Nassauische
Allgemeine Zeitung.
â 267. Samstag den 10. November 18LN
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prännme- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt T fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltungSgebietes 8 fl. 1O fr. — Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Nichtamtlicher Theil.
Eine Rede Gagern's ins „Belgische" übersetzt.
Deutschland. Vom östlichen Taunus (Die Schullehrerbesoldyngen).
— Oberingelheim (Demokratische Deutungen der Raubanfälle). — Frankfurt (Pläne der österreichischen und preußischen Partei für Baden. Die Eventualität eines Wiederausbruches der Feindseligkeiten gegen Dänemark). — Landau (Die inhaftirten Ueberlâufer). —: Ber lin (Doviat).— Hamburg (Die ungarischen Flüchtlinge). — Schleswig- Holstein (Die Finanzen des Landes). — Wien (Das Standgericht. Begrüßung).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Großbritannien. London (Die Statistik der Stadt).
Italien. Ans Piemont (Eisenbahn). — Parma (Stockprügel).
Amtlicher Theil.
Dem von des Herrn Erblandpostmeisters Fürsten von Thurn und Taris Durchlaucht zum Posterpeditor der provisorisch errichteten Posterpedition zu Herschbach prâsentirten Christian Heinrich Krah zu Herschbach ist die landesherrliche Bestätigung ertheilt worden.
Lehrer Weldert zu Idstein ist in den Ruhestand versetzt, Lehrer Dapprich zu Mittelfischbach zum Lehrer in Idstein, Lehrvikar N i ck e l zu Eyershausen zum Lehrer in Mittelfischbach, Lehrvikar Alp zu Oberbachheim zum Lehrvikar in Eyershausen ernannt und die Lehrvikarstelle zu Oberbachheim dem Schulkandidaten Kölb zu Holzhausen, Amts Wehen, in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
Eine Rede Gagern's in's „Belgische" übersetzt.
Ein Hamburger Korrespondent der sonst wohl unterrichteten und vorsichtigen „Jndependance Bclge" hat sich von groß- deutscher, österreichischer oder demokratischer Seite — das läuft ihre ungefähr auf Dasselbe hinaus — eine Analyse der Rede, die v. Gagern in Hamburg bei dem Festmahle gehalten, in die Hand geben lassen, und dieselbe bonna fide seinem Blatte mitgetheilt. In Brüssel scheint man durch die Pariser Nachrichten beschäftigt gewesen zu seyn, und das fragliche Schreiben nicht kontrolirt zu haben. So läßt man denn für Frankreich und Belgien Heinrich v. Gagern vor 3500 Menschen eine Rede halten, deren Analyse ich Ihnen alö Kuriosum in tertgetreuer Nebersetzung mittheile.
„Nach dem Toast und den Reden, die ihm zu Ehren gesprochen worben waren," schreibt der Korrespondent, „hat Hr. v. Gagern das Wort genommen und sich weitläufig ausgesprochen über die deutschen Angelegenheiten, für welche er, wie er gesagt hat, keine friedliche Lösung vorhersehen noch hoffen kann von den Kommissären der Fürsten, welche zu Berlin in einem engeren Rathe (komisch genug conseil restrictif genannt) versammelt sind. In seinen Augen kann die deutsche Einheit nur bewirkt werden durch die politische Trennung der großen und kleinen Staaten. Preußen allein hat die Ausführung der Reichsverfassung unmöglich gemacht. Preußen wird stets das Bestreben haben, seine Macht vorherrschen zu lassen und seine Suprematie über die anderen Nationalitäten auszuüben, um sie durch sein ausschließlich preußisches System zu unterjochen. Daher betrachtet Hr. v. Gagern ihre innere politische Unabhängigkeit, wenn nicht als verwischt, doch als ernsthaft kompromirirt. Preußen, durch die moralische und militärische Position, die eS sich zu verschaffen gewußt hat, wiegt mit einem unendlich zu schweren Gewicht in der Wag- schale deutscher Geschicke. Durch die Schöpfung einer neuen Zentralgewalt, an deren Spitze sich Oesterreich und Preußen ausschließlich gestellt haben, ist der am 26. Mai. zwischen den drei Königen abgeschlossene Vertrag ein unmögliches Werk geworden (une oeuvre nulle), das augenscheinlicher Weise mit der Eristenz der neuen Zentralgewalt unvereinbar ist. Herr v. Gagern billigt also das Verfahren Sachsens und Hannovers, um die Wirkungen dieses Vertrages zu neutralisiren, so wie die Anstrengungen welche diese beiden Mächte entwickeln, um seine Lebensfähigkeit zu verhindern."
„Diese Rebe," fügt der Korrespondent hinzu, „überdacht und gesprochen mit der augenscheinlichen Absicht, ihr in Deutschland einen großen Wiederhall zu verleihen, wird allgemein als dem preußischen System sehr feindlich angesehen, und sie kann als das politische Programm der Partei angesehen werden, deren Chef Hr. v, Gagern ist. Man kann vorhersehen, daß diese große Partei den Einfluß, den sie sich in Deutschland zu bewahren gewußt hat, und der sich daselbst täglich ausdehnt, benutzen wird, um daS Projekt des engeren Bundes (union restrictive!) abortiren zu lagen, welches Preußen so mühsam zur Well gebracht hat."
So hat v. Gagern in Hamburg gesprochen!
Deutschland.
□ Vom östlichen Taunus. Nach dem aufgestellten Entwürfe der Schulkommission zur Revision unseres Schulgesetzes, soll das geringste Diensteinkommen für die Lehrer der Volksschule 200 fl. und das höchste 900 fl. betragen.
Gewiß wird jeder wahre Freund des Vaterlandes, dem die große Bedeutung der Volksschule im staatlichen und kirchlichen Leben klar ist, diesen Antrag zur Herbeiführung einer besseren Lebenslage für die Lehrer billigen und 6elfen gesetzliche Ausführung wünschen; denn durch eine so durchgreifende Ge, Haltserhöhung würde eö möglich, die besseren Lehrer in gerech-