem zur gesicherten Republik kommen. Durch großartige Demonstrationen muß man das Ministerium und den König zur Annahme der deut­schen Verfassung zwingen." In gleicher Weise schreibt auch der Graf Alfred Görtz am 8. und 9. März c. an Waldeck und Paul Dörner, daß man die Anerkennung der Reichsverfaffung als Agitationsmittel benutzen und daraus die Anerkennung der Volks-Souverainetät herleiten müsse. Ja, Temme schreibt an Waldeck am 16. März:Nimmt Preußen die Kaiserkrone nicht an, so haben wir das Recht zur Revolution so klar, daß man sich nicht den geringsten Scrupel weiter daraus zu machen braucht."

Zum Zeugniß dessen aber, daß man eine Erhebung des Volkes, wie sie in den Erinnerungszeilen Waldeck'S angedeutet wird, daß man eine neue Revolution wirklich erwartet hat, mag verwiesen werden auf einige Briefe einzelner mit Waldeck durch politische und freundschaftliche Beziehung eng verbundenen Freunde. So schreibt: Temme am 16. März in Frankfurt a. M., wohin er nach seinem Schreiben vom 28. Januar von Münster aus sich begeben hatteum nur erst dies sind seine eigenen Wortewieder ein Stücklein Unverletzlichkeit zu erhalten" an Waldeck :Nimmt Preußen die Kaiserkrone an, so zwingen wir dadurch die Regierung, die Bahn des Ab­solutismus zu verlassen. Nimmt Preußen die Kaiserkrone nicht an, so haben wir dann das Recht der Revolution so klar, daß man sich nicht den geringsten Skrupel daraus zu machen braucht. Eine Revolution würde auch bei der Oktroyirung (der deutschen Verfassung) am Ende kommen, aber wer weiß wann? und jedenfalls halte ich die Revolution, so wie für das letzte Recht, so wie auch für das letzte Mittel."

Ferner meldete am 8. Mai der Graf Görtz nach Auflösung der zweiten Kammer aus Frankfurt a. v. O. dem p. Waldeck, daß er dort am 4. Mai einen demokratischen Kongreß für den Regierungsbezirk Frankfurt abgehalten habe, daß auf demselben Beschlüsse wegen Organisation uud Zentralisation der demokra­tischen Vereine gefaßt seien, und daß er zum Vorsitzenden deS uiedergesetzten Zcnlralkomite'S gewählt worden sey. Dann fährt er fort:Die Aufregung ist hier auf das Höchste gesteigert, es bedarf nur des geringsten Anstoßes, um einen Ausbruch herbeizuführen. Die Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. vermag sich zu keinem enscheivenden Schritte zu erheben; eine Reichssarmee zu ihrem eigenen Schutze aufgeboten, hieße Alle unter ihren Fahnen zusammentreten. Was ich von der deut­schen Einheitsfrage halte, wissen Sie; jetzt aber bietet sich darin ein treffliches Mittel zur Agitation, indem man die Anerken­nung der deutschen Verfassung als die Anerkennung der VolkS- souveräuetät hinstellt, als den Weg um die allgemeinste Oppo­sition hervorzurüfen." Der nämliche Graf Görtz spricht in einem Schreiben vom 9. Mai an Paul Börner:von den er­bärmlichen Kerls in Frankfurt a. M. die sich noch jetzt nicht zu einem entscheidenden Entschlusse zu erheben vermögen;" undfährt dann fort:Ein Reichherr bei Frankfurt a. M. und der Zen- tralisationspunkt wäre geboten; Tausende würden Hinströmen und die Gewaltherrschaft in Deutschland aufgerieben seyn. Ich bin mit mir einig, hinzugehen, wo man ordentlich loSschlägt, und vielleicht gehst Du mit. Jnmittels habe ich die Zeit nach Kräften benutzt, um die Demokratie im Regierungsbezirk zu beleben und zu organisiren, so daß vorkommenden Falles eine allgemeine und gleichzeitige Erhebung staitfindet. Bei der Lage der Dinge muß man die Anerkennung der Reichsverfassung alS Agitattonsmitte! benutzen. Waldeck, den ich wie BerendS und Jung herzlich grüße, habe ich zu einer Volksversamm­lung nach Arnsdorf eingeladen." Kurz darauf hat Graf Görtz aus Frankfurt a. d. O. sich heimlich entfernt und sich nach Baden begeben, wo er eingedenk der Worte, die ihm Waldeck in dem erwähnten Erinnerungsblatte vom 28. April zugerufen hatte an dem dortigenMufstanve thätigen Antheil genommen hat.

Deutschland It ire

§ Wiesbaden, 19. Nov. In verflossener Nacht 2 Ul^ wurde durch' den Gcnsdarmcn Fasel und PolizeidieneiA Seibel dahier, Oswald Glas verhaftet, der eine bebeittenb$( Menge Gold- und Silberwaaren, welche dem Goldarbeitetzpl Kölsch in der Kirchgasse mittelst Einbruchs entwendet tootmi den waren, bei sich führte.

Oswald Glas gehört zu den Konskribirten der Stabil Wiesbaden,, welche bei der Musterung am 16. und 17. d. M auch in diesem Jahre wieder durch Rohheit und Ungezogenheü. vor den Konskribirten der Landgemeinden sich )0 sehr aus^ zeichneten.

Frankfurt, 17. Nov. (D. Z.) Das Reichsministerlunini hat noch zu guter letzt eine Erbschaft des alten Bunvestageèng angetreten. Wie sich nämlich das Frankfurter Journal Dotier Rhein schreiben läßt, hätte eS unmittelbar vor Auflösung devtt provisorischen Zentralgewalt noch die Gefälligkeit gehabt, beitel) durch Machtspruch der Bundesversammlung von 1845 für all h reichsadlich erklärten Grafen Bentinck in den Besitz der Hermit schaft Kniphausen im Groherzogthum Oldenburg setzen z»es wollen. Die Erekution hiervon hat es der großherzogl. oldenh a Regierung übertragen. Wir sind begierig, was diese, welchu die provisorische Zentralgewalt schon lange nicht mehr aneriln kennt, und die oldenburgische Kammer zu diesem Versuch de! Reichsministeriums sagen werde. Oder sollte jene Nachrich.^ eine Zeitungsente seyn.

Darmstadt, 17. Nov. (Darmst. Ztg.) Die Ausstellung der vereinigten dreizehn süddeutschen Gewerbehallen hat, wig wir zu großer Befriedigung mittheilen können, ein sehr erfreu licheS Resultat erzielt. In dem hiesigen Aussiellungslokag allein wurden weit über 2000 Loose abgesetzt, was als unmit^ telbare Folge der Anschauung über Werth und AnziehungSn^ kraft der sinnreich geordneten Produsle die günstigste Kritg liefert. Zugleich hat der übrige auswärtige und hierortigstâ Verkauf der Loose so sehr zugenommen, daß, wie wir verneh^ men, die Direktion in Stand gesetzt ist, noch für eine seh namhafte Summe (man nennt uns die Hälfte der für der Haupteinkauf aufgewendeten) nachträgliche Ginkäufe aus beo1 vereinigten Städten zu machen. Letztere gelangen natürlich nicht mehr zur Ausstellung, die schon morgen geschloffen tDirtfl11 sondern unmittelbar zur Verloosung, welche baldmöglichst gegen Anfang Dezembers erfolgen soll, 'damit selbst die ent® fernter wohnenden LooSbesitzer, welchen Treffer beschieden ftn$r ihre Gewinnste noch vor Weihnacht empfangen können. mi nu

Karlsruhe, 17. Nov. Die heutige Karlsr. Zeit. veröffenlhb licht folgenden Korpsbefehl: h«

Karlsruhe, den 10. November 1849. Man ist in bilde sen Tagen einer Flugschrift aufdie Spur gekommen, welche dem Zweck Hal, preußische Solbaten zur Untreue und zum Ungim horsam zu verführen. Sie ist betitelt:Reue eines preußische be Soldaten über die Greuelthaten des herrlichen KriegsheereS i S' Baden re." Die Partei, welcher die Ehre und die Treue de de preußischen Truppen ein Dorn im Auge und daS Haupthiijü derniß in Verfolgung ihrer revolutionären Zwecke ist, mat also von neuem den Versuch, der bis jetzt aller Orten an bei ti gesunden Sinne der preußischen Krieger gescheitert ist; soll m indessen diese Partei ihre Frechheit so weit treiben, daß sie jei ^ bodenlos gemeine Schrift, die den Stand des Soldaten Here! $ zuwürdigen sich bemüht, unter den Soldaten selbst zu verbrl 8 ten suchte, so verlangt eS die Ehre jedes Einzelnen, gegen v- h Verführer auf der Stelle mit aller Kraft einzuschreiten. W t| sich unterfängt, jene ober eine ähnliche Schrift den Soldat« st mehr oder weniger heimlich oder offenbar zuzustellen, oder « n Auftrage eines Andern zu überbringen, muß sofort verhaft n werden. Der Soldat hat sich seiner Person zu versichern im g ihn der nächsten vorgesetzten Behörde, Wache, Patrouille ob Gendarmen zu überliefern. Die Militärbehörde wird nach D finden bet Umstände den Schuldigen in die Kasematten »' Rastatt schicken und ihn dem dortigen Standgericht überweis« das, so lange der Kriegszustand dauert, das kompetente Gerit ^ für Diejenigen verbleibt, welche Soldaten zur Untreue W leiten. Der fommanbirenbe General Frhr. R. v. Schreckenstei« j

Rastatt, 15. Nov. (A. Z.) Für die Entledigung der ai« * »artigen Zuzüger aus den Gefängnissen ist so vorgesehen, M $ wohl kein nicht besonders schwer Gravirter den Winter ÜM ' hier bleiben wird. Manche sind dieser Tage entlassen werde«