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Aus Sachsen. Noch immer glaubt man an den Fana­tismus der Aufregung in den Massen. Eine Aufforderung in hiesigen Blättern: Gottfried Kinkels Kinder zu Kindern der Nation zu machen, trägt den Stempel dieses blinden Glaubens. Und doch ist es als Lüge konstatirt, daß der GefangeneWolle kratzt". Kühne's Europa brachte in ihrer neuesten Nummer den dritten Akt eines historischen Drama's von Gottfried Kinkel. Werden die deutschen Bühnen ihre Schuldigkeit thun? Die deutschen Volksklubs kümmern sich bloß um Kinkels Phrasen; die deutschen Nationalinstitute sollten sich um sein Talent kümmern!

München, 9. Nov. (Allg. Z.) Mit Vergnügen zeige ich Ihnen an, daß schon in der ersten Woche Dezembers die Telegraphen von Wien bis Augsburg werden arbeiten können. Schon ist wie ich höre der Tarif für telegraphische Depeschen, wie sie das Publikum benützen wird, mit Oester­reich festgestellt.

Berlin, 8. Nov. Eine Broschüre von Johannes Ronge unter dem Titel:Europa darf nicht kosackisch, Eu­ropa muß frei werden", ist heute vom Polizeipräsidium verboten und der Befehl gegeben worden, dieselbe, wegen ihres Hochver- rätheriichen Inhalts, wo sie vorgefunden wird, mit Beschlag zu belegen. (C. Z.)

Kinkel, heißt es in der National-Zeitung vom 6. Nov., spult fortwährend Wolle von Morgens 6 bis AbendS 8 Uhr in einsamer Zelle. Bisher sind in Preußen nicht nur die poli­tischen, sondern auch gemeine Verbrecher, wenn sie den höhern Ständen angehörten, meistens auf Festungen gekommen, wo sie ihrer eigenen Beschäftigung überlassen wurden. Die ehemali­gen sog. Demagogen haben nach ihrer Verurtheilung sehr an­ständig in den Festungen gesessen.

Berlin, 9. Nov. Der Blumfeier, die gestern in ver­schiedenen Lokalen stattfand, machte die Polizei durch Anwen­dung des Gesetzes über das Vereinsrecht ein rasches Ende. Dem vierten Volköverein, welchem polizeilich eineGedächt- nißfcier" gestattet war, untersagte der anwesende Polizeibeamte die Fortsetzung veS Festes, weil ein Requiem aufgeführt wurde, waS das Fest zu einerTodtenfeier" mache. Es wurde pro- testirt, der Beamte requirirte Konstabler, man widersetzte sich, und endlich schritt Militär ein. Mehrere Verhaftungen wur­den vorgenommen, u. a. gegen den Vorsitzenden des Vereins, Dr. Abarbancll. Aehnlich ging es in einer andern Fest­versammlung her. Dort wurde ein Konstabler Offizier Kaiser, wie er behauptet, durch einen Messerstich verwundet. Theil­nehmer der Versammlung behaupten, er habe sich durch seinen eigenen Säbel die Verletzung zugefügt. Die Zahl der Ver­haftungen war hier erheblich. Schon heute früh wurden öffentliche Lokale durchsucht, da man vermuthete, daß Versamm­lungen stattfänden. Man glaubt, daß heute Abend sämmtliche demokratische Versammlungen inhibirt werden dürften. Gegen die Leiter der Versammlung in der Friedrichstädtijchen Halle, in welcher die Verwundung des Kaiser erfolgt ist, sowie gegen die deßhalb verhafteten Personen ist heute vom Polizeipräsi­dium die Einleitung der Kriminaluntersuchung beantragt worden.

DieConst. Ztg." schreibt:Hannover will auS dem Verwaltungsrathe deS engern Bundes, aus welchem es selbst geschieden, schlimmeres als einen polnischen Reichstag machen. Wie wir vernehmen, ist eine Note des hannoverschen Kabinets eingelaufen, welche gegen jeden Beschluß deSsogenannten" Verwaltungsraths, welcher nicht in Uebereinstimmung sämmt­licher deutschen Staaten gefaßt worden, förmlich protestirt. Der VerwaltungSrath hat es unter seiner Würde erachtet, von diesem Aktenstücke irgend offizielle Notiz zu nehmen. ES wird daher unbeantwortet bleiben."

Wien. In Pesth ist ein strenges Paßreglement bekannt gemacht worden, in welchem unter andern auch wie früher die Religion angegeben werden muß. Der Gnadenakt des Feld- zeugmeisterS hat dort eine gute Wirkung hervorgebracht. Hof­rath Hurter, voll dem die Journale soviel fabelhaftes zu er, zählen wußten, lebt ganz ruhig in Wien, und wenn wir ge­wisse Artikel deS Oesterr. Korresp. aufmerksam durchlesen, so scheint unS, daß der gelehrte Hofrath diesem Journal nicht ganz fremd sey. Für daS lombardisch-venetianische Königreich ist eine Rekrutirung von 15,000 Mann ausgeschrieben. In Prag soll dem Vernehmen nach der Maiprozeß noch vor Ab­

schluß dieses Jahres zu Ende gebracht werden, weßhalb man dort auf die Aufhebung deS Belagerungszustandes schließt.

