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Nassauische

Allgemeine Zeitung

M 268

Montag den 12» November

1849

Dritte Ausgabe.

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U e h e r s i ch t.

Deutschlands Eisenbahnen.

Deutschland. Mannheim (General Miroslawski)..K a sse l (Wider­legung). Be rlin (Der König. Ein Seher). Wien (Die llebcr- fiedelung der Staatsbehörden von Mailand nach Verona).

Ionische Inseln. (Das Verhör und der Tod Blacco).

Deutschlands Eisenbahnen.

Folgender derEuropa" entnommener Ueberblick über das Eisenbahnnetz unseres Vaterlandes veranschaulicht in einer über­sichtlichen Weile, welche solideErrungenschaft" wir in dieser Beziehung auf deutschem Boden besitzen:

Die Eisenbahnen, diese Ergebnisse des bürgerlichen Fleißes, sind Gewinne, sind ein Fortschritt. Wir sind mit denselben Frankreich voraus, können unS England und Amerika an die Seite stellen. Und es war uns keineswegs die Systematistrung der Eisenbahnwege so leicht gemacht, wie den Franzosen. Für Frankreich ist es ein einfaches gegebenes Verhältniß, daß Paris in allem das Zentrum macht. Dorthin also, wo alle Radien auS- und einlaufen, haben auch die Eisenbahnen zu münden. Uns ist ein solcher Mittelpunkt versagt. Für unâ mußten Wien, Frankfurt, Köln, Hannover, Magdeburg, Hamburg, Berlin, Leipzig für die Eisenbahnen verschiedene Knotenpunkte werden, sollte ihr Bau auf naturgemäße Weise dem Verkehr und dem bürgerlichen Geschäftsgänge entsprechen. Wir haben jetzt in Deutschland 850 Meilen Eisenbahnen, 540Meilen allein in Norddeutschland, darunter 326 Meilen in Preußen. In Sübdeutschland wird man, sind die begonnenen Bauten vollendet, in Kurzem 310 Meilen geschiente Wege zählen kön­nen. 280 Meilen sind in Deutschland bis jetzt Staatsbahnen; 41 Aktiengesellschaften bauten und verwalten die übrigen Strecken. Ist die hessische Bahn vollendet, so werden die deut­schen Bahnen mit den belgischen und französischen dergestalt in einander greifen, daß sie mit denselben ein zusammenhän­gendes Netz bilden. Die europäischen Westpunkte Tours, Havre, Dieppe, Boulogne, Ostende, Antwerpen sind mit dem Osten Europas bis Krakau, Pofen, Stettin, Kiel und Rends­burg direkt in Verbindung gesetzt.

Vom Norden nach Süden stellen sich in Deutschland drei große Eisenbahnlinien fest. 1) Eine Verbindung der Ostsee­häfen mit dem adriatischen Meere, so daß Stettin durch Ber­lin, Frankfurt a. d. O., Breslau und Wien mit Triest ver­bunden seyn wird, sobald die Strecken von Cilly bis Triest und von Dresden bis Prag vollendet sind. Natürlich wird auch die Nordsee mit dem adriatischen Meere dadurch verbun­den. 2) Neben dieser östlichen Bahn von Norden nach Süden läuft durch Mitteldeutschland eine zweite Rordsüdbahn, deren einer Knotenpunkt Magdeburg ist, von wo seit Anfang Juli jetzt über Wittenberge der Schienenweg nach Hamburg eröffnet wurde. Eine Hauptader in diesem Verkehr ist die Linie von Leipzig nach Lindau durch Bayern; doch fehlt in ihr noch die Strecke von Plauen bis Reichenbach (die Ueberbrückung des

Gölzschthals bietet bedeutende Schwierigkeiten), und die Strecke von Kaufbeuern bis an den Bodensee. 3) Die dritte Linie von Norden nach Süden geht durch das Rheinthal, mit Dampf theils zu Lande, theils zu Wasser die Niederlande mit der Schweiz verbindend. Von Köln gelangt man in 12 Stunden nach den belgischen Häfen. Die Verbindung mit Holland fehlt noch. Von deutschen Hafenstädten liegen nur noch Danzig und Lübeck außerhalb des Eisenbahnnetzes.

Von Westen nach Osten. 1) Durch die Köln-Mindener Bahn wird die Rheinthallinie mit der mitteldeutschen und mit der ostdeutschen in Verbindung gebracht. Diese von Westen nach Osten durch Norddeutschland streichende Bahn geht vom Rheinlande durch Westphalen, Hannover , Braunschweig nach Magdeburg, Berlin, Stettin und Posen. Die bezweckte große preußische Ostbahn, welche Königsberg mit Deutschland in Con­ner bringen soll, fehlt nur noch zur Vollendung dieser großen norddeutschen Bahn, die den Osten mit dem Westen verbindet. 2) Mitteldeutschland von Westen nach Osten durchschneidend läuft eine zweite Eisenbahnlienic von Main; nach Frankfurt durch Hessen und Thüringen nach Leipzig, Dresden, Bautzen, Görlitz, in die schlesische Bahn windend, die den Verkehr der norddeutschen-und süddeutschen Küstenländer, die Nord- und Ostsee mit dem adriatischen Meere vermittelt. Auf der alten Meßstraße zwischen Frankfurt und Leipzig fehlt noch das Stück von Hanau über Kassel nach Eisenach. 3) In Süddeutschland ist ein Schienenweg von Westen nach Osten erst noch im Be­ginnen. Die würtembergische Bahn (von Heilbronn bis Göp­pingen) soll sich der badischen anschließen. Bayern ist noch sehr zurück im Eisenbahnverkehr; König Ludwig halte an­dere Dinge zu bauen. München und Ausburg sind verbun­den, schon länger Nürnberg und Fürth. Liegt cs wirklich im Interesse Bayerns, sich an Oesterreich , statt an den deutschen Zollverein anzuschließen, so thäte ihm eine Bahn noth, welche München der Kaiserstadt näher brächte. Das liegt aber viel­leicht mehr in den eifersüchtigen Entwürfen gewisser Ideologen in Bayern, als im Bedürfniß und im Heil der Bevölkerung."

Deutschland

«Mannheim, 8. Novbr. In derKöln. Ztg." lesen wir folgende Erklärung, welche Herr Raveaur über den Gehalt Mieroslawsky'â in Baden veröffentlicht, und wozu er sich, wie er bemerkt, die Notizen von Brentano hat mittheilen lassen. Letzterer machte daraufhin einem ehemaligen Mitgliede des Landesausschusses folgende schriftliche Angaben: Für Raveaur zur Notiz, daß MieroslawSky 6000 Fr. Reisegeld nach Paris erhielt. Nachdem er angekommcn, Alles beaugenscheinigt und den Oberbefehl zu übernehmen sich bereit erklärt, war er in einer Sitzung der provisorischen Regierung, wobei ich, Peter und Gögg, wahrscheinlich auch Meyerhofer und vielleicht auch Du anwesend waren. Er verlangte dort die ausgedehntesten Vollmachten für sich und seinen Bruder, den Marine-Bau­meister, und als Zahlung dieselbe Summe, welche, wie er sich auSdrückte, die sehr knickerige sizilianische Regierung bezahlt