Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 27L. Montag den LS November L8LS
Dritte Ausgabe.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachricht.
Nichtamtlicher Theil.
Deutschland. Darmstadt (Der Reichsverweser). — Heidelberg (Robert-Blums-Hüte). — B ruchsal (Flucht). — Karlsruhe (Voreiliges Gerücht). — Berlin (Die definitive Zusammensetzung des Ver- waltungSratheS. Auch Gotha zum Reichstagsfitz vorgeschlagen). — Wien (Die Begnadigungen in Ungarn).
Frankreich. Paris (Neueste Nachrichten).
Großbritannien. London (Die Hinrichtung der Eheleute Manning).
Amerika. Vereinigte Staaten (Der neue Staat Deseret).
Amtlicher Theil.
Der Kollaborator Zickendrath zu Weilburg ist in den OuieSzenlenstand versetzt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Deutschland.
Darmstadt, 14. Nov. (K. Z.) Der Erzherzog Johann mit seinem Sohne, dem Grafen v. Meran, hat auf dem Jagdschloß Kranigstein, einer Einladung des Großherzogs Folge leistend, einer Wildschweinsjagd beigewohnt. Neben dem Forsthaus Nikolauspforte steht eine der ältesten und schönsten Eichen ganz Deutschlands, deren Alter man nicht unter 1000 Jahre schätzt und deren Stamm einen Umfang von 36 Fuß hat. Der Großherzog bat es sich aus, diese Eiche „JohanneS- Eiche" taufen zu lassen, und die Taufe hat mit großer Feierlichkeit stattgefunden. Der Erzherzog seinerseits hat eine andere nahe stehende Eiche die „LubwigS-Eiche" getauft.
In Heidelberg sind durch Befehl der Kommandantur die „Robert BlumS-Hüte" (schwarze, oben spitz zulaufende Filzhüte, mit schwarzem Florband und weißer Schnalle) verboten; die Träaer sollen arretirt werden.
Bruchsal, 16. Nov. (D. Z.) Vergangene Nacht ist der politische Gefangene A. Steck, ein Schweizer, der wegen Theilnahme am badischen Aufstande zu 10 Jahr Zuchthaus verurtheilt war, mittelst Hülfe von Außen aus dem Zuchthause dahier entflohen.
Karlsruhe, 16. November. (O.-P.-A.-Z.) DaS Gerücht, welches sich gestern Mittag in der hiesigen Stadt betreffs der Verleihung einer Amnestie an minder gravirte politische Ver
brecher verbeitet hatte, scheint ein voreiliges gewesen zu seyn. Bis jetzt wenigstens ist nichts Näheres darüber bekannt geworden. Die vorläufige Freilassung vieler Gefangenen, gegen welche der Staatsanwalt auf eine Zuchthausstrafe von höchstens 2 Jahren antragen kann, die aber nichts destoweniger immer noch vor das Kriegsgericht sich zu stellen haben, scheint zu jenem Gerücht Veranlassung gegeben zu haben.
Berlin, 14. Nov. (K. Z.) Sobald der Verwaltuugs- rath in definitiver Weise sich konstituirt haben wird — und Sie wissen, baß dies in einer seiner nächsten Sitzung geschehen soll —, muß das Wahlgesetz zuerst zur Abstimmung gelangen. Eine Kommission ist schon seit einiger Zeit mit der Vorarbeit beschäftigt, Pfeiffer vertritt im Schooste derselben den abgereisten v. Zeschau. Die Vorbereitungen, welche das Wahl, gesetz in Folge der drei Abtheilungen 1« den kleineren Staaten verursacht, werden vielleicht das Ausschreiben der Wahlen bis gegen das Ende des Monats Januar verzögern. DaS Parlament soll einen Monat darauf, also gegen das Ende des Monats Februar, berufen werden.
Man hört, der Herzog Ernst August von Sachsen-Coburg- Gotha habe Gotha für den Sitz des Reichstages vorschlagen lassen.
Wien, 12. Nov. (K. Z.) Die Sistirung der Todesur- theile in Ungarn wurde nicht offiziel ausgesprochen, und wirklich hätte ein solcher Schritt vom konstitutionellen Standpunkte sich kaum rechtfertigen lassen, da daS Ministerium in keiner Weise im Vorhinein sämmtliche doch jedenfalls als unabhängig p.râsumirte Richtersprüche der ungarischen Militärgerichte umändern konnte, ein Gnadenakt aber erst nach der Verur- theilung und nicht im Vorhinein in Bausch und Bogen geschehen konnte. Um dies zu vermeiden, werden nun die einzelnen TodeLurtheile im Gnadenwege umgcändert werden, und die „Pesther Z " melbet bereits unter einer Masse von Der- urtheilungcn auch vier „zu Pulver und Blei", die im Gnadenwege in Festungsstrafen umgcändert wurden. Unter diesen wurde Einer, der zum Tode verurtheilt war, zu nur dreijähriger Schanzarbeit begnadigt.
Frankreich.
Paris, 15. Nov. Morgens. Nach der „Estafette beschäftigte man sich gestern im Ministerrathe, dem L. Napoleon beiwohnte, mit Prüfung der finanziellen Entwürfe deS Hr». Fould, wobei eS zu ernsten Debatten kam. Der Minister schlug die Herstellung deS ZeitungSstempelS vor; der Ministerrath, soll sich jedoch nach lebhaften Erörterungen für die Zurückweifung des Vorschlags entschieden haben.
In der Nationalversammlung ward gestern versichert, daß die Rückkehr unserer Gesandten in Wien und Petersburg, Beaumont und Lamoriciere, jeden Tag erwartet werde.
Die Nachricht der „Patrie" von der Beilegung der Differenz mit Marocco ist bis jetzt in keiner Weise bestätigt worden.
Im „Evenement" liesst man: „Oesterreich, Preußen undRuß-