Wien. Die Gesammteinnahme der Stadt Wien ist für das Jahr 1850 auf 761,489 fl. und die Gesammtaus- gabe auf 1,715,702 fl. veranschlagt, wonach sich ein Abgang von 954,213 fl. ergeben würde. Die ordentlichen Ausgaben sind in dem Budget mit 1,298,200 fl. ausgewiesen und die außerordentlichen mit 417,502 fl. angenommen.

Einem Gerüchte zufolge soll der zu mehrjähriger Fcstungs- strafe verurtheilte ungarische Bischof Rudnianzky von dem Kaiser auf Fürbitte des Nuntius begnadigt worden seyn und sich bis zur weitern Bestimmung im hiesigen Franziskanerkloster befinven.

Die Gemahlin des in Pesth Hingerichteten Grafen Ludwig Batthyany ist sammt ihren Kindern am 5. Novbr. durch Wien gereist, um sich nach Lindau zu begeben, wo sie ihren Aufenthalt vorläufig zu nehmen gedenkt. (Wnd.)

Ungarn.

Pesth. Einer amtlichen Beschreibung über die Insig­nien deS ungarischen Königreichs entnehmen wir: Die ungarische Krone ist vom reinsten Golde und wiegt 9 Mark 6 Unzen; die Juwelen, mit welchen sie besetzt ist, sind: 53 Sa­phire, 50 Rubinen, 1 Smaragd und 338 Perlen von unge­wöhnlicher Größe. DaS Stirnband der Krone ist ein Geschenk des Kaisers Michael DukaS an Geysa I. König von Ungarn; der obere Theil, welcher auS zwei übereinander gekrümmten Bogen besteht, rührt vom Pabst Sylvester her, der dem Hei­ligen Stephan eine Verehrung damit machte. DaS Szepter, welches einen in Gold gefaßten krystallenen Knopf hat, gleicht einer Keule; der Mantel des heiligen Stephan ist von Silber­stoff mit Goldstickereien und mit Abbildungen der Propheten, Apostel und Märtyrer bedeckt, und mißt 54 Zoll in der Länge. Bis jetzt ist eS nicht gelungen, den Aufbewahrungsort dieser historisch merkwürdigen Kleinodien und Reliquien aufzufinden.

Frankreich.

Paris, 9. Nov. Heute, am Jahrestag deS 18. Brumaire, war eine wirkliche Hetzjagd von Gerüchten über angebliche Staatsstreiche und Projekte, die aber heute in Ausführung ge­bracht werden sollten. Bis gegen Abend ist jedoch nichts irgend bemerkenSwerthes vorgefallen: eine Stunde nach der andern ist in der größten Ruhe vergangen. Auf der Börse, in den Gängen und Nebensälen deS Lokals der gesetzgebenden Versammlung, mit einem Worte überall herrscht die vollkom­mene Windstille. Die heutige Sitzung der letztgenanuten Ver­sammlung selbst verstrich ruhig, ohne den mindesten Zwischenfall.

Bei einer vertraulichen Unterhaltung mit Bedeau und an­deren Repräsentanten soll L. Napoleon dieser Tage geäußert haben:Sie wissen, daß alle die ausgesprengten Gerüchte von einem Staatsstreiche lächerliche Mâhrchen sind. Ich habe nur eine Marotte: das ist die Verfassung; aber ich will auch Alles, was die Verfassung mir zulegt." Diese sofort in der Versammlung wieder erzählten Worte sollen auf die Repräse- tanten großen Eindruck gemacht haben.

Italien.

Rom, 28. Okl. (D. A. Z.) Während der letzten Tage sind abermals Attentate auj Priester vorgekommen, welche bei eintretender Dunkelheit in der Tracht ihres Standes durch einsame Straßen gingen. Unter solchen Umständen sollte die provisorische Regierungskommission behutsam Alles vermeiden, was die gereizte Stimmung noch mehr provoziren könnte. Das geschieht indessen nicht. Um die im Staube liegende Republik noch weiter zu verhöhnen, hat sie vor, allen Galeerensträflingen den calabreser Spitzhut zur Kopfbedeckung zu geben.

Der berühmte Abbate RoSmini ist nach seinem Rove- redo von hier zurückgekehrt. Bekanntlich hatte er bereits die offizielle Anzeige von seiner nahe bevorstehenden Promotion zum Kardinal zugeschickt erhalten. In Folge dessen verauS